Bauen im Zeichen des Adlers – Teil 2

iuppiter-tempelDer Jupitertempel auf dem Kapitol

Lange bevor auf dem zweitkleinsten der 7 Hügel Roms der Tempel der Capitolinischen Trias errichtet wurde, hieß der Hügel ` Varro mons tarpeius´. Der Name stammt von dem steil abfallenden Tarpejischen Felsen, der an der südlichen Spitze des Hügels liegt. Ursprünglich wurden hier auch die Todesurteile durch das Hinabstoßen vom Felsen vollzogen. Der erste der Capitolinischen Trias geweihte Tempel wurde an einer Stelle errichtet wo zuvor bereits andere Heilgtümer standen. Roms 7. und letzter König Tarquinius Priscus hatte den ersten Tempel begonnen, doch der wurde erst 509 v. Chr. nach dessen Vertreibung geweiht. Einer Sagen zufolge gilt dieses Datum im August auch als Gründung der Römischen Republik. In der Folgezeit wurde der Tempel durch mehrere große Feuersbrünste immer wieder zerstört und im Jahr 80 n. Chr. zum letzten mal neu erbaut. Seine Gestalt hatte einen dreiseitigen Säulenumgang mit einer geschlossenen Rückwand. Bereits die Anzahl seiner 28 Säulen lässt ein mehrschichtiges Konzept an symbolischen Bezügen erkennen.

Die 28 stellt die Zahl nicht nur die zweite vollkommene Zahl dar, sie entspricht auch dem Produkt der 4 Himmelsrichtungen, dem Sinnbild der Erde und der 7 als Sinnbild der Erfüllung. Das Innere des Tempels war dreigeteilt. In jeweils einer Cella stand eines der Kultbilder. In der Mittleren Cella befand sich das Bild des Iuppiter/Jupiter Optimus Maximus, während sich das Bild der Juno auf der linken und das der Minerva auf der rechten Seite. Zusätzliche Bilder von Göttern die mit Iuppiter eng verbunden waren befanden sich an verschieden Stellen des Tempels.

jupiter_erde

Jupiter – Erde, Größenvergleich

Auf Grund seiner großen Helligkeit wurde der Planet Jupiter im Alten Ägypten bereits in der ersten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. als die Himmelsgottheit Hor-wepesch-taui verehrt. Ebenso wurde Jupiter in Mesopotamien als Sag-me-gar und später von den Babyloniern als der weiße Stern mul-bab-bar verehrt, der mit dem Gott Marduk identifiziert wurde. Sein Name Jupiter ist auf das proto-indoeuropäische dyeu ph ter zurückzuführen, was `Gott-Vater´ bedeutet. War diese Bezeichnung nur rein mythologisch gedacht, oder war sie gar Ausdruck eines unterbewussten Wissens um die Rolle des Planten in unserem Sonnensystem? Bei näherer Betrachtung könnte man Jupiter diese Rolle durchaus zuordnen, da er Dank seiner Masse so etwas wie die Schützende Hand der Erde darstellt. Mit ihr hält er die Umlaufbahnen benachbarter Planeten stabil und seine Masse des Jupiter wirkt auch wie ein gigantischer Kometenstaubsauger. Damit schützt er die Erde vor zahlreichen Kometeneinschlägen. Die meisten dieser Himmelskörper kom- men von der Oortschen Wolke und haben parabolische, oder hyperbolische Bahnen. Auf ihnen nähern sich der Sonne also nur einmal. Doch viele fliegen ebenso auf einer periodischen Bahn, wobei sich die Sichtbarkeiten den heutigen Aufzeichnungen entziehen. Kehren sie also irgendwann zurück, so fängt sie Jupiter Dank seiner riesigen Gravitation ein, oder er verändert dadurch ihre Bahn und sie werden dadurch aus dem Sonnensystem hinausgeschleudert. Gäbe es Jupiter nicht, so zeigen Simulationen das Eindringen und die Aufschläge einer großen Anzahl von Kometen auf den Planeten unseres Sonnensystems und damit auch auf die Erde. Aber eine größere Anzahl von Impakten auf der Erde würde so auch wenig Spielraum für langfristige kulturelle Entwicklungen lassen.

statue-des-zeusStatue des Zeus mit Nike, Eremitage Sankt Petersburg

Auch die Griechen über nahmen den obersten Himmelsgott in der Gestalt des Zeus. Bei ihnen erhielt er auch den Beinamen der `Blitzeschleuderer´. Auch die Römer übernahmen ihn in dieser Rolle, doch hier übte er vielfältige Funktionen aus. Seine Attribute waren ein Bündel von Blitzen in seiner rechten Hand, die er bei Bedarf auf die Erde schleudern konnte. Als seinen Begleiter hatte er den Adler, der gleichzeitig auch die Rolle eines Boten hatte. Die Eiche war sein Baum und deshalb wurde Iuppiter/Zeus gelegentlich auch mit einem Eichenkranz abgebildet. Innerhalb der Mythologie war er ein Sohn von Rhea und Kronos, der in der römischen Mythologie von Saturn verkörpert wurde. Im griechischen Mythos verstieß Zeus seinen Vater Kronos vom Thron und machte sich damit selbst zum Herrscher der Götter. Da ihm ähnliches prophezeit wurde verschlang er seine schwangere Frau Metis, seinen eigenen weiblichen Pol und wurde so erst erwachsen. Trotzdem bekam er Nachwuchs und der entstand in seinem Kopf. Als Jupiter eines Tages von heftigen Kopfschmerzen gepeinigt wurde, ließ er sich von dem Gott Hephaistos, dem römischen Vulcanus, mit einem Hammer den Schädel spalten. So entsprang aus ihm seine Tochter Athene, die Göttin der Weisheit, in voller Rüstung zum Vorschein kam.

geburt-atheneMichael Meierl: Atlanta Fugiens 1618 – Geburt der Athene

Sein Kultbild im Tempel auf dem Capitol könnte wohl so beschrieben werden: Iuppiter sitzt auf einem Thron und hält in der linken erhobenen Hand ein Zepter. Seine rechte Hand ruht auf dem Oberschenkel und umfasst die charakteristischen Blitze. Über seinen linken Schenkel fällt in weiten Wallungen das Ende seines Mantels. Vor bzw. unter seinem Thron sitzt ein Adler, der in Richtung Iuppiters blickt.

Bilder: Iuppiter Tempel, aviewoncities.com / Wikipedia, Jupiter – Erde, Größenvergleich, Statue des Zeus mit Nike, Eremitage Sankt Petersburg , George Shuklin, Meier, Michael: Atlanta Fugiens, Oppenheim 1618

weiter mit Teil 3 / Der Blick auf den Adler

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