Bauen im Zeichen des Adlers – Teil 4

Das Stiftungsfest und der Jupitertempel auf dem Capitol

jupiter-statue-rastattJupiterstatue mit Adler, Schloss Rastatt

Iuppiter war der Fürst des Himmels der die Waffe des Blitzes und des Donners führte. Innerhalb der römischen Mythologie war er der höchste unter den Göttern und bestimmt auch das Schicksal der Menschen. Deshalb erhielt er auch den Beinamen Optimus Maximus genannt dem das Heiligtum Capitol gewidmet war. Sein Fest am 19. August, die Vinalia rustica, war eng verknüpft mit dem am selben Tag stattfindenden Fest der Venus, der Stammmutter der Römer. Die Stadt Rom bestand bereits seit viereinhalb Jahr- hunderten, als dort 295 v. Chr. der erste offizielle Venustempel errichtet wurde und der Göttin Venus obsequens, der Erhörenden geweiht wurde. Die Vinalia rustica, das ländliche Weinfest diente mit seinen religiösen Zeremonien auch dazu um den Schutz der kommenden Weinernte zu bitten. Diese Weihehandlung lag in den Händen des Flamen Dialis. Im Rahmen der Weihehandlung schnitt er einige Trauben ab und forderte am Ende der Zeremonie dazu auf, mit der Weinlese zu beginnen.

zeues-und-adlerZeus und Adler

Wie bei Zeus, war auch bei Iuppiter der Adler ein heiliges Tier. Er wurde als Iovis ales, als Jupiters Vogel, als Iovis Nutrix, Jupiters Ernährer und als Iovis armiger, Iuppiters Waffen-träger bezeichnet. Die Bezeichnung Iuppiters Ernährer erhielt er auf Grund seiner Hilfe während der Flucht Iuppters vor seinem Vater Saturn , dem römischen Gott des Acker- baues und Herrscher des Goldenen Zeitalters. In der Theogonie des griechischen Schrift- stellers Hesiods ist er Sohn des Himmelsgottes Caelus und der Erdgöttin Tellus. In der Erzählung Hesiods erlangte er die Macht, in dem er seinen Vater überwältigte und im Kampf kastrierte. Da ihm das gleiche Schicksal durch seine Kinder prophezeit wurde, fraß er sie alle auf, bis auf sein 6.Kind, Iuppiter, der auf Kreta versteckt wurde wo ihn der Adler mit Nahrung versorgte. Innerhalb der Mythologie wurde der später zum Dank für seine Tat als Sternbild in den Himmel versetzt. In der Folgezeit beeinflusste sein hellster Stern Altair mit seinem Auftauchen am Himmel die Gebäudeachsen römischer Städte und Gebäude. So auch am Abend des 19. August, wo er genau in Rom in der Achse des Iuppitertempels zum ersten Mal wieder am Himmel zu sehen war.

jupiter-tempel-kapitol-planAusrichtung des Iuppitertempels auf Altair

Aber nicht nur die Römer bedienten sich der Symbolik des mächtigsten Raubvogels. Weltweit ist er in unterschiedlichen Kulturen ein Begleittier der obersten Gottheiten.So wird auch der in­di­sche Gott Vishnu von Garuda, einem Adler mit menschlichem Gesicht, getragen. Den Adler machte Pto­le­maios Soter, ein Vertrauter Alexander des Großen und späterer Pharao von Ägyp­ten, nach der Übernahme der Macht in Ägypten zu einem Symbol des Neuen Reiches und seiner Götter. Auch die nordische Mythologie bediente sich dieses Symbols. Wo auf der Weltenesche Yggdrasil stets ein Adler saß und beobachtete die Vorgänge auf der Welt. Die Ereignisse auf Kreta zeigen, wie das Motiv der Wiederholung die Handlungen von Mythologien beherrscht. Deshalb ist es an dieser Stelle notwendig, den Blick auf das Goldene Zeitalter zu richten.

garuda-und-vishnuGaruda und Vishnu

In diesem friedlichen Zeitalter, in dem alle Menschen ihr Auskommen hatten, herrschte Astraea die Göttin der Gerechtigkeit. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erweiterte Aratos von Soloi den Mythos der Gerechten Göttin zu einem eigenständigen Mythos. Auch Ovid griff den Mythos auf. Inzwischen hatte sich das Goldene in das eiserne Zeitalter gewandelt und die Göttin herrschte über die blutbesudelte Erde. In dieser Zeit wandte sich Astraea voller Enttäuschung von den Menschen ab. Er beschreit ihr Verschwinden mit folgenden Worten: Achtende Scheu ist dahin, und von blutbefeuchteten Ländern. Kehrte die Jungfrau heim, Astraia, der Himmlischen letzte. Diese Erhebung der Astraea in den Himmel wird auch 2000 Jahre später, noch immer Mitte August, in Gestalt von Mariä Himmelfahrt gefeiert. Ausschlaggebend für dieses Datum war der in Rom auch zu dieser Zeit zu beobachtende der Aufstieg des Sternbildes Jungfrau, das die himmlische Verkörperung der Astraea darstellte. Mitte August, zu Entstehungszeit des Mythos, stieg es in Rom zeitgleich mit der Sonne auf, so dass es im Strahlenkranz der Sonne in den Himmel entschwebte.

jungfrau-und-sonneAm 19. August entschwandt die Jungfrau zusammen mit der Sonne in den Himmel

Wie hier bei Tempel der Capitolinischen Trias taucht er Adler in vielen römischen Bauwerken als bestimmendes Richtungsmotiv auf. Sicher sollte diese ideelle Verbindung einen weiteren Schutz und eine Verbindung zum obersten Gott Iuppiter gewährleist-en.Schließlich hatte der ja, wie im Teil 1 geschildert, die Erde seit Milliarden von Jahren durch seine Masse vor den schlimmsten Katastrophen bewahrt.

Bilder:Wikipedia, Zeus und Adler (Naukratis-Maler, etwa 560 v. Chr.), Louvre, Paris, : Naucratis Painter / Simulation Stellarium

Teil 5 – Köln und seine Adler

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