Bauen im zeichen des Adlers – Teil 6

Köln und der ewige Adler

agrippina_minorAgrippina die Jüngere; Büste im Landesmuseum Württemberg

Im Jahre 15 n. Chr. wurde Agrippina die Jüngere, Tochter des Germanicus und Gattin des Kaisers Claudius im Oppidum Ubiorum, der Gründersiedlung der späteren Köln geboren. Ihr Name wird in der Literatur mit `die mit Schwierigkeit geboren übersetzt. Sie erreichte es dass ihr Mann 50 n. Chr. ihre Geburtsstadt zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Kolonie des Kaisers Claudius und Opferstätte der Agrippinenser“) erhob. Der Erhebung des früheren Oppidums zur Colonia war auch mit weitreichende Rechten und umfangreichere Privilegien verknüpft. Im Zuge dieser Änderung begann eine enorme Entwicklung des antiken Köln und dessen weiterer wirtschaftlicher Aufschwung. In der Städte-Hierarchie des römischen Imperiums stand die abgekürzt als CCAA bezeichnete Colonia ganz oben in der Rangliste und ihre Bürger waren den Römern gleichgestellt. Die wirtschaftliche Entwicklung der Colonia am Rhein ließ sie während des 2. und 3. Jhdts. n. Chr. zu einer der bedeutendsten Städte des römischen Imperiums werden und lange war sie auch dessen größte Stadt nördlich der Alpen.

das-roemische-koeln-schaubild Das römische Köln (3. und 4. Jahrhundert n. Chr)

Religiöser Mittelpunkt der Colonia war der Altar der Ubier. Über den Ursprung ihres Namens herrscht Uneinigkeit. Teilweise wird es mit dem heutigen Wort über in Verbindung gebracht, oder auch als die Hohen gedeutet. Aber es gibt auch eine Sehweise die im germanischen Wort Ubuo, die Landbauern den Ursprung erkennt. Diese Deutung würde auch mit eine Erklärung für das Datum der Sonnenausrichtung des Stadtgrundrisses ergeben. Der Altar der Ubier war ein aus Carrara-Marmor gebauter Tempel. Seine Front bestand aus acht 15 m hohen korinthischen Säulen die einen geschmückten Giebel trugen der mit einem Relief verziert war. In dessen Mitte war der sich auf eine Lanze stützende Mars abgebildet, neben ihm Venus, die Stammmutter der Römer und rechts neben Mars, die Göttin Roma, sowie eine Personifizierung des Tiber.

altar-ubierAltar der Ubier, Rekonstruktion

Die Göttin Roma stellte die göttliche Verkörperung der Stadt Rom dar und war zugleich die Schutzgottheit des römischen Staates, sowie des Römischen Reiches. Während der Kaiserzeit wurde sie häufig zusammen mit dem Genius des Kaisers verehrt. Ihr Fest wurde an den Parilien, dem 21. April und legendären Gründungstag Roms, gefeiert. Der römische Dichter Ovid schilderte dieses Fest ausführlich und beschrieb es als Tag der Reinigung und Erneuerung. Mit diesem Ritual verbanden die Römer auch die Erinnerung an die mythische Gründung ihrer Stadt durch Romulus, die sie ebenfalls auf den 21. April datierten. Zu dieser Zeit erinnerte der Morgenhimmel die Römer mit dem Stern Capella, auch an ihren obersten Gott Iuppiter/Zeus, denn bis kurz vor Sonnenaufgang war Capella noch für wenige Augenblicke am Nordwesthorizont der Stadt zu sehen. In der römischen Mythologie lebte in ihm die an den Himmel versetzte göttliche Ziege Amalthea weiter, die Zeus in seinem Versteck in Kreta mit ihrer Milch versorgte. Die Bedeutung von Iuppiter und Mars für die Stadt folgte auch die Ausrichtung des Stadtgrundrisses. Die geringfügige Abweichung aus der Ostwest Achse genügte hier gleich zwei Anforderungen: Dem Sonnen-aufgang am 23. März und der Erstsicht des Sternes Altair aus dem Sternbild Adler, der kurz vor Sonnenaufgang, oder in der Abenddämmerungzin dieser Richtung zu sehen war.

koeln-plan-sonneAusrichtung des Stadtgrundrisses der Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zum Marsfest Quinquatrus/ Quinquatria verweist auch auf die ursprüngliche Rolle des Mars als italischer Bauerngott, dem während des Frühjahräquinoktiums Opfer gebracht wurden. Erst im Laufe der Geschichte wandelte er sich vom Buerngott zum heute bekannten Kriegsgott, vergleichbar dem griechischen Ares. In späteren Zeiten verlagerte sich er Schwerpunkt des Festes allerdings zu Feiern der Göttin Minerva. Diese fünftägigen Feiern genossen auch unter den Soldaten des römischen Heeres eine enorme Popularität. Dass der Vogel Iuppiters auch die Richtung von römischen Straßen beeinflusse zeigt sich am Beispiel der Colonia. So ist Altair am Abende des 25. August genau in Richtung der nach Norden führenden Straße zum ersten Mal zu sehen. An diesem Tag wurden Opiconsivia zu Ehren von Ops Consiv(i)a, oder auch Ops Mater gefeiert. Sie verkörperte die altrömischen Göttin des Erntesegens, des Überflusses und Reichtums und all dies war in Köln ja reichlich vorhaben

koln-statdwappen-um-1900Köln, Stadtwappen um 1900

Als Symbol blieb der Adler der Stadt treu, wenngleich sein Aufgang sich am Himmel verschoben hatte und er damit nicht mehr deckungsgleich mit dem Stadtgrundriß war. Nach der Erhebung zur Freien Reichsstadt 1475 wurde der Reichsadler übernommen. Im alten Kölner Wappenschild erschien er als Doppeladler mit Zepter und Schwert. Er war das Symbol des Heiligen Römischen Reiches, das in die Fußstapfen des untergegangen Imperium getreten war. Die beiden Adlerköpfe standen jeweils für Kaiser- und Königs- macht und verkörperten so den Status der Stadt als Freie Reichsstadt.

Bilder Wikipedia: Agrippina die Jüngere; Büste im Landesmuseum Württemberg, Marmor, 40,5 cm, 50er Jahre n. Chr., RudolfSimon / Das römische Köln (3. und 4. Jahrhundert n. Chr.; Schaubild im Römisch-Germanischen Museum), Nicolas von Kospoth (Triggerhappy), Simulation, sunearthtoolsm, stellarium

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