Bauen im Zeichen des Adlers – Teil 7

rekonstruktionDas Kastell Weißenburg – Rekonstruktion

Das Kastell zählt heute mit seinen zahlreichen Bauresten, dem wiederaufgebauten und den Thermen zu den wichtigsten Orten der Limesforschung in Deutschland. Funde zeig-en, dass die Anlage in der Nähe einer ehemals keltischen Siedlung erbaut wurde. Das erste Anlage wurde hier um das Jahr 90 n. Chr. in leichter Holzbauweise errichtet. Zwisch-en 140 und 150 n. Chr. erfolgte der Umbau zu einem Steinkastell, wobei alle Tortürme noch eine quadratische Form erhielten. Ihre heutige abgerundete Form erhielten die Türme frühestens ab dem 2. Jhd. Das Kastell diente als Standort für eine 500 Mann starke Reitereinheit aus Spanien, die Ala I Hispanorum Auriana. Neben dieser Ala gibt es aber auch schriftliche Nachweise für die Stationierung einer Cohors IX Batavorum milliaria equitata.

peutingersche-kartePeutingersche Tafel

Unter dem Namen Biricianis wird der Ort auf der im 12. Jhd. entstandenen peutingerschen Landkarte, der Tabula Peutingeriana, aufgeführt. Die Karte beruft sich auf antike Karten-werke die noch aus römischer Zeit stammen, deren Originale sind aber verloren ge-gangen. In der Literatur wird der Ursprung des Namens in keltischen Begriffen gesehen, für die es aber keine adäquate Deutung gibt. Einzig das mittelhochdeutsche Wort biric, würde hier auf die fruchtbare Eigenschaft der Landschaft verweisen, die auch heute dort anzutreffen ist. Anders verhält es sich mit dem ersten mittelalterlichen Namen Wizzenburc, mit dem der Ort erstmals 1036 in der Geschichte aktenkundig wurde. Dabei muss aber gar nicht die Eigenschaft weiß gemeint sein, denn zu dieser Zeit bedeutete wizzan, einfach kennen oder verstehen.

weissenburg-plan-02Ausrichtung des Kastells

Ein Grund für die Ausrichtung des Kastells auf ein bereits vertrautes Datum dürfte seinen Grund auch im Mutterland der Legionäre haben. Nach Hispanien kam die römische Religion vor allem in Form der Trias Jupiter, Juno und Minerva. Aber auch Mars spielte als Kriegsgott in bestimmten Milieus eine wichtige Rolle. Neben den auf dem Areal gefunden Götterstatuen. verweist auch ein in der Andreaskirche vermauerter Votivaltar für Jupiter auf dessen damalige Bedeutung. Auf dem Altar wird ein Marcus Victorius als Truppen-kommandeur genannt, der ihn Jupiter, dem Besten und Größten geweiht hatte. Auch in Weißenburg spielte Altair aus dem Sternbild Adler bei der Ausrichtung der Achsen eine wichtige Rolle. So zielt die in östlicher Richtung verlaufende Achse auf den Sonnen-aufgang am bereits bekannten Jupiterfeiertag am 19.August und genau entgegengesetzt, markierte der Stern Altair mit der Letztsicht am 13. Juli das Ende der Ludi Apollinares, der Spiele zu Ehren des Gottes Apollon. Als Sohn des Zeus/Iuppiter gehörte er zu den 12 olympischen Göttern. Apollo war auf der einen Seite war er todbringend, wie bei der Schlacht um Troya, wo er das griechische Lager mit der Pest verseuchte und auf der anderen Seite war Apollon aber auch ein Heilgott, wie auch ein Gott des Ackerbaus und der Herden.

weissenburg-plan-01Keltische Siedlung Weißenburg

Dass der Ort als keltische Siedlung durchaus von Bedeutung war, zeigt seine Beziehung zu den beiden Bergen Rohrberg und dem Wülsburger Berg. Vom Standort des Kastells ist der Sonnenaufgang während des Äquinoktiums über dem Wülsburger Berg zu sehen und über dem Rohrberg am 1. August. In der Germanischen Welt war der Zeitpunkt des Herbstäquinoktiums auch ein Fest des Wettergottes Donar/Thor. Noch heute gibt es in Thüringen in dieser Zeit einen Brauch bei dem der Erbsenbär ausgetrieben wird, denn die Erbse war eine Frucht Donars. Dabei wird eine mir Erbsenstroh gefüllte Strohpuppe aufgestellt, wobei das Stroh an die ursprünglich Donar geweihte Frucht erinnert. Der Hammer ist ein Attribut von Donar/ Thor der innerhalb der germanischen Mythologie eine ähnliche Stellung einnahm wie Jupiter . Meist wird dieser Hammer den Blitzen Jupiters gleichgesetzt, doch in Wirklichkeit kommt ihm auch noch eine ganz andere Bedeutung zu. Der Hammer, das Handwerkszeug des Schmiedes, dient zur Umformung von Metallen und so entsteht aus toten Metall erst durch seine Arbeit die lebendige Form. Unter einem ähnlichen Blickwinkel kann auch der Zyklus der Natur betrachtet werden. Mit seinem Hammer erweckte einst Donar/ Thor die tote Natur nach der langen Winterkälte wieder zum Leben. Eine vergleichbare Symbolik besitzen wohl auch die zahllosen Äxte die in neolithischen Gräbern gefunden wurden. Diese Äxte sollten den Toten helfen einst die Totenstarre wieder zu durchbrechen. Zur Verehrung Donars/Thors auf der im Osten liegenden Wülsburger Berg passt auch der Bau des Klosters das hier lange vor der Festung errichtet wurde. Dessen Kirche war den beiden Aposteln Petrus und Pauls ge- weiht. Während der Christianisierung der germanischen Völker wurde Petrus als `Apostelfürst´ hoch verehrt. Ihm wurde nicht nur die Macht über den himmlischen Schlüssel, sondern wie damals Donar/Thor auch die über das Wetter zugesprochen. Deshalb sind wohl im Zuge der Christianisierung an vielen Orten ehemaliger Donar/Thor Heiligtümer, Kirchen des `bäuerlichen Wettergottes Petrus errichtet worden.

Bilder: Wikipedia, Kastell Weißenburg Rekonstruktion / Biriciana auf der Tabula Peutingeriana , Simulation Stellarium, Sunearthtools

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