Sagenhafte Orte – Teil 2

Die 7 Jungfrauen von Vöhrenbach

voehrenbach-um-1920Vöhrenbach um 1920

Am südlichen Ortsende des Schwarzwaldortes Vöhrenbach beginnt das Tal in dem das Bruderkirchle liegt das auch Michaelskapelle genannt wird. Die kleine Kapelle liegt an der Steige der alten Straße von Vöhrenbach, die über Herzogenweiler bis nach Villingen führt. Erstmals tauchte die Kapelle im Jahr 1580 in Urkunden auf. Sie ist eine der geheimnisvollsten Sehenswürdigkeiten am Rande des Schwarzwaldes, denn mit der Kapelle verbindet sich auch die Sage von den 7 Jungfrauen. Sie erzählt das sich in vergangenen Zeiten in dem Tal südlich von Vöhrenbach sieben Jungfrauen niedergelassen hätten. Dort führten sie ein frommes und klösterliches Leben. Da zu dieser Zeit in der Stadt eine Verwilderung der religiösen Sitten eingetreten war, versuchten die Jungfrauen die Bewohner wieder zum christlichen Lebenswandel zurückzuführen und schufen sich dabei aber viele Feinde. Da der Schultheiß Mändle ihnen nicht gut gesonnen war, ließ er sie gefangen nehmen. Mit Folter und unter Androhung des Todes wollte er sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Doch all seine Drohungen blieben ohne Wirkung. So ließ er falsche Zeugen auftreten die Jungfrauen der Hexerei bezichtigen. Es dauerte nicht lange und die 7 Jungfrauen wurden trotz ihrer Unschuld zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Bevor der Scheiterhaufen entzündet wurde, sprach aber eine der Jungfrauen: `So gewiss wir unschuldig sind, so gewiss wird Vöhrenbach dreimal verbrennen!´ Wie sie, so prophezeiten auch die anderen Jungfrauen dem Ort eine düstere Zukunft. Sie sagten, dass das Geschlecht der des Bürgermeisters Mändle aussterben, das Stadtgericht verloren gehen, die Silbergruben und die Obstbäume würden nicht mehr ergiebig sein und schließlich auch die Kirchen zerfallen würde. Das Gericht zeigte sich dessen unbeeindruckt. Man verbrannte zuerst sechs Jungfrauen, während man die siebte verschonte, in der Hoffnung sie ihrem christlichen Glauben abspenstig machen zu können. In der folgenden Nacht sah diese Jungfrau aber ihre Gefährtinnen in der himmlischen Herrlichkeit und beteuerte darauf vor den Richtern, dass sie niemals von Jesus Christus lassen werde. So wurde auch sie am nächsten Tag verbrannt. Ehe sie starb, warf sie vom Scheiterhaufen aus einen Bund von sieben goldenen Schlüsseln auf die Erde und rief: `So gewiss bin auch ich unschuldig, als an dieser Stelle ein Brunnen entstehen wird, wohin ich die Schlüssel werfe. Darin wird alle sieben Jahre am Karfreitag vor Sonnenaufgang ein Fisch mit den Schlüsseln um den Hals erscheinen. Mit den Schlüsseln kann man eine Goldkiste öffnen. Aber nur der kann den Fisch sehen, der ganz rein ist von Sünden!´

bruderkirche-1932-kopieMichaelskapelle (Bruderkapelle) um 1932

An dieser Stelle entsprang tatsächlich eine Quelle und auch all die übrigen Vorhersagen der Verurteilten gingen in Erfüllung. Dort wo die Jungfrauen verbrannt worden sein sollen steht heute die Michaelskapelle, die im Volksmund auch Bruder- oder die Sieben-frauenkapelle genannt wird. Im Innern ist eine Votivtafel zu sehen, auf der die einstige Verbrennung der sieben Jungfrauen dargestellt wurde. Ebenso zeigt eine Tafel die Legende der Waldbrüder,  die nach den Ereignissen die Kapelle am Ort der Verbrennung erbaut haben sollen. Die Kapelle, wie der Brunnen des- sen Wasser Heilkraft besitzen soll, wurden bald zum Ziel von Wallfahrten, den Siebenfrauenwallfahrten.

waldbruederVotivtafel Waldbrüder

Wohl entscheidend haben die Gebrüder Grimm die heutige Auffassung von Sagen ge- prägt. Sie sahen in ihr die `Kunde von Ereignissen der Vergangenheit, welche einer histor-ischen Beglaubigung entbehrten`, ja sie sahen sie gar als naive Geschichtserzählung, die durch das dichterische Vermögen des Volks ausgeschmückt wurde.

voehrenbach-plejadenDas Tal der Plejaden

Wie an anderen Orten, so deutet sich aber auch in Vöhrenbach ein ganz realer Hinter- grund an. Zur Zeit der ersten Erwähnung der Kapelle stieg das Gestirn der Plejaden genau in Richtung des Tales auf und markierte hier wichtige Kalendertage. Eindrucksvoll war der Aufstieg der Plejaden am Tag der Sonnenwende kurz nach Sonnenuntergang, oder auch zur Herbst Tagundnachtgleiche zu sehen. Damit war das Gestirn der 7 Schwestern aber auch ein Symbol der alten Kultur und sicher noch immer Teil jenes vorchristlichen Glaubens, der sich in ländlichen Gegenden noch bis ins 17. Jahrhundert hielt. In einem Zeitalter der Glaubenskämpfe bot dies sicher Anlass genug, ihn mit Hilfe einer Legende umzudeuten.

Plejaden Gemälde Die Plejaden. Gemälde von Elihu Vedder, 1885, Metropolitan Museum of Art, New York.

Das Gestirn der 7 Schwestern genoss in fast allen Kulturen große Aufmerksamkeit. So nannte man sie in Ägypten und im Orient `die sieben Hebammen´. Auch der siebenarmige Leuchter, die heilige Menora der Israeliten symbolisiert vermutlich die Plejaden. Im prä- vedischen Indien sprach man dem Siebengestirn eine heilige Bedeutung zu. Dort wurden es als `die heiligen Mütter der Welt´, oder auch Krittikas verehrt. Ein Begriff der auch als Richter ausgelegt werden kann. Auch der römisch-jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwähnt das Gestern. Er schrieb, dass beim Niedergang des Siebengestirns um die Zeit des Laubhüttenfestes im November der einsetzende Regen dem Wasser-mangel ein Ende machte. Nicht nur die offensichtliche Ähnlichkeit der 7 Schwestern, auch die Verbindung zum Wasser verweisen auf die vorchristliche Mythologie die mit der St.Michaelskapelle beendet werden sollte. Doch die Siebenfrauenwallfahrten zeigen, dass Reste der alten Welt in veränderter Form weiterlebten und die Sage vor einem realen hintergrund zu sehen ist.

Bilder: Michaelskapelle, Vöhrenbach.de/ Wikipedia, Die Plejaden. Gemälde von Elihu Vedder, 1885, Metropolitan Museum of Art, New York. Plejaden / Simulation, stellarium

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