Sagenhafte Orte – Teil 8

Die Höhle der Seherin – die Veledahöhle

veleda-hoehle-westeingangVeleda Höhle Westeingang

Die Veledahöhle, im Volksmund auch Hohle Stein gebannt, liegt in der Nähe des Ortes Valmede und ist eines der ältesten Kultur- und Geschichtsdenkmäler des Sauerlandes. Einst soll sie die Wohnstatt der berühmten germanischen Seherin Veleda gewesen sein. Eine Sage berichtet wie die germanische Seherin aus dem Stamme der Brukterer in einer stürmischer Nacht in die große Bogenhalle über dem Dorf Velmede einzog. Zuvor hatte die Ehrfurcht gebietende Gestalt auf einem Turm am unteren Lauf der Ruhr bei Lippe gewohnt. Als aber die Römer ins Land kamen, sei sie flussaufwärts gezogen, um in der Velmeder Höhle geheimnisvolle Gabe der Weissagung auszuüben. Von weit her kamen die Menschen zu ihr um sich in der weiten Höhle niederzuwerfen. Aus den zerklüfteten Spalten der Höhle trat dann die ernste Seherin hervor, weit vorgebeugt, um im zischenden, kochenden Grunde den Willen der ewigen Götter im erfahren. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete über die Veleda als eine Frau aus dem Stamme der Brukterer, die zur Zeit des Kaisers Vespasian lebte. Ihr schrieb er großen politischen und spirituellen Einfluss auf die freien germanischen Stämme zu. Eine ihrer bekanntesten Prophe-zeiungen war die Vorhersage der Vernichtung des römischen Heeres im Jahr 69/70. Während der Eroberung Germaniens wurde die Veleda jedoch gefangengenommen und nach Rom gebracht. Dort bat Kaiser Vespasian sie aber für ihn als Ratgeberin tätig zu werden. Bis zu seinem überraschenden Tod im Juni 79 unterstütze er Veleda finanziell und auch sein Sohn und Nachfolger Titus achtete ihre Integrität.

veleda-jardin-luxembourgStatue der Veleda im Jardin du Luxembourg

Veleda blieb in Rom und starb schließlich in den 80er Jahren im südlich von Rom gelegenen Ardea. Als eine Frau, die am Kampf der Germanen gegen ihre Feinde teilgenommen hatte, wurde sie nach ihrem Tode als Schlachtenjungfrau, oder auch als Walküre verehrt. Diese Dienerinnen des Kriegsgottes eilten auf Rossen durch die Luft zum Kampfplatz und ließen sich dort nieder. Hier fesselten sie hinter dem befreundeten Heere die gefangenen Feinde, hemmten das feindliche Vordringen durch Zauberei und befreiten die von den Feinden gefesselten Freunde. Die gefallenen Helden aber hoben sie auf und führten sie zur Himmelsburg Walhalla, wo sie ewige Jugend und stete Glückseligkeit empfingen.

veleda-hoehle-haupteingangVeleda Höhle, Blick auf Haupteingang

Die Geologie erklärt Entstehung der Höhle durch einen Wasserstrom der über Jahrmillionen hinweg das Gestein ausgewaschen hat. Emil Carthaus hat sie als erster in der Zeit zwischen 1909 und 1911 erforscht. Bei seinen Grabungen entdeckte er zahlreiche eisenzeitliche Funde, wie zahlreiche Keramikscherben, ein Kinderarmband, oder ein Gefäß aus Bronze. Daneben fand er aber auch Knochen vom Höhlenbären, Hirschen, dem Ur und auch Wildschweinen die wesentlich älteren Datums waren. Diese Anziehungskraft des Ortes über Jahrtausende hinweg muss aber noch andere Gründe gehabt haben. So berichtet der Heimatforscher Kohle in seiner 1958 erschienenen Chronik, dass die Bewohner der Gegend um 1860 am Ostersonntag vor dem Anzünden des Osterfeuers zur Höhle gingen. Jeder, der in die Höhle hinabstieg, warf dann einen Stein in die untere Halle. Auch ein anderer Brauch war zu diesem Zeitpunkt noch bekannt. Es war das Aufsuchen des Teiches am Grunde der Höhle, um aus dem Wasserstand Voraussagen auf ein fruchtbares oder unfruchtbares Jahr zu treffen. Doch diese Bräuche gerieten laut Kohle nach dem Ersten Weltkrieg zusehends in Vergessenheit. Eine Erklärung für dieses Brauchtum bietet  die Nordrichtung der Höhle. Blickte man während des Äquinoktiums um 1860, also zur Zeit des Osterfestes kurz vor der einsetzenden Morgendämmerung aus der Höhle in Richtung Norden, so war dort zum lezten Mal der Stern Capella aus dem Sternbild Auriga zu sehen.

veledahoehle-planVeleda Höhle, Sicht auf Capella

Noch bei den Römern wurde Capella, die `Herrliche Krone´ oder auch Cornucopiae genannt, das `Horn des Überflusses und des Reichtums´. Diese Vorstellung war ein Erbe der griechischen Mythologie, wo die göttliche Ziege Zeus in seinem Versteck auf Kreta ernährte. Zum Dank wurde sie von dafür an den Himmel versetzt. Also ein ideales Bild um damit den herannahenden Frühling zu feiern. Capella als Teil des Sternbildes Auriga wurde in Assyrien unter dem Namen I-ku, der `Anführer´, verehrt und so als Schutzstern des Landes angesehen. Auch in Ägypten wurden Tempel auf den heliakischen Auf- und Untergang von Capella ausgerichtet und in Griechenland war der Stern offenbar der Orientierungspunkt eines Tempels in Eleusis, der der Mondgöttin Diana geweiht war. Die Ausrichtung der Höhle war geradezu der ideal, um den Raum in der Erde mit der Sicht zum Himmel zu verbinden und dort das alte Symbol des Überflusses und des Reichtums am himmel zu erblicken. War es in der jüngeren Vergangenheit Capella, so könnte der Polarstern in der Eisenzeit auf ähn- liche Weise die damaligen mythologischen Vorstellungen beflügelt haben, denn zu dieser Zeit fiel dessen Letztsicht mit dem keltischen Feiertag am 1. August zu- sammen.

Bilder: Wikipedia/Westlicher Eingang der Veleda-Höhle in Velmede.DonGatley /Plan Veleda Höhle, Veleda Höhle Haupteingang, Michael Stratmann/ Veleda Jardin du Luxenbourg, http://4.bp.blogspot.com/ Simulation Stellarium

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