Das Fenster zum Himmel – die Bussenkirche

bussen2St Baptist auf dem Bussen

Der Bussen liegt zwischen Donau und Bodensee. Mit 767m stellt er die höchste Erhebung in der Region dar und bietet bei Fönwetterlage oder klarer Fernsicht eine Fernsicht bis zu den Alpen. Sogar der Bodensee ist dann als Silberstreif am Horizont zu erkennen. Auf dem `Heiligen Berg Oberschwabens´, liegt die Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist auf dem Bussen, auch Bussenkirche genannt. Etwas entfernt, im nordöstlichen Teil liegen e die Reste einer mittelalterlichen Burg. Diese wurde wahrscheinlich zeitgleich mit der ersten Kirche errichtet. Nach ihrer Errichtung durch das Geschlecht der Aholfinger geriet sie in die Hände der Habsburger und später der Waldburger, bevor sie 1633 im Dreißig-jährigen Krieg von den Schweden zerstört wurde.

bussen-gnadenbildBussen Gnadenbild

Die Kirche selbst wird erstmals in einer Schenkungsurkunde der Gaugrafen Chadaloh und Wago an das Kloster St. Gallen aus dem Jahr 805 erwähnt. Ursprünglich war der fränk- ische Bischof Leodegar von Autun der Kirchenpatron, doch seit 1432 ist dies Johannnes der Täufer. Um der wachsenden Schar von Gläubigen gerecht zu werden die auf den Bussen pilgerten, wurde am 1. April 1516 der Grundstein für die heutige Kirche gelegt. Trotz des Johannespatroziniums ist im erhöhten Chor der Kirche, hinter dem Volksaltar, mittig erhöht auf einer Stele, das Gnadenbild der Kirche aufgestellt. Dieses Bild in Gestalt einer Pietà-Skulptur aus der Zeit um 1585, machte die Bussenkirche erst zu dem Wallfahrtsort wie er heute bekannt ist. Gestiftet wurde das erste Bild im Jahr 1521 von einer Truchsessin. Anlaß der Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes auf dem Bussen war oftmals ein bislang unerfüllter Kinderwunsch. So erzählen auch zahlreiche Ge- schichten vom sogenannten Bussenkindle. Seit über 50 Jahren ist der Bussen auch das Ziel der großen Männer- und Familienwallfahrt am Pfingstmontag.

johannes-taeufer-hagia-sophiaMosaik Johannes des Täufers in der Hagia Sophia in Istanbul (12. Jh.),

Der Gedenktag von Johannes dem Täufer wird am 24. Juni gefeiert. Nach der Erzählung des Lukaseveangeliums war er Sohn der Elisabeth und des Zacharias. Er wurde ein halbes Jahr vor Jesus geboren und gilt in biblischer Sicht als der letzte große Prophet vor Jesus, dessen Kommen er vorbereitete. Johannes taufte Jesus im Jordan an der heute Qasr el Jahud genannten Stelle bei Bethanien. Auf Grund seiner Kritik an der unrecht-mäßigen Verbindung von Herodes Antipas mit seiner Schwägerin Herodias ließ Herodes ihn festnehmen. Der Hass der Herodias bewog deren Tochter Salome nach einem Tanz vor ihrem Vater das Haup des Johannes zu fordern. Er wurde daraufhin enthauptet und Salome brachte ihrer Mutter den Kopf des Johannes auf einer Schale (Markusevangelium 6, 14 – 29). Der längst Tag, sowie der kürzeste des Jahres sind auf diese Weise mit der Geburt von Jesus und des Johannes verbunden. Ein Grund für den solaren Zusammen- hang ist auch im Täuferspruch des Johannnes zu suchen, wo er sagt: `Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden´. (Joh 3,30 EU) Diese solare Symbolik bildete ebenso den Rahmen im Leben von Johannes dem Täufer. So liegt die Festung von Herodes Antipas wo er hingerichtet wurde und sein Geburtsort Ein Kerem exakt in Richtung der Sommersonnenwende.

johannes-sommersonnenwendeSolare Symbolik bei Johannes dem Täufer

Während der Christianisierung war die Tradition des Sonnwendfestes im Brauchtum der Bevölkerung noch tief verwurzelt, so dass die Kirche Mühe hatte diese Feiern zu unterbinden. Da passte der Ablauf der Lebensgeschichte von Johannes und Jesus allzugut ins Kirchenjahr, um mit dem Johannitag am 24. Juni ein Gegengewicht zu den als heidnisch erklärten Sonnwendfeiern zu schaffen. In diese Richtung weist auch das Kirchenschiff von St. Baptist, das auf den Sonnenaufgang an diesem Tag ausgerichtet wurde.

bussenkirche-planAusrichtung von St Baptist

Das der Heilige Berg Oberschwabens bereits lange vor dem Kirchenbau ein Kultort ge- wesen sein musste, zeigen Sichtbeziehungen zu mehreren umliegenden Orten. So liegt er von der Heuneburg aus betrachtet auf der Linie der Sommersonnenwende und auch vom nordwestlich gelegenen Ort Upflamör ist die Bedeutung des Bussen noch zu erkennen. Dort liegt das Bussenbergle, ein mittelgroßer Grabhügel aus der Eisenzeit. Von hier aus betrachtet sieht man das Zwielicht des Sonnenaufganges am 1. Februar in Richtung des Bussen. Zahlreiche Hügelgräbergruppen rund um den Bussen, wie die bei Unlingen oder Uttenweiler, haben ebenso Sonnenbeziehungen zu dem Berg und verweis- en damit auch auf seine einstige kultische Bedeutung.

bussenbergle-2Bussenbergle und Bussen

Dass der Berg wie andere frühgeschichtliche Kultstätten entsprechend der solaren Richt- ung geformt wurde, ist heute noch an seinen Höhenlinien zu erkennen. Ausgemittelt entsprechen sie der Sonnenrichtung die auch mit St. Baptist wieder aufgegriffen wurde. Schon in vorchristlichen Zeiten wurde zur Wintersonnenwende die Geburt des Sonnen-kindes gefeiert, das dann als Sonnenkönig zur Sommersonnenwende wieder sterben musste. So betrachtet scheint die Erfüllung des Kinderwunsches auf dem Bussen Teil eines kulturellen Gedächtnisses zu sein, das an diesem Ort überdauert hat.

Bilder: Wikipedia / Gnadenbild, Dietrich Krieger/ Mosaik Johannes des Täufers in der Hagia Sophia in Istanbul (12. Jh.), The Yorck Project / Simulation sunearthtools

Nächste: Altötting, Gnadenkapelle

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