Sagenhafte Orte – Kultort Wurmberg

wurmberg-im-harz1Blick vom Großen Knollen über Sankt Andreasberg zum Wurmberg

Vor ungefähr 16 Jahren erschien in der örtlichen Tagespresse ein Artikel in dem von Grabungen des Archäologen Dr. Michael Gschwinde berichtet wurde. Seine Nachforsch- ungen auf dem Wurmberg ergaben, dass die Reste eines quadratischen Fundamentes von einem Haus waren. Dies hatte ein Oberförster in den 20-er Jahren erbaut und nutze dies mit Freunden und Familie für ausgelassene Feste auf dem Plateau. Auch die als Hexentreppe bezeichneten steinernen Stiegen wurden in einem begleitenden Gutachten als geologische Formation erklärt. Damit beendete Gschwinde vorerst den Mythos einer frühgeschichtlichen Kultstätte auf dem Wurmberg. Neben mündlichen Überlieferungen. waren es vor allem die 1856 veröffentlichten Harzsagen des Märchenforscher Heinrich Pröhle die zu diesem Mythos beitrugen. Er berichtete darin von den uralten Überlief- erungen eines Heidentempels auf dem Berg. Ein weiteres Indiz für eine Kultstätte sah er in der Stufenanlage die im Volksmund Heiden- und später Hexentreppe genannt wurd.

hexentreppe-2`Hexentreppe´ am Wurmberg

Die Wahrscheinlichkeit, dass der exponierte Berg mit seinem markantem Aussehen keine Kultstätte war, dürfte jedoch äusserst gering sein. Wieder einmal zeigt sich an dieser Geschichte, dass die Deutung von Überresten im Boden allein nicht genügen. Betrachtet man die Geometrie des Berges, zeigt schon die Ausrichtung seiner ovalen Form eine Auffälligkeit, denn ihre Mittellinie bildet die Verbindung von Sonnenaufgang am 15. Februar und dem Untergang am 23. April. Ein weitere markante Linie ergibt aber auch am 1. Mai, wo die Sonne über der 919m hohen Wolfswarte untergeht, einem größeren Felsmassiv auf dem Bruchberg.

wurmberg-plan1Sonnenrichtungen des  Wurmberges

Auf den ersten Blick erscheint dieser Name wohl eher aus dem Gedanken eines Beobachtungspunktes für Wölfe entstanden zu sein. Doch dieser Name ist vielschichtig und als erstes drängt sich hier die Verbindung zum 1. Mai auf. In der nordischen Göttersage, der Edda, ist der Wolf ein Symbol für dämonische Mächte. Odin, der Gott des Krieges und des Todes, wurde von zwei Wölfen begleitet und der mythische Wolf Fenrir spielt beim Weltuntergang, der Wolfszeit, eine wichtige Rolle. In der Edda, aber auch in indischen Mythen wird das Tier mit Dämonen gleichgesetzt. Das Christentum führt diese Sicht weiter und setzte nun den Wolf mit dem Teufel gleich: So warnte in den Überlieferungen Jesus vor falschen Propheten in Schafskleidern, bei welchen es sich um reißende Wölfe handle. Von einer Verbindung von Teufel und Wolf ist auch in zahlreiche Natursagen aus Osteuropa, Russland und Skandinavien die Rede. Eine Sage die den Teufel mit der Walpurgisnacht vor dem 1. Mai in Verbindung bringt ist die Sage vom Hexentansplatz in Thale. Laut dieser Erzählung versammeln sich in dieser Nacht die Hexen, um von Thale aus auf Besen, Mistgabeln, Katzen gemeinsam zum nahegelegenen Brocken zu fliegen. Dort soll in jener Nacht alljährlich das eigentliche Hexenfest statt-gefunden haben. Auf diesem tanzten alle Hexen mit dem Rücken zueinander um ein großes Feuer. Anschließend küssten sie dem dort anwesenden Teufel den Hintern, um sich anschließend mit ihm zu verbinden. Darauf verlieh der ihnen das Hexenmal, was ihnen die Fähigkeit zur Zauberei verlieh.

brocken-hexenHexen und der Teufel auf dem Brocken

Ein weiterer Teil des Wurmberges der auf eine frühere Rolle als Kultort hinweist, ist der östlich vorgelagerte große Winterberg. Auch dieser Flurname kann nicht zufällig ent- standen sein, da man vom dortigen Standort den Sonnenuntergang zur Wintersonnen- wende über dem Wurmberg beobachten kann. Doch von diesem Punkt ergibt sich eine weitere Beziehung zum Brocken. In der Zeit um 4100 v. Chr. der ersten großen Besiedlungswelle Mitteleuropas entstand die Michelsberger Kultur mit ihren ersten großen Erdwerken. Doch neben diesen Siedlungsanlagen wurden wohl ebenso geeignete Kultorte angelegt. Geradezu prädestiniert war hier die Lage des großen Winterberges. Konnte man dort während der Wintersonnenwende der Sonnenuntergang über dem Gipfel des Wurmberges beobachten, leuchtete kurz danach über dem Brocken der Stern Arktur auf. Mit dieser solaren Eigenschaft des großen Winterberges ließe sich dann auch der Name Wurmberg erklären in dem ja das Wort Wurm, oder erweitert der Lindwurm durch-scheint. Das Verschwinden der Sonne, bei Finsternissen oder auch bei er Winterson- nenwende wurde seit jeher mit Dämonen in Verbindung gebracht. Doch das Bild des Drachen hat sich wohl auch auf eine ganz andere Weise im kulturellen Gedächtnis ein- geprägt. Mit der Wintersonnenwende ist nicht nur das Entzünden eines Feuers verbunden, sondern auch Umzüge. An manchen Orten, wie in Eßlingen am Neckar werden diese heute wieder als Fackelumzüge durchgeführt. Blickt man dann aus der Ferne zu dem Zug, sieht er aus, als würde sich ein feuerspuckender Lindwurm durch die Landschaft be- wegen. Das Kapitel Kultort Wurmberg darf also wieder aufgeschlagen werden.

esslingen-fackelzugUmzug zur Wintersonnenwende

Auch die westlich gelegene Achtermannshöhe liegt auf einer wichtigen Sonnenlinie. Sie wurde im 13. Jhd. noch Uchteneshoge genannt. Dem Wort `Uchte´ liegt das gotische Wort `uchtwo´, die Morgendämmerung, zu Grunde. Damit wird auch seine Eigenschaft als Ort der Sonnenbeobachtung beschrieben. So lässt sich von der steinernen Pyramide der Achtermannshöhe der Sonnenaufgang während des Äquinoktiums über dem Wurmberg beobachten.

Bilder: Blick vom Großen Knollen über Sankt Andreasberg zum Wurmberg, Ravie / Hexentreppe am Wurmberg, http://www.peterpf.homepage.t-online.de- Megalithen / Simulation sunearthtools, stellarium

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