Sagenhafte Orte – Rottenburg und der Hexenberg

blick-zum-heubergBlick zum Heuberg

Der sagenumwobene Berg liegt nordwestlich von Rottenburg, an der nach Bondorf führenden Landestraße. Bereits 1507 schrieb der Historiker Martin Plansch in seinem in Latein verfasstem `episculum de sagis maleficis´, dass die Hexen zum mons foenis, vom Volke `Heuberg´ genannt, ziehen, wo sie unter Tänzen und fröhlichem Gelage feierten. Auch in den 1881 erschienen Sagenband `Volkstümliches aus Schwaben´ gibt es eine Erzählung die von dem Heuberger Hexenweib Sybille handelt die in dem Berg haust. Klein und untersetzt wird sie hier geschildert, mit winzigen Füßen und einem großen, kugelrunden Kopf. Wie die Sage berichtet, war der Turm auf dem Heuberg, den es schon zu römischen Zeiten gegeben haben soll, seit jeher Sammelplatz aller Hexen aus nah und fern. So sollen sie in Vollmondnächten auf ihren Ofengabeln dorthin geritten sein, wo sie mit Tänzen ein fröhliches Gelage feierten. Zahlreiche Flurnamen in Rottenburg, wie das Hexengässle, oder der Hexenturm verweisen noch auf die Zeit des Wunder- und Aberglaubens. Doch bei näherer Betrachtung erscheinen auch hier die Vorstellungen von zaubermächtigen Wesen vor einem realen Hintergrund.

heuberg-rottenburgAusrichtung des Heuberges

heuberg-rottenburg-2Wichtige Bezugspunkte: Heuberg, Achalm und der Schlossberg bei Nagold

Der längliche Berg weist in südöstliche Richtung auf einen Sonnenaufgangspunkt um den 22. Februar hin. In der katholischen Kirche wird an diesen auch wichtigen Lostag der Fest Kathedra Petri gefeiert. Das Fest überformte wohl ein römisches Aussöhnungsfest mit den Verstorben, wie auch ein germanisches Fest, das 8 Wochen nach der Winter-sonnen-wende gefeiert wurde.In Westfalen existiert an diesem Tag noch der Brauch des Sup Peiters der sich auf eine Zusammenkunft der Ureinwohner zurückführen lässt. Acht Wochen nach der Wintersonnenwende wurde am 22. Februar, mit dem Wotans- bzw. Odhinstag, das Ende des Winters gefeiert. Aus diesem Anlass zündete man ein großes Feuer an und hielt das `kleines Thing´ ab. Auf dem Thing wurde der Anführer für das kommende Jahr gewählt. Ebenso wurden bei diesem Termin kleinere Vergehen durch ein unteres Gericht geahndet.

kathdrapetri-petersdomKathedra Petri, Relique im Petrersdom, Bernini

Wotan, der Gott der Weisheit und der Schlachten, konnte sich auch gelegentlich in einen Raben verwandeln. Zudem wurde er auch von seinen beiden Gefährten, den Raben Munin und Kunin begleitet. Die schickte er jeden Tag aus um zu erfahren, was in der Welt Wichtiges geschah. Während Raben bei den Germanen noch als heilige Vögel galten veränderte sich deren Bild im Zuge der Christianisierung. Ihr Auftauchen galt bald als Vorbote von Tod, Unheil und Pestilenz. In dieser Zeit wurde die Welt der Tiere in zwei Gruppen eingeteilt: In die für den Menschen nützliche Kreaturen und die, die ihm schadeten. So zählte Rabenvögel rasch zu den Schädlingen und galten im Mittelalter als Begleiter von Hexen. Der um sich greifende Hexenglaube ging so weit, dass eine Frau schon als Hexe verteufelt wurde, wenn ihr eine Krähe zu nahe gekommen war. Noch gefährlicher wurde die Elster betrachtet, denn sie galt als verwandelte Hexe. Zur Abwehr der in der Vorstellung allgegenwärtigen Hexen half gemäß den einschlägigen Ratschlägen nur ein Mittel: tote Elstern oder Krähen an die Haustür genagelt, sollte sie von den Wohn- häusern fernhalten. Wohl nicht nur das Wissen um die alten Zusammenhänge beeinflussten hier die Vorstellung von Hexentreffpunkt, denn auch die längsgerichtete Form des Heuberges weist in entgegengesetzter Richtung auf den Sonnenuntergang der Nacht hin, die gemeinhin als Treffpunkt der Hexen gilt: die Walpurgisnacht vor dem 1.Mai.

bruegel-ritt-zum-brockenPieter Bruegel d. Ä., Der Ritt zum Brocken Kupferstich

Einer Sage zufolge versammelten sich zur Walpurgisnacht Hexen auf dem Hexen-tanzplatz bei Thale. Von dort aus sollen sie dann auf Besen, Mistgabeln, Katzen u.ä. Fluggeräten zum Brocken geflogen sein, wo das eigentliche Hexenfest stattfand. Auf diesem tanzten sie angeblich alle einem großen Kreis mit dem Rücken zueinander um das Feuer herum und küssten schließlich dem Teufel den Hintern. Bei der anschließenden Vermählung mit dem Teufel zeichnete er sie dem sogenannten Hexenmal aus das ihnen die Fähigkeit zur Zauberei gab. Mit diesen Schauergeschichten sollten die Bräuche der alten Maienfeste beseitigt werden, wie sie aus der irisch-keltisch Kultur, aber auch aus  römischen überliefert sind.

walburga-contern Statue der heiligen Walburga in der Kirche zu Contern

Das Gedenkfest der gelehrten Äbtissin Walburga sollte dies bewirken. In den Schriften wird die aus England stammende Benediktinerin als Nichte des heiligen Bonifatius ge- sehen. Schon ihr sprechender Name deutet Sicherheit an, denn übersetzt bedeutet er wehrhafte Burg. Mit ihrer Heiligsprechung durch Papst Hadrian II. an einem 1. Mai wurde sie zur Schutzpatronin der Seefahrt und half allgemein gegen böse Geister. So begann e in der Hochzeit des Hexenglaubens bereits eine Woche vor der Nacht zum 1. Mai das Walburgaläuten und signalisierte damit dem gemeinen Volk die drohende Gefahr. Doch dies ist längst Geschichte und die Heuberger Hexen von Rottenburg strahlen heute beste Feierlaune aus.

Bilder: mapio/Blick zum Heuberg, Brumm200/ wikipedia/ Cathedra Petri, Dnalor 01/ Pieter Bruegel d. Ä., Der Ritt zum Brocken Kupferstich/ Statue der heiligen Walburga in der Kirche zu Contern, Johnny Chicago / Simulation Sunearthtools

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