Sagenhafte Orte – Burg Württemberg

burg-wuerttemberg-1819Burg Württemberg vor 1819,  Franz Xaver Odo Müller

In Ludwig Bechsteins 1853 erschienenen Deutschem Sagenbuch ist die Sage `Der Wirt am Berg´ verzeichnet. Sie berichtet über Entstehung der Burg Württemberg und wurde auch durch die Hoffnung auf den wiederkehrenden Friedenskaiser Barbarossa inspiriert.

barbarossa-auf-dem-thronKaiser Friedrich Barbarossa mit Bügelkrone, Reichsapfel und Szepter zwischen seinen Söhnen Heinrich VI. und Friedrich von Schwaben.

Barbarossa, so die Erzählung hatte seine Tochter einst an einen Dienstmann verloren der mit ihr floh. Als der Kaiser weiter zog, baute der mit ihr eine Wirtschaft Fuß des Rohten-berges. Nach Jahren der Abwesenheit kehrte der Kaiser wieder einmal dorthin zurück und erkannte seine Tochter nicht mehr. Obwohl der das Herz beim Wiedersehen bebte,  hielt sie sich unerkannt. Sie bereitete dem Kaiser seine Lieblingsspeise, denn niemand verstand sich besser darauf als sie. Als der Kaiser sie endlich erkannte, fielen ihm beide flehend vor die Füße auf dass er ihnen verzeihe. Der Kaiser, so die Erzählung war froh dass er die Tochter am Leben fand und verzieh beiden. Er erhob seinen Schwiegersohn zu einem hohen Grafen. Als Geschenk erhielt er von ihm den Rothenberg mit der Auflage den Namen Wirt am Berg weiter fortführen. Dies erfüllte der Wirt am Berg und baute später auf den Berggipfel eine stattliche Burg, die dann die Stammburg des Geschlechtes der Württembergischen Grafen wurde.

Siegel Ulrich I.Siegel Graf Ulrichs I. von Württemberg, um 1259

Doch der Name der Stammburg der württembergischen Grafen änderte sich im Laufe ihrer Geschichte. So wurde sie auch Wirdeberch, Werdenberc oder auch Wirtinsberk genannt. Erst mit der Erhebung zum Königreich Württemberg durch Napoleon I. wurde dann Württemberg zur offiziellen Landesbezeichnung. Dreimal wurde die Burg nach Zer- störungen wieder aufgebaut, bis sie schließlich zu einer Ruine verfallen in der Regierungszeit von Wilhelm I. 1819 abgetragen wurde. Den ursprünglichen Namen den der Berg heute wieder trägt bestimmte die Farbe rot. Rot symbolisierte schon immer die Kraft des Blutes, aber die Farbe steht auch als Sinnbild für das Feuer und die damit verbundene Energie. Der Begriff schwingt auch beim Wort Wirt mit, der im Mittelhoch- deutschen neben gastfreundlich auch gebieterisch bedeutet. Trotzdem halten Sprach- forscher auch eine Entstehung des Namens aus der römisch-keltischen Bezeichnung wirodunum denkbar. Dabei stände  wiro für das keltische Wort viro, der Mann und dunum für die Festung. Heute steht die 1820 errichtete Grabkapelle an Stelle der einstigen Burg auf dem Rotenberg.

Rotenberg 2Rotenberg. Grabkapelle

Doch eine nähere Betrachtung zeigt, dass beim Rotenberg noch zwei weitere Berge liegen, deren Hochpunkte ein gleichseitiges Dreieck bilden. Ihre Namen erinnern an die alten Besitzverhältnisse, als die Weinberghöhen noch im Besitz der Klöster Zwiefalten, Würzburg und Hirsau waren. Der westlich liegende Mönchsberg, der den Namen der einstigen Mönche weiterträgt, ist allerdings rund 50m niederer als der berühmtere Rotenberg. Nicht nur seine Höhe, auch die Lage machte den Rotenberg wohl bereits in früheren Zeiten zu einem bedeuteten Ort. Eine Erklärung dafür bietet das weiter nord- westliche gelegene Anhöhe Altenburg beim früheren Römerkastell. Das über dem Neckarufer errichtete Kastell lag damals an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Wurde es ähnlich wie andere Kastelle, auf ehemals keltischen Siedlungsflächen errichtet, zeigt sich hier eine Beziehung zum Rotenberg. So ist vom Standort Altenburg  der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende über dem Rotenberg aus zu beobachten. Ein weiterer Sonnenbezugspunkt gibt des auf dem Kahlenberg, der heutigen Parkfläche des Rosensteinschlosses, denn von dort aus ist der Sonnenaufgang in der Zeit um den 1. Februar zu sehen.

rotenberg-karte-03Das Rotenberg – Dreieck

Auf der Linie Mönchsberg, Rotenberg lässt sich aber noch ein weiteres bemerkenswertes Datum an die Sage vom Wirt am Berg denken, der Sonnenaufgang am 23. April. An diesem Tag wurde in römischer Zeit das erste große Fest zu Ehren des obersten Gottes Jupiter gefeiert, die Vinalia Priora. An diesem Tag, der während er Christianisierung zum Georgstag wurde, brachte man vom neuen Wein ein Trankkopfer dar. Dabei wurde Wein über einem geweihten Objekt vergossen. Der Wein war über Jahrhunderte hinweg das typische Produkt der Landschaft um den Rotenberg, denn dort besteht der Boden überwiegend Muschelkalk und Keuper. Ein mildes Klima, sowie ausreichend Nieder- schläge bieten hier ideale Voraussetzungen für den Anbau anspruchsvoller Rebsorten. Dies hatten bereits die Römer erkannt die hier entlang des Neckars die ersten Weinstöcke pflanzten. Nicht nur das Trankopfer, auch die Farbe Rot verweist auf den höchsten Gott der Römer, dessen Statuen meist in rötlichem Ton hergestellt wurden.

altenburg01Rotenberg und die Altenburg in Bad Cannstatt

In der Sage vom Wirt am Berg, die schon im Mittelalter rätselhaft erschien, scheint auch das mittelhochdeutsche Wort `wirtel´ durch, das sich aus dem lateinischen `vetere´, wenden oder umkehren entwickelte. Von der Altenurg aus gut sichtbar, wird der Rotenberg zur Wintersonnenwende dieser Eigenschaft durchaus gerecht, denn mit dem Sonnenauf- gang an diesem Tag wendet sich  die Bahn der Sonne wieder. Sie steigt wieder an, ihrem Zenit entgegen, ein Bild in dem sich auch das aufsteigende Geschlecht der Württem- berger sicher identifizieren konnte. Der Rotenberg an der Spitze des Rotenberg – Dreieckes war also ein wichtiger Peilpunkt, doch der könnte weitaus älter sein, als dies die Sage vermuten lässt..

Bilder: Wikipedia, Burg Württemberg vor 1819. Franz Xaver Odo Müller aus: Robert Uhland `900 Jahre Haus Württemberg´/ Der thronende Kaiser Friedrich Barbarossa mit Bügelkrone, Reichsapfel und Szepter zwischen seinen Söhnen Heinrich VI., der bereits die Königskrone trägt (links), und Friedrich von Schwaben Miniatur aus der Historia Welforum. Fulda, Hessische Landesbibliothek / Siegel Graf Ulrichs I. von Württemberg, um 1259 / Simulation, Sunearthtools.

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