Marienberg – die Stadt Heinrichs des Frommen

marienberg_zschopauer_strasse_und_st-_marienBlick entlang der Zschopauer Straße auf die Stadtkirche St. Marien

wappen-marienbergWappen Marienbergs

Um die Orientierung des Bergbauortes Marienberg in Sachsen verstehen zu können, ist es wichtig einen Blick auf die Frömmigkeit des Mittelalters zu werfen. Im Jahr 1506 löste Heinrich der Fromme und letzte Ritter, wie er genannt wurde, ein Gelübde ein. Im Alter von 33 Jahren brach er von Freiberg zur Wallfahrt nach Santiago des Compostela auf, dem Heiligtum des Jakobus.

herzog_heinrich_denkmalDenkmal von Herzog Heinrich

Diese Reise entsprach ganz und gar der damaligen Praxis, den in der Vorstellungswelt der Gläubigen trug eine Wallfahrt zur Sicherung des eigenen Seelenheils bei. Nebenbei war der Besuch Santiagos auch eine Huldigung an jenen Schutzpatron, der wie kein zweiter den Beistand des inzwischen fast 700 Jahre dauernden Kampfes gegen den Islam gewährte. Ein Grund für die Angst um das Seelenheil war der Glaube eines Aufenthaltes der Seele nach dem Tod in einer Art Zwischenwelt, dem Purgatorium. Mit guten Werken und unter der Vermittlung der Kirche konnte in den damaligen Vorstellungen dieser Aufenthalt verkürzt, oder die Qualen auch gemildert werden. Diese Gedanken entsprangen waren aber schon Teil einer germanischen Vorstellungswelt, in der die Gabe erst die Gegengabe ermöglichte. Erst durch das fürbittende Gebet wurde die Gegengabe, also die Erlösung im Purgatorium ermöglicht. Über den Umfang der Minderung von Sündentaten beim Gläubigen, oder auch dem Verstorbenen gab es genaue Vorschriften. So konnten durch Ablässe gegen Geld, oder mit Hilfe von Wallfahrten die aufgelaufenen Sünden spürbar gemindert werden. Auch der Besitz von Reliquien konnte diesem Zweck dienlich sein. Einer der Wallfahrtsorte, der für die Jakobslegende ebenso von zentraler Bedeutung ist, ist  die Stadt Zaragoza durch die der Pilgerweg `camino levante´ führt. Hier wird am 12. Oktober das Fest `Unsere Liebe Frau von El Pilar´gefeiert.

maria-pilar-saragozza1Maria Pilar Saragozza

Der Legende zufolge kam die Jungfrau Maria noch zu ihren Lebzeiten an diesen Ort. Sie wurde dabei von Engeln getragen und sollte dem in Spanien missionierenden Jakobus Trost spenden. Bei diesem Ereignis soll sie dem Apostel auch auf einer Säule erschienen sein und ihm dabei aufgetragen haben eine Kapelle zu bauen. Als sie verschwand, blieb die Säule zurück auf der heute eine Staute der Maria steht. Die Legende geht wohl auf eine Epoche zurück, die noch vor er eigentlichen Reconquista lag, denn die heutige Kirche entstand erst im 11. Jahrhundert. Jedenfalls schrieb der damalige Bischof am 18. Dez- ember 1118, unter Berufung auf die Bulle des Papstes an alle Gläubigen, dass sie für die Kirche `Beatae et gloriosae Mariae in urbe Caesaraugustana´ spenden sollten. Später wurden die spanischen Habsburger zu den größten Förderern des Marienheiligtums in Zaragoza. Die symbolische Bedeutung des Festes Pilar lässt sich auch an dem Datum ermessen, dass das Mittelalter endgültig von der Neuzeit trennte, denn die Entdeckung Amerikas wurde genau auf diesen Tag terminiert. So schreibt Kolumbus in seinen Aufzeichnung von jenem Morgen im Jahr 1492, als der Matrose Rodrigo de Triana vom Bug der Pinta Land sichtete: `Eine Kanone wurde abgefeuert, damit alle die frohe Bot- schaft sofort mitbekamen.

marienberg-plan-sterneMarienberg, Auurichtung

Knapp 30 Jahre später, im Jahre 1519, begann der Aufschwung des Ortes Marienberg. Als am 17. Juli deselben Jahres Clemens Scheffel das erste Silber im Tal des Schletten-baches entdeckte, siedelten sich kurz darauf die ersten Bergleute an. Weitere Erkund- ungen des Gebirges erfolgten daraufhin in der gesamten Umgebung. Da der Zustrom von Bergleuten weiter anhielt, veranlasste dies Herzog Heinrich 1521 zur Gründung der Berg- stadt Marienberg, deren Grundriss von Ulrich Rülein aus Calw ausgearbeitet wurde. Rülein war ein anerkannter Montanwissenschaftler, Mathematiker, Städtebauer und Astrologe. Nachdem er 1496 die Anlage vion Annaberg entworfen hatte, war Marienberg war sein zweiter kompletter Stadtentwurf. Auch hier hinterließ die Vorgeschichte des Gründers ihre Spuren. So weisen die Straßen Marienbergs auf den Horizont im Nordosten der außerhalb des Sonnenaufgangsbogens liegt, doch die entgegengesetzte Richtung bietet nun eine Brücke zum Namen der Stadt. Sie zielt auf die Letztsicht des Sternes Sirius am 12. Oktober, eben jenem Marienfest Pilar. Sirius wurde in biblischen Texten ebenso wie der Polarstern, gerne mit Stella Maris, dem Meerstern und Symbol Marias identifiziert. Trotzdem spielte in Rüleins Konzept auch der Sonnenaufgang eine wichtige Rolle, denn senkrecht zur Peillinie auf den Stern Sirius erfolgt der Sonnenaufgang am Weihnachtsfest, dem 25. Dezember.

columbusLandung des Kolumbus auf Guanahani,
Kupferstich von Theodore de Bry (1594)

Wenige Jahre nach den ersten Baumaßnahmen wechselte der Fürst, auch unter dem Einfluss seiner Frau, die Konfession. Die Reformation hielt Einzug im Lande. Fast scheint es, als hätte der Universalgelehrte Rülein dies bei seinem Entwurf bereits geahnt, denn am Reformationstag markierte einst die Erstsicht des Sternes Capella den Nordostpunkt am Horizont. Bildlich betrachtet war ja nun die neue Religion die nährende Ziege des Landes. Somit vereint der Stadtgrundriss Marienbergs wohl am besten die alte und die neue Epoche Glaubens. Ebenso verweist er mit  dem 12. Oktober auf ein wichtiges Datum der Weltgeschichte: Den Beginn der Neuzeit.

Bilder: Wikipedia/ Blick entlang der Zschopauer Straße auf die Stadtkirche St. Marien, Harke/ Herzog Heinrich Denkmal Marktplatz Marienberg , 1971markus@wikipedia.de / Maria Pilar Saragozza, Ökumenisches Heiligenlexikon / Landung des Kolumbus auf Guanahani“, Kupferstich von Theodore de Bry (1594) / Simulation Stellarium, sunearthtools

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s