Schönbrunn – die Quelle der Wiedergeburt

castle Schloss Schönbrunn, Sicht von der Gloriette

Eine der beiden Diagonalleen des Schlossparks führt zum Obeliskbrunnen am Schön-brunner Berg. Neben der Gloriette und der Menagerie bildet er einen der wichtigen Visier-punkte der Gartenachsen. Wie einige andere Objekte in der Gartenanlage wurde auch die kunstvoll gestaltete Brunnenanlage von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg entworfen und im Jahre 1777 errichtet. Er wird von vier Schildkröten getragen den Sym- bolen der ewigen Stabilität. Die Anlage wird von einer Sonnenkugel bekrönt auf der ein Adler sitzt.

gloriette_schoenbrunnGloriette Schönbrunn

Adler galten bereits in der Antike als die einzigen Wesen, die sich ohne Schaden zu nehm- en der Sonne nähern konnten. Zugleich war der Adler in den meisten Mythologien auch stets ein Bote der obersten Gottheit. Die Entwicklungsgeschichte seiner symbolischen Bedeutung reicht bis in die Zeit Mesopotamiens zurück, wo der Adler bereits Teil der mythischer Vorstellungen war. Die christlichen Vorstellungswelt baute darauf auf und er- weiterete das Bild des Adlers erneut. So steht im 2. B. Mos. 19, 4: Da spricht der Herr: `Ihr habt gesehen, wie Ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und habe euch zu Mir ge- bracht.´ Neben der Rolle als Mittlers zwischen Himmel und Erde wurde der stärkste unter den Vögeln nun auch zu einem Sinnbild der Allmacht und Allwissenheit, überhaupt des göttlichen Geistes. Dieser göttliche Geist stand aber ebenso für die Verjüngung und die Wiedergeburt. Ein Beispiel dieser Sehweise gibt der Psalm 103‚ 5 , wo es heißt: `Lobe den Herrn, der deine Seele fröhlich macht und du wieder jung wirst, wie ein Adler.´ Eines der ergreifendsten Bilder mit dieser Symbolik wird in Dantes Paradies 18, 9, beschrieben, wo die Seelen der Seligen im Fluge sich zusammen scharen und am Himmel die Figur eines ungeheuren Adlers bilden. Alle, die Teil dieses Adlers sind, so steht dort, sind durchdrungen vom göttlichen Geist, dessen Sinnbild sie darstellen.

goldener-adlerGoldener Adler von Schönbrunn

Der Adler besitzt aber weitaus mehr Facetten als dies den biblischen Texten zu entnehm- en ist. So besitzen seine Füße vier Zehen, wobei die Vier im Sinne der antiken Symbolik auf die Erde verweist. Die Vier ist damit auch ein traditionelles Symbol für Erdung und für ein solides Fundament im Leben. Obwohl der Adler eine großartige Flugbegabung zeigt, bleibt er doch mit der Erde verbunden. Dabei sind seine Krallen dazu geschaffen, sein Jagdwild zu ergreifen und auch festzuhalten. Auf den Mensch übertragen bedeutet dies, wie er die irdischen Dinge zu ergreifen und sich nützlich zu machen. Ohne diese ureigenste Fähig- keit, mit ganzer Kraft zupacken zu können und aus der Beute Nutzen zu ziehen, hätte der Adler keine Möglichkeit zu überleben. Sein scharfer Schnabel ist ja geradezu prädestiniert zu schneiden, zu zerreißen und zu zerstören. Dies weist nun auf eine weitere Facette die der Adler neben den Sinnbildern für die göttliche Weisheit und die Wiedergeburt verkörp- erte.

adler-und-schlangeKampf des Adlers gegen die Schlange

In seinem Wesen ist er eben auch der Raubvoges und verkörperte den Kämpfer. Das christliche Verständnis vom kämpfenden Adler, griff damit das Bild des Kampfes von Adler und Schlange auf, das bereits Teil des mesopotamischen Ischtar Mythos war. Im Christentum wurde der Adler zum Symbol des Lichtes und damit von Christus, der gegen die Nacht und damit den Teufel kämpft. In dieser Funktion liefert die Gestalt des Adlers auch einen Hinweis auf die Ausrichtung des Schlosses Schönbrunn.

schoenbrunn-und-altairAusrichtung von Schönbrunn auf den Adler

4 Jahre nach dem historischen Sieg am Kahlenberg beauftragte Leopold I. den neu zu- gewanderten Architekten Johann Bernhard Fischer, später geadelt von Erlach, mit der Planung eines repräsentativen Neubaus. Im Jahr 1688 legte Fischer eine Planung vor, die die Anlage des Schlosses von Versailles noch übertroffen hätte. Da die Pläne so nicht finanzierbar gewesen waren, wurde 1693 mit einer weitaus kleinere Anlage beauftragt, die in den Jahren 1696–1701 an Stelle eines älteren Bauwerkes errichtet wurde. Der Auf- traggeber des Schlosses, Leopold I, wurde am 9. uni 1640 in Wien geboren. Durch seine geschickte Politik und seinen absolutistischen Herrschaftsstil führte er das Kaisertum zum letzten Mal zu seiner großer Bedeutung. In die Zeit seiner Herrschaft fällt aber auch der Höhepunkt der Gegenreformation, wobei er in seinem Herrschaftsbereich auf einen Aus- gleich der Konfessionen bedacht war. Während der Epoche des Absolutismus dienten Mathematik, Geometrie und Astronomie dazu, Macht, Reichtum und Wohlstand durch die Beherrschung der Natur darzustellen. Im Fall Schönbrunns verweist bereits die Symbolik des Adlers im Ehrenhof auf die dem Schloss zu Gunde liegende Symbolik und damit auf den Visierpunkt am Himmel. In Gestalt des hellsten Sternes Altair war der Adler bis zur Dämmerung an genau jenem 9. Juni noch sichtbar. Damit verwies er mit seiner Symbolik nicht nur auf die Vorstellungen von Wiedergeburt und dem Quell der göttlichen Weisheit, sondern eben auch auf den nicht kanonischen Feiertag Gratia Maria,. Mutter der Gnade. Nach einer Zeit abnehmender Marienfrömmigkeit im ausgehenden Mittelalter erlebte ge- rade ihre Verehrung, als Protagonistin der Gegenreformation, eine neue Blütezeit. Deshalb muss Schönbrunn nicht als eine irdische, sondern eben als eine transzendentale Quelle verstanden werden, die auf engste mit der Person von Leopold I verknüpft ist.

Bilder: Wikipedia / Das Schloss Schönbrunn von der Gloriette aus, Martin Abegglen / Gloriette, Thomas Wolf, http://www.foto-tw.de, Simulation sunearthtools und stellarium

 

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