Glastonbury, der Ort des Lugh

glastonbury-tor1Glastonbury Tor

Es gibt wohl keinen Ort in England um den sich so viele Mythen ranken, wie um den kleinen Ort Glastonbury im Südwesten Englands. Dabei sind die Mythen nicht nur ein Spiegel der weit zurückliegenden Geschichte der Besiedelung Englands, sondern sie reichen mit der Legende des Heiligen Grals bis in das frühe Mittelalter. In Glastonbury wirkten Artus und Merlin, liebten sich Lancelot und Guinevra und hier begann Parzival mit der Suche nach dem Gral. Ein Relikt dieser Suche ist eine Variante des Weißdorns, des Glastonbury Thorn, der in der Gegend von Glastonbury wächst. Er wird mit der Legende von Josef von Arimathäa in Verbindung gebracht. Überlieferungen aus dem 12. Jhd. zu- folge, soll er 30 Jahre nach dem Tod von Jesus den Ort besucht haben. Da die fruchtbare Ebene überflutet war, setzte er mit einem Schiff über und landete dort am Weihnachts- abend mit dem Heiligen Gral. Nachdem er ihn vergrub stieß er seinen Pilgerstab in den Boden aus dem später eben jener Weißdorn wuchs. Noch immer erhält die englische Königin jedes Jahr einen blühenden Zweig dieses Weißdornes.

josef-von-arimathaeaWilliam Blake, Joseph of Arimathea Among the Rocks of Albion, Stich

Doch dieser Mythos ist wohl nicht der einzige Grund für die Anziehungskraft Glastonburys. denn dem Ort wird auch nachgesagt dass er auf dem Schnittpunkt wichtiger Leylines liegt, Kräftefelder der Erde, die sich gerade hier verstärken. Sind diese Kräfte ausschlaggebend für die große Anzahl von Menschen die hier ihren spirituellen Ort suchen, oder ist in diesem Ort vielleicht doch ein altes Wissen gespeichert, von dem wir heute nur noch Reste spüren? Könnte dieses Wissen so etwas wie die Antithese zu einer wissen-schaftlich geprägten Welt sein, in der der Mensch glaubt, mit seinem Wissen die Natur zu beherrschen?

glastonbury-tor-panoramaGlastonbury Tor Panorama

So rätselhaft wie die Geschichte des Ortes ist auch der Name Glastonbury. Nach dem im 11. Jhd. lebenden Mönch und Geschichtsschreiber Wilhelm von Malmesbury ist der Name Glastonbury auf einen gewissen Glast zurückzuführen, der ein Sohn von Cas war und damit der jüngste von zwölf Brüdern. Malmesbury beschreibt ihn als einen Schweinehirt des Königs von Hirnath, der den Ort der einst eine Insel war auf der Suche nach einem entlaufenen Schwein erreichte. Dass ein gewöhnlicher Schweinehirt hier als Quelle all dieser Mythen diente, ist wohl kaum anzunehmen.

So weist der Name Glast auch in eine ganz andere Richtung. Als literarischer Ausdruck bezeichnet er den Glanz, ebenso wie das englische Wort `glare´. Auch die Sage die vom Hügel Glastonbury Thor handelt, erzählt vom Glanz er alten Götter. Gwynn fab Nudd, eine Sagengestalt der walisischen Mythologie wird auch als König des Elfenvolkes Tylwyth Teg bezeichnet und soll in jenem Hügel bei Glastonbury seine Wohnstatt haben. Er wurde im Mittelalter auch als Tor zur Unterwelt gesehen, was mit einem jährlichen Tor Fair gefeiert wurde. Herrscher des Elfenvolkes dürfte Gwynn aber wohl erst in einer Spätphase gewesen sein, denn die Mythologie beschreibt ihn gemäß seinem Namen als der Glänzende und damit galt er ebenso als walisischer Gottheit.

fairyking-with-queenDer Elfenkönig mit Königin

Eine der ältesten walisischen Sagen deren Ursprünge im 7. Jahrhundert liegen, in der Erzählung von Culhwch und Olwen taucht Gwynn als jener strahlende Held auf. Diese Sage handelt vom Werben des Culhwch um Olwen, die Tochter des Riesen Ysbaddaden. Da eine Prophezeiung dem Riesen bei der Hochzeit seiner Tochter den Tod vorhersagte, stellte er dem Brautwerber eine große Zahl fast unmöglich zu erfüllender Aufgaben. Eine von Ihnen ist die Jagd auf den mythischen Eber Twrch Trwyth. Culhwch’s Aufgabe be- stand nun darin, den Kamm, die Schere und die Klinge zu holen, die zwischen den Ohren des mächtigen Ebers Twrch Trwyth steckten. Culhwch und Olwen waren sich aber sicher, dass der Eber nicht ohne die Hilfe des mit Riesenkräften gesegneten Gwyn fab Nudd zur Strecke gebracht werden konnte und bediente sich deshalb seiner Hilfe.

glastonbury-lughDie Ausrichtung von Glastonbury und die Michael- Line

Diese Spur führt auch zur Ausrichtung des Glastonbury Tor die mit dem Sonnenaufgang am 1. August verknüpft ist. In keinem Land ist dieses Datum heute noch so mit der Nationallegende verbunden wie in der Schweiz, denn an diesem Tag findet das jährliche Gedenken an die Bundesfeier statt dem im Jahr 1291 erstmals erfolgten Rüttlischwur. Im keltisch-irischen Kulturkreis wurde dieser alte Feiertag durch christliche Gedenktage überformt. Doch im Sanas Cormaic, einer Überlieferung des Bischofs Cormac, finden sich noch Hinweise für die einstige Bedeutung des 1. August. Dort berichtet er, dass der Túatha Dé Danann-Gott Lugh mac Ethnenn in vorchristlicher Zeit dieses Fest zum Andenken an seine verstorbene Ziehmutter Tailtiu gestiftet habe. Tailtiu war die Tochter der großen Ebene Mag Mor. Ihre Zeit wird als eine Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit beschrieben. Als Landesgöttin sorgte sie für die Menschen und rodete den Wald um fruchtbares Land anzulegen. Diese Epoche endete erst mit dem Eindringen eben jener sagenumwobenen Túatha Dé Danann. Die Beschreibung des Zeitalters weckt Assoziationen an den römischen Astraea Mythos, der Vergleichbares über ein Goldenes Zeitalter berichtet. Dass Glastonbury Tor wohl aufs engste mit diesem Mythos verknüpft gewesen sein musste, zeigt die Ausrichtung der annähernd oval geformten Anhöhe genau auf jenen Sonnenaufgang am 1. August.

 

Bilder: Wikipedia/ Glastonbury Tor, Josep Renalias / William Blake, Joseph of Arimathea Among the Rocks of Albion, Stich, William Blake Archive, Simulation, Sunearthtools

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