Der Hirte von Glastonbury

glastonburyabteiGlastonbury Abtei, Ruinen

Ruinen zeugen heute noch vom Glanz der einst berühmten Glastonbury Abbey, deren letzter Abt auf dem Glastonbury Tor gehängt wurde. Die Legenden des Klosters begannen mit dem Besuch der beiden Heiligen Patrick und David. Nachdem im 9. Jhd die Erzählung um den mythischen König Artus entstand, dauerte es noch weitere 3 Jahrhunderte, bis Mönche des Klosters behaupteten, dort auf die Gräber von Artus und seiner Gemahlin Guinevere gestoßen zu sein. Artus, dessen Name Ähnlichkeiten mit der keltischen Bären-göttin Artoi aufweist, ist einer er wichtigsten Gestalten aus der Frühzeit Britanniens. Mit seiner Legende begann die Geschichtsschreibung nach dem Rückzug der Römer von der Insel. Die Legende um ihn und seine Tafelrunde muss in der Zeit der Völkerwanderung entstanden sein. Aber trotz der detailreichen Schilderungen dieser Tafelrunde verweisen keine schriftlichen keine Quellen auf deren Existenz. Ein ungewöhnlicher Fall, wo doch die Mitglieder dieser Runde der sage zufolge zu den Besten des Landes zählten und die Ethik der Ritterlichkeit in Vollendung verkörperten.

koenig-artusKönig Artus, Illustration von Howard Pyle,1903

In der keltischen Sprache hieß Artos der Bär. Mit seiner Masse und seiner Kraft verkör- perte die Macht der Natur. Da er versteht. sich mit Stärke und Intelligenz auf die Widrig-keiten der Natur einzustellen, galt er auch als Vorbild für den Mensch. Wie kein zweites Säugetier gleicht er ihm doch aufgerichtet. Deshalb bot er sich in Mythologien auch als eine ideale Projektionsfläche an, denn er vermittelte durch sein Wesen Eigenschaften wie Ruhe, Bodenständigkeit aber auch Kraft. Im Wort Bär scheint auch das Wort gebären durch, was die frühen Vorstellungen von einer erschaffenden Urmutter unterstreicht.

grosser-baerSternbild Großer Bär

Auf Grund seiner geometrisch klaren Struktur verkörperte am Himmel ein Teil des Stern-bildes des Großen Bären die Vorstellung vom Götterwagen. Er war auch bereits den Sumerern bekannt, die ihn den Großen Wagen nannten. Er umrundet zusammen mit seinem Begleiter, dem kleinen Bären, zirkumpolar den Himmelspol und war damit auch ein Sinnbild der Kontinuität der Schöpfung. In der Zeit der Kelten näherte er sich diesem Himmelspol immer mehr und so wurde dessen letzter Schwanzstern zum Sinnbild einer sich ewig drehenden Himmelsachse. Doch die beiden Sternbilder sind auch mit dem ihnen nachfolgenden Bärenhüter verknüpft. Im Laufe seiner mythologischen Entwicklung erhielt das Sternbild so unterschiedliche Namen wie Rinderhirte, Ochsentreiber, oder eben der Bärenhüter. Er entstand nach der Erzählung des antiken Mythos durch Arktas, den Sohn des Zeus,den er mit der Nymphe Kallisto gezeugt hatte. Um Kallisto vor der Rache seiner Gemahlin Hera zu schützen, verwandelte er sie in eine Bärin. Doch als sein Sohn Arktas sie unwissend auf seiner Jagd erlegen wollte, versetzte er beide an den nächtlichen Himmel. Doch eine andere Erzählung berichtet über ihn, dass er Philomelos war, der Sohn von Jasion und Demeter. Er soll den Wagen und den Pflug erfunden haben, die beide zu einer umwälzenden Erneuerung in der Landwirtschaft beitrugen.

sternbild-bootesSternbild Bootes

Professor Eckard Unger verfasste 1958 ein Buch mit dem Titel `Fatamorgana als Geisteswissenschaftliches Phänomen im alten Orient. Darin geht er einer frühgeschicht-lichen Auffassung nach, dass das Himmelsbild der Gestirne sich auch in der Ordnung der Welt widerspiegeln muss. Er führt Beispiele an, wie die Stadt Assur, die im Sternbild SU- PA lag, das mit Arktur identifiziert wurde. Dem Phänomen, die Ordnung der Erde so zu gestalten, dass sie er himmlischen entspricht, begegnet man auch im alten Ägypten, bei den Hebräer und ebenso in den mozarabischen Festungen im südlichen Spanien. Der Gedanke, das Bild einer himmlischen Ordnung als Grundlage für ein Bauwerk zu sehen, ist dem christlichen Verständnis naturgemäß fremd. Bildete doch gerade die christliche Lehre ein Gegenpol zu den Mythologien des Altertums, die durch Planeten und Sternen-götter bestimmt wurden.

glastonbury-tor-bootesHerbstäquinoktium um 3600 v. Chr. Erstsicht Arktur / Bootes

Doch gerade dieses von Unger beschriebene Phänomen findet sich in Glastonbury wieder. Geht man in der Zeit zurück, bis in jene Epoche als die großen Hügelgräber und Steinsetzungen in England entstanden, findet sich für die Ausrichtung von Glastonbury Tor eine weitere Erklärung. Um 3600 v. Chr. entsprach seine Geometrie jener Stellung des Bärenhüter, in der er kurz nach Sonnenuntergang während des Äquinoktiums zum ersten mal wieder zu sehen war. Seit der Frühgeschichte galt Arktur als der Wächter des Himmels. Auf Grund seiner Leuchtkraft wurde er auch der Glänzende genannt. Standen am Ende dieser Glänzende und das Bild vom Bärenhüter als Großen Hirte am Beginn Mythologischer Vorstellungen, ehe der keltische Gott Lug sie ersetzte? Wahrscheinlich bildeten so die Göttervorstellungen die eigentliche Keimzelle der Artuslegende.

Der Ort wurde auch nach der Christianisierung als so bedeutend angesehen, dass er sich in eine Reihe von Heiligtümern einreihte, die gemeinhin als St. Michaels Line bezeichnet wird. Doch davon wird später die Rede sein.

Bilder: Wikipedia/Glastonbury Abtei, Ruinen, Manuel Anastácio / König Artus, Howard Pyle Illustration from the 1903 edition of The Story of King Arthur and His Knights, / Das Sternbild Bootes aus dem Sternatlas von Johann Elert Bode von 1782,PD-OLD / Simulation Stellarium.

 

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