Sonneninsel Ufenau

insel-ufenauInsel Ufenau, Ansicht vom Etzel

Die Insel im östlichen Teil des Zürichsees wurde schon in vorchristlicher zeit als `insula sacra, gesehen. Ihr Betreten hat auch auf den 1939 in Rapperswil geborenen Schriftsteller Gerold Späth einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Nach dem Besuch der Ufenau beschrieb seine Eindrücke mit folgenden Worten: `Ach Ufnau! Wer bei dir aus dem Kahn steigt, quert jene delikateste Linie, wo seit abertausend Jahren der See dich küsst … Dein Boden ist tiefgründiger als Menschengedenken. Man nennt ihn heilig auf Schritt und Tritt und unantastbar.´

st-martin-und-peter-u-paulSt Martin und Peter u. Paul

Die Vermutung des Historikers Peter Ziegeler einer kultischen Nutzung der Insel schien sich nach Ausgrabungen im Jahr1958 tatsächlich zu bestätigen. Bei Renovierungsar-beiten in der Kirche St.-.Peter-und- Paul wurden im Boden der Kirche Reste eines gallo-römischen Umgangstempels gefunden. Dessen Cella ist heute mit roten Steinplatten im Boden der Kirche markiert. Die einstige kultische Bedeutung der Insel lässt sich auch daran ermessen, dass sie seit dem Jahr 965 ununterbrochen im Besitz des Klosters Einsiedeln ist. Die Kirche St.-Peter-und-Paul wurde im 10. Jahrhundert von Regelinda, einer verwitweten Gattin zweier Schwabenherzöge.gestiftet. Bereist das Patrozinium der Heiligen, das am 29, Juni gefeiert wurde und auf die Übertragung ihrer Reliquen in die Sebastianskatakomben zurückgeht. Schon das Datum verweist durch die Nähe zur Som- mersonnenwende auf Feste die zu diesem Zeitpunkt auf der Insel abgehalten wurden und durch christliche Bräuche verdrängt werden sollten. Regelinda leitete als Laien-äbtissin das Kloster Säckingen und die Zürcher Fraumünsterabtei. Die Legende erzählt, dass sie sich anschließend auf die Ufenau zurückzog  wo sie anstelle des verfallenen Tempels die Kirche stiftete.

regelindaFresko von Regelinda in der Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau

Schon vor ihr soll dort ihr Sohn Adalrich als Einsiedler gelebt und Wundertaten vollbracht haben. Deshalb gilt er dort als Inselheiliger von Ufenau, wo er ab dem 14. Jahrhundert verehrt wurde. Da sich schon vor der Römerzeit der Wasserspiegel des Sees auf eine Höhe von etwa 403.5m einpendelte, existierte eine Landbrücke, die die Ufenau mit der nordöstlich gelegen Insel Lützelau und dem Festland verband. Diese Ausrichtung der Insel ist bemerkenswert, entspricht sie doch einem wichtigen Datum in einem 8- teiligen Kalender.

ufenau-und-luetzelauUfenau und Lützelau

Die Ausrichtung der Insel entspricht gemittelt dem Sonnenaufgang am 1. Mai, zu dem Zeitpunkt wenn die Sonnenscheibe über dem Gipfel des Köbelberges steht. Die einstige Verbindung mit er vorgelagerten Insel Lützelau und dem nordöstlich gelegen Rapperswil hätte dann einen idealen Prozessionsweg ergeben, wie er als Avenue in Stonhenge zu finden ist. Damit hätte Ufenau eine ähnliche räumliche Situation wie die Insel Reichenau, deren Ausrichtung ja auf den Sonnenuntergang am 1. Mai verweist und ehemals auch eine Landbrücke besaß. Aber auch der Name des Köbelberges spricht für eine solare Beziehung des Ortes zu dieser entfernten Landmarke. In Grimms Wörterbuch ist dies der Name für ein Tragegefäß der Bergmänner zum Hinausschaffen des Gesteins. Aber seine zweite Bedeutung weist auf den Kobel, den Kobold, dessen Heimstatt gerne in den Bergen gesehen wurde. Der Bezugspunkt am 1. Mai weist in diesem Zusammenhang natürlich auch auf die Walpurgisnacht und die damit verbundenen mittelalterlichen Vorstell- ungen vom Hexentanz und umherziehenden Kobolden.

ufenau-sonneUfenau Ausrichtung Sonne

 Der Blick hinauf zum Sonnenaufgang führt zurück zum Namen der Insel Sie wird mit Unfau oder auch mit Ufenau bezeichnet. Wie in zahlreichen anderen Bespielen, wo Quellenmaterial die Namensentwicklung nicht erschließt werden natürliche männliche Vornamen ins Spiel gebracht. Im Fall Ufenaus sind dies Offo oder auch ein Ubo der als Namensgeber gewirkt haben soll. Doch die Insel bietet nicht nur um 1.Mai, sond- ern auch an weiteren Daten, wie der Sommersonnenwende über dem Schwarzen- berg, oder zu den Äquinoktien über der Neueralpstitz einen Ort der Beobachtung. Der lässt das Wort Uf oder uffe, als Wortursprung aber viel pausibler erscheinen. In Gerhard Koeblers Wörterbuch gibt es dazu zwei Übersetzungen die die Eigenschaft der Insel erklären: Das Adverb uf oder uffe, das auf oder hinauf bedeutet, also auf den spirituellen Blick zur Sonne verweist den die Insel ermöglicht. Darüber hinaus verweist das Verb uffen, emporheben oder erhöhen, auf den Akt eine Gottheit zu erheben. So ist wohl nicht der Name eines ehemaligen Landbesitzers Ufo oder Ubo als Ursprung des Flurnamens zu sehen, sondern eben die Erhöhung einer oder mehrere Gottheiten in vorchristlicher Zeit. Für diesen spirituellen Akt bot die Ufenau mit der Beobachtungsmöglichkeit von Sonnenaufgängen über markanten Landmark- en und ihrer Ausrichtung den 1. Mai ja die besten Voraussetzungen.

Bilder: Wikipedia / Inseln Ufenau (links) und Lützelau aus Südosten Roland zh / St Martin und Peter u. Paul ,Roland zh / Fresko von Regelinda in der Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau, Roland zh / Simulation sunearthtools

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