Görresburg, ein Tempel der Matronen

goerresburg-luftbildGörresburg, Luftbild

Die Görresburg mit ihren 3 Umgangstempeln aus gallo-römischer Zeit zählt zu den be- deutenden Matronen Heiligtümern der römischen Provinz Germania. Die drei Tempel werden von einer trapezförmigen Umfassungsmauer umschlossen, wobei sich die Fläche des Kultbezirkes sich nach Osten hin erweitert. Dort liegt auch der Hauptzugang zu den Tempeln. Der Name des Ortes ist wohl irreführend, aber er scheint doch aus Besitz- verhältnissen des 17. Jahrhunderts entstanden zu sein. So taucht die Frühform des Namens 1649 in einer Akte mit folgender Eintragung auf: `…die Heidt zwischen Breitersloch und Jörresburg bis zur Urft….´

matronenheiligtum_goerresburg-weihesteineWeihesteine der Matronae Aufaniae

Bei Grabung 1909 und Mitte der 70-er Jahre wurden hier zahlreiche Weihesteine entdeckt die auf eine Verehrung der in dieser Region beliebten Matronae Aufaniae schließen lassen. Der Kult der Matronen, deren Bezeichnung sich vom lateinischen Wort Matrona, Familien-mutter, ableitet hat seine Ursprünge in vorrömischer Zeit. Über 800 Weihesteine des Kultes, die alle auf eine Muttergöttin, oder eine Dreiheit an Göttinnen verweisen, wurden bislang hauptsächlich in der Provinz Niedergermanien gefunden. In dem regional weit ver- breiteten Kult scheinen sich vorrömische Mythologien mit römischen zu einer neuen Kultvorstellung verbunden zu haben. So wurden hier hauptsächlich Bildsteine mit drei sitzenden Matronen in einheimischer Tracht gefunden. Diese Matronenverehrung be- günstigte wohl die Verbreitung eines weiteren Kultes, dessen Zentren ebenso in Mainz, Trier und Köln zu finden waren. Dieser Magna Mater Kult, oder Kybele/Attiskult genannt,  stammte ursprünglich aus Phrygien in Kleinasien und gelangte nach dem Schick-salsspruch der Sybellinischen Bücher während des 2. Punischen Krieges nach Rom.

kybele-auf-thronKybele, römisch, um 50 n. Chr

Der von Pausanias überlieferte Mythos erklärt die Entstehung der Kybele und ihres ge- liebten Attis. So soll Zeus auf dem Berg Agdis in Phrygien eingeschlafen sein und dabei seinen Samen vergossen haben. Daraus wuchs dann die Zwittergestalt Agdistis, der ein furchterregendes Wesen besaß und deshalb von den Göttern kastriert wurde. Der so von seiner Männlichkeit befreite wandelte sich in die Kybele und aus dem Genitalien wurde ihr geliebter Attis. Als Attis nach einer glücklichen Zeit mit Kybele die Tochter des Königs Pessinus heiraten wollte, erschien Kybele und trieb die Hochzeitsgesellschaft in den Wahnsinn. Daraufhin rannte Attis in den Wald und entmannte sich unter einer Pinie. Doch Zeus konnte Kybeles Wunsch nach der Wiedererweckung des Jünglings nicht gewähren und verfügte dass der Leichnam nicht verwesen sollte. Kybele stiftete daraufhin einen Kult der Beweinung ihres Geliebten der jährlich stattfinden sollte. Attis Pinienzapfen jedoch leben heute noch im Vatikan weiter, wo sie als Skulpturen und auf Bilder zu sehen sind. Der Kybele/Attiskult ist nur ein Beispiel von vielen, wo sich das Christentum der alten Symbolik bediente. In der Pinie die selbst einen Brand überstehen soll, sah man ebenso ein Sinnbild des Lebens, der Auferstehung und der Unsterblichkeit.

attis Attis schlägt den Takt beim Tanz der Kybele

Tatsächlich schienen schon bald nach der Ankunft der Göttin in Rom viele positive Er- eignisse die Macht der neuen Göttin zu beweisen. So verließ Hannibal Italien und eine gute Ernte ließ die Römer jubeln. Das Volk dankte es der neuen Göttin mit vielen Geschenken und Opfern. Aus diesem Grund wurde ihr am 4. April ein heiliges Bankett und Spiele gewidmet: die Ludi Megalenses. Doch dieses Ritual spiegeln die scheinbar willkürlich ge- wählten Richtungen wieder. Jede Fluchtrichtung hat hier, wie es in Kultanlage dieser Epoche üblich war, eine Bedeutung zugewiesen bekommen. So sind die Umgangstempel auf das Zwielicht des 4. Aprils, den Beginn der Feiertage des Magna Mater Kultes ausge- richtet, während die südliche Umfassungsmauer auf den Sonnenaufgang am 1. April weist, den Feiertag der römischen Staatsmutter Venus. Aber auch die beiden Mauern auf der Ost und Westseite, deren Fluchtrichtung außerhalb des Sonnenpendelbogens liegt, waren auf ein wichtiges Datum in ausgerichtet. Sie zielen auf den 1. Januar. Diesen Jahresbeginn markierte der Stern Capella, das Sinnbild der den Zeus nährenden göttlichen Ziege mit seiner Erstsicht am Abend des 1. Januar.

Görresburg Plan SonneAusrichtung der Tempelanlage

In Bonn lag einst das bedeutendste heute bekannt Heiligtum der Matronae Aufaniae, deren Namensursprung mangels Quellen im Dunkeln liegt. Doch der Name weist eine auffällige Ähnlichkeit zum lateinischen `auferre´, entreißen oder erhalten hin. Das Verb bietet in Verbindung mit der Sonnenrichtung nun eine Erklärung. Zum Festdatum, am Beginn des April, zeigt die Natur einem Wachstumsschub. Zwar gibt es noch Unsicherheiten im Wetter, doch Sonne hat die Natur der kalten Jahreszeit nun endgültig entrissen und die Gottheit sollte wohl gerade jetzt den Menschen helfen, am Ende des Jahres wieder eine reiche Ernte zu erhalten.

Bilder: Wikipedia / Görresburg, Luftbild (2016), Wolkenkratzer/ Weihesteine der Matronae Aufaniae, © Raimond Spekking / Kybele, römisch, um 50 n. Chr., J. Paul Getty Museum, Malibu, Marshall Astor und ein weiterer Urheber / Attis Altieri Chiaramonti Inv1656,  Marie-Lan Nguyen und ein weiterer Urheber / Simulation Stellarium, Sunearthtools

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