Der Tempel Apollos

Teilrekonstruktion des Apollo-Grannus-Tempels

Im bayrischen Faimingen bei Lauingen sind die Reste eines Tempels zu sehen, der als Apollo-Grannusempel bezeichnet wird. Er zählte zu den größten römischen Tempelbauten nördlich der Alpen. Im Jahr 212 weilte hier Kaiser Caracalla, um Heilung von seinen Leiden zu erbitten. In dieser Zeit trug das klare Quellwasser, das für Kultbäder und Trinkkuren genutzt wurde, zur überregionalen Bedeutung des Ortes bei. Dessen Name entwickelte sich aus dem römischen Phoebiana, das in seiner Blütezeit eine Fläche von annähernd 40 ha einnahm. Der Name Phoebe verweist auf griechische Wurzeln und bedeutet so viel wie ‚hell, rein‘, oder auch ‚die Leuchtende‘. Vordergründig verweisen diese Attribute zwar auf den griechisch-römischen Heilgott Apollon, doch Nachweise sind im Ort spärlich. So ist die Vermutung der Archäologen hier vor einem Apollon-Grannustempel zu stehen, allein auf zwei Meilensteine zurückzuführen ist, die 1981 bei Arbeiten an der Pfarrkirche im benachbarten Gundelfingen gefunden wurden.

Phoibe und Asteria am Pergamonaltar

Eine Spur zu Apollon führt über Phoebe. In der griechischen Mythologie ist sie die Tochter des Uranos und der Gaia und später Gattin des Titanen Koios. Sie bringt die beiden Kinder Asteria und Leto zur Welt. Damit wird Phoebe sie zur Großmutter des Apollon, der Artemis und der Hekate. Näheres zu ihrer Biografie weiß der große griechische Dichter Aischylos zu berichten. Seinen Ausführungen zufolge war Phoebe nach Gaia und Themis die Inhaberin des Orakels von Delphi, das sie anlässlich von Apollons Geburtstag an den Licht- und Heilgott weitergab.

Statue des Apollo,  mit Pfeil und Bogen

Allein dem Ortsnamen folgend könnte das Heiligtum in Faimingen nun auch als Tempel von Apollons Großmutter bezeichnet werden. Doch die Abstimmung des Tempels mit den Mächten des Götterpantheons war wohl weitaus komplexer als dies die Südrichtung heute erkennen lässt. Wie bei fast allen untersuchten baulichen Anlagen der Römer, spielt auch hier Altair aus dem Sternbild Adler eine wichtige Rolle. So ist er in der Verlängerung der Tempelachse am Abend des 23. April zum ersten Mal zu sehen. An diesem Tag wurden die Vinalia Priora zu Ehren Jupiters gefeiert. Ein weiteres mal markierte er einen Feiertag Jupiters am 15. September, der Mitte der Ludi Romani. Doch der Adler als Sinnbild Jupiters war nur ein Aspekt des Tempels. Mit der Ausrichtung auf den höchsten Sonne-nstand am Tag kann dies zumindest als ein Verweis auf den Heil- und Lichtgott Apollo gesehen werden. Viel deutlicher als diese himmlischen Zeichen war jedoch das Auf- tauchen des Schlangenträgers am Abendhimmel. Am 6. Juli, dem Beginn der Ludi Apollinares zu Ehren des Gottes Apollo,  stand er kurz nach Sonnenuntergang in der Achse des Tempels am Himmel. Für die Griechen verkörperte der Schlangenträger den Gott der Heilkunst, Asklepios. Mit ihm tritt der Heilaspekt auf die Bühne und zugleich offenbart sich hier eine weitere Beziehung zu Apollon. Innerhalb der Mytholgie gilt Asklepios als Sohn des Apollon und der Koronis, der Tochter des Königs Phlegyas, dem Oberhaupt eines rohen Volksstammes in Böotien.

Ausrichtung des Tempels

Als Koronis mit dem Kind des Gottes Apollon schwanger war, ließ sie sich trotzdem mit einem Sterblichen ein und wurde zur Strafe von Apollons Zwillingsschwester Artemis ge- tötet. Kurz bevor ihre Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, schnitt jedoch der rasch herbei geeilte Hermes den ungeborenen Äskulap aus ihrem Mutterschoß. Hermes brachte ihn zum heilkundigen Kentaur Cheiron. Der weiseste unter den Kentaurn nahm das Kind auf und unterwies es in der Heilkunst, welche er einst selbst von Apollon gelernt hatte.

Heilgott Asklepios

Gemäßen den Erzählungen besaß Asklepios Schlangen, die auch heute noch ein Symbol für die Medizin ist. in Wirklichkeit diente aber keine Schlange als Vorbild für das Symbol des Asklepios, sondern der furchtbare Parasit Medinawurm. Bei einem Befall kann dieser Parasit, der über verschmutztes Wasser in den menschlichen Körper gelangt, nur mit Hilfe eines Stäbchens wieder entfernt werden. Dieses muss vorsichtig unter seinen Kopf geschoben werden der als einziges von ihm sichtbar ist. Der besteht eigentlich nur aus einem riesigen Gebiss. Mit dem Stäbchen muss der Wurm langsam aufgewickelt und so aus der befallenen Stelle herausgezogen werden. Asklepios Kunst war legendär und er konnte sogar Tote wieder zum Leben erwecken. In dieser Rolle half er auch Orion, als dieser vom Skorpion gestochen wurde und er den Stich überlebte. Dieses Überschreiten seiner Kompetenz erzürnte Hades, den Gott der Unterwelt, der nun fürchte bald keinen Toten mehr zu sehen. Um ihn zu beruhigen, erschlug Zeus den Asklepios mit einem Blitz und verschaffte ihm anschließend einen Platz am Sternenhimmel. Obwohl die Fundlage im Tempel ja nicht unbedingt auf Apollo- Grannus schließen lässt, so verweisen hier doch einige Aspekte der Ausrichtung auf den Licht- und Heilgott hin.

Bilder: Wikipedia / Teilrekonstruktion des Apollo-Grannus-Tempels, Dr. Eugen Lehle / Phoibe und Asteria am Pergamonaltar. Claus Ableiter / Apollon-Statue mit Pfeil und Bogen (ist hier abgebrochen), heute im Ashmolean Museum, Oxford , Stuart Yeates / Asklepios (Römische Marmorstatue kopiert von einem griechischen Original aus dem 5.Jahrhund- ert), Marie-Lan Nguyen / Simulation Stellarium, Sunearthtools

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