Arae Flaviae, die älteste Stadt Baden Württembergs

Modell der Therme

Unter dem Namen Arae Flaviae entstand die erste Siedlung auf dem Stadtgebiet Rottweils. Im Jahre 73 n. Chr. wurde sie während der Herrschaft Kaiser Vespasian im Zuge des Baus der römischen Kinzigtalstraße gegründet. Damit gilt Rottweil als die älteste Stadt Baden-Württembergs. Ihr ursprünglicher Name Arae Flaviae, die Altäre der Flavier, deutet an, dass hier ein Zentrum des flavischen Kaiser- und Götterkultes geplant war und wohl auch zum Teil realisiert wurde. Doch der Baubeginn von Arae flaviae ging einher mit einer verheerenden Brandkatastrophe in Rom, denn am 19. Dezember des Jahres 69. brannte der zweite Tempel der Kapitolinischen Trias bis auf die Grundmauern nieder.

Tempel der Kapitolinischen Trias

Vespasian, Begründer der flavischen Dynastie, der während des drei Kaiserjahres nach Rom kam, ordnete sofort an den Tempel größer und prächtiger als zuvor wieder aufzu-bauen. Mit der Kapitolinische Trias wurde die Dreiheit der römischen Götter Jupiter, Juno und Minerva benannt, die die drei bedeutendsten im Götterpantheon der Römer waren. Ein Tempel dieser Trias wurde einst als Capitolium bezeichnet und war im Grundriss in drei Räume, den cellae, unterteilt. Jeder dieser Räume war dann einer der drei Gottheiten zugeteilt. In Rom war der Tempel der Trias vom fünftem König Tarquinius Priscus be- gonnen worden. Geweiht wurde der Tempel aber erst zu Beginn der Republik im Jahr 509 v. Chr. Dieser Tempel zeugte vom neuen Selbstbewusstsein Roms und seinem Anspruch auf die regionale Führungsrolle. Er wurde an Stelle eines alten Zentralheiligtum des lat- inischen Bundes auf dem Mons Albus errichtet und machte nun Rom zum neuen Mittel- punkt dieses Bündnisses. Mit einer Breite von 53m und einer Länge von 63m war der Tempel der Kapitolinischen Trias der größte je gebaute Tempel tuskischer Ordnung. Seine linke Cella war Iuno und die rechte Minerva geweiht. Der oberste Gott Iuppiter wurde in der mittleren Cella verehrt.

Grundriss des Tempels

Iuppiter war der höchste römische Gott, der ursprünglich eine alte italische Gottheit des Lichts und der Himmelserscheinungen verkörperte. Erst später wurde er dem griech-ischen Zeus gleichgestellt und erhielt das Bild eines bärtigen Vatertyps, der erhöht sitzend auf einem Thron dargestellt wurde. Seine Attribute waren das Zepter und ein Blitzbündel. Sein heiligstes Tier war der Adler, der als Feldzeichen des römischen Heeres zu einem Symbol Roms wurde. Innerhalb der Schöpfungsmythen übernahm Iuppiter die Regent-schaft des `Silbernen Zeitalters´ und zeigte sich immer für die Geschicke Roms verant-wortlich. So befahl er auch den aus Troja geflüchteten Aenas Karthago zu verlassen und auf italischem Boden ein neues Troja entstehen zu lassen. Im zu Ehren errichtete Romulus den ersten Tempel in der Stadt. Der Wiederaufbau des Tempels auf dem Kapitol war auch ein Zeichen Vespasian für den Beginn eines neuen Zeitalters. Er begann mit einer Neuordnung des Reiches das nach langen Bürgerkriegen zerrüttet war. Zudem ordnete die Finanzen neu, was auch zu einer regen Bautätigkeit in seiner Regierungszeit führte. Zu den wohl berühmtesten Bauwerken seiner Herrschaftszeit zählt das Kolosseum in Rom. Der nüchtern und energisch regierende. Begründer der ersten flavischen Dyn- astie ist nach Augustus der bedeutendste Herrscher des frühen Prinzipats. Ihm folgte Titus, sein ältestes Sohn, und Jahr 51 schließlich Domitian, Bruder des Titus und der jüngste Sohn Vespasians.

Vespasian (Büste im Puschkin-Museum, Moskau),

Die Selbstdarstellung der Flavier mit den Attributen Iuppiters spielten eine immer wichtiger Rolle im politisch-religiösen Bewusstsein. So zeigten Münzen Domitian mit dem bislang nur Iuppiter vorbehaltenen Blitzbündel in der Hand. Dieses Motiv sollte den Flavier zum Iuppiter auf Erden werden lassen. So verehrte Domitian den ober- sten Gott der Römer als persönlichen Göttervater und Lebensretter. Dieser neue Kaiserkult war dazu gedacht, den höchsten Menschen im Staat mit dem höchsten Gott verschmelzen zu lassen und ihn auf Erden in einer Person erscheinen zu lassen. Die römische Siedlungsfläche, die gut 1km südöstlich des heutigen Stadtzentrums von Rottweil lag, besaß zwei Hauptverkehrsachsen, deren unterschiedliche Winkel sich im Zentrum trafen. Auch hier spielte die mythologische Abstimmung des Planes mit dem vorgefundenen Gelände am Neckar eine wichtige Rolle. Die nach Norden führende Verkehrsachse erlaubte hier keine solare Ausrichtung, sondern nur eine auf einen Stern. Zu dieser Zeit war Capella aus dem Sternbild des Fuhrmann am Nord- horizont einer der antiken Zeitgeber. Für den flavischen  Jupiterkult stand Capella am 19. August, dem Tag Vinalia Rustica zu Ehren von Jupiter. An diesem Tag tauchte der Stern gegen 20.18 in der Flucht der nach Norden führenden Straße auf. Damit erinnerte Capella, die göttliche Ziege, an ihre Speisung Iuppiters während seiner Flucht vor Kronos. Gleichzeitig war die Verehrung Iuppiters an diesem Tag auch ein erster Dank für die reichhaltige Ernte des Jahres. Das die Straße nach Süden auf die Sicht von Altair am Feiertag Lemuria, dem Tag der Totengeister ausgerichtet wurde, hatte sicher seinen Grund in dem dort liegenden riesigen Friedhof.

Ausrichtung der Siedlung

Bilder: Wikipedia/ Vespasian (Büste im Puschkin-Museum, Moskau), shakko/ Simulation Stellarium

 

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