Hofheim, Schwan und Adler

Übersichtsplan zum Steinkastell

Die Geschichte des Kastells bei Hofheim begann mit der Errichtung eines Erdkastells zwischen 39 und 40 n Chr. Ein Großbrand im Jahr 69 n. Chr. vernichtete das Lager, doch r zum Schutz des im Bau befindlichen Steinkastelles wurde es noch einmal errichtet. Dessen Bau erfolgte ab 72 n. Chr. in drei Bauphasen. Während dieser Zeit entstand ungefähr 10 Jahre später das Lager. Auch hier zeigen Brandspuren von gewalttätigen Auseinandersetzungen die sich in Folge der Ermordung Domitians ereignet haben könnten. Nach der Errichtung des obergermanischen Limes wurde das Kastell im Jahr 110 n. Chr. geräumt und die Steine abgetragen. Das Dorf blieb jedoch noch bis zur Aufgabe der weiter westlich verlaufenden Grenzbefestigung bestehen. Die Ausrichtung musste den Anforderungen der Verteidigungstechnik genügen, gleichzeitig aber auch mit seinen solaren und astralen Bezügen für einen Schutz der Götter sorgen. Ein zweiter Aspekte der bei der Errichtung eine Rolle gespielt haben dürfte, war die Besetzung eines Ortes der für die einheimische Bevölkerung bereits von Bedeutung waren.

Die Ausrichtung des Kastells

Militär und Götterkult waren im römischen Heer eng verzahnt. So weist die in östlich Richt- ung weisende Achse des Kastells auf ein militärisches Zeremoniell hin das gleichzeitig den Auftakt der jährlichen Feldzüge bildete. Am 27. Februar, dem Tag der equirria, stand die Sonnenscheibe exakt in dieser Richtung über dem Horizont . Dieser Tag, an dem auch in Rom der Frühlingsbeginn gefeiert wurde, war ein Erbe archaischer Zeiten in denen die Kriegführung auf die warmen Monate des Jahres beschränkt wurde. Das Fest am 27. Februar war gleichzeitig der Auftakt für den Monat der ganz dem Mars geweiht war, dem März. Es wurde mit Pferderennen begangen, die dem Gott Mars, dem Gott des Krieges und der Feldwirtschaft geweiht waren. Von Romulus selbst soll das Fest einst während der Gründung Roms eingeführt worden sein. Die gleiche Achse des Kastells wird auch am Jahresende vom Stern Altair markiert. Somit steht das Sinnbild Jupiters für das Ende der vergangenen Feldzüge und gleichzeitig für den Beginn der neuen.

pompejianisches Lararium

An deren Opfer erinnerte der Stern Altair am 11. Mai, dem Feiertag Lemuria. An diesem Tag war er nach der Nacht der Lemuren zum letzten Mal in der nach Süden weisenden Achse zu sehen. Auch die Römer glaubten an Totengeister, die an bestimmten Tagen die Oberwelt besuchten. Diese Seelen Verstorbener wurden als lemures oder auch larvae bezeichnet, die in der Nacht umherziehen. Um sie zu besänftigen und um die Lebenden vor Schaden zu bewahren, wurden ihnen reichlich Gaben geopfert. Doch allein dies schien nicht zu genügen. Deshalb ging ein Hausherr dann nachts barfuß durch sein Haus, sprach dann magische Formeln und um Mitternacht warf er neunmal schwarze Bohnen für die Geister aus. Die Erinnerung an Krieg und Tod erforderten natürlich ein Gegen-gewicht. Auf diese andere Welt Roms wies die nach Westen gerichtete Achse, wo mit der Erstsicht des Arktur am 4. September der Beginn der Ludi Romani, dnr Spielen für das römische Volk markiert wurden.

Quinar Vogelmännchen

Doch zweite interessante Aspekt bei der Anlage von Hofheim ist ihr Bezug zum Kap- ellenberg, denn vom Standort des Kastells aus erfolgte die Erstsicht oder Letztsicht Letztsicht des Sternbilds Schwan über der Nordspitze dieses Berges. In der keltischen Mythologie sind Schwäne Gestalten der Verwandlung, sowohl zur Strafe als auch zur Rache. Ihr weißes Federkleid steht für Reinheit, ihre Gestalt für Anmut. Für Druiden soll der Schwan dass Sinnbild der Seele gewesen sein, die sich mit immer wieder neuen Hüllen umgibt. Trotz den Wand- lungen bleibt jedoch ihr unsterblicher Kern erhalten. Als Tier, welches so die Schwelle der Anderswelt überschreiten kann, wurde der Schwan auch mit dem Jahresfest Samhain in Verbindung gebracht. Eines der Relikte, die ihren Ursprung in dieser Mythologie haben könnte, ist das Motiv des Vogelmännchens. Keltische Münzen, Quinare, mit diesem Motiv wurden bei Haiger/Burbach und Nauheim gefunden. Beide Orte stehen auch mit der einstigen Eisenverhüttung in Verbindung. Das Motiv dieser Quinare gibt bis heute Rätsel auf. Auf allen ist ein tanzendes Männchen mit Fügeln dargestellt, das als Vogelmännchen bezeichnet wird. Interpretationen, dass dies der Fruchtbarkeitsgott Cernunnos war, sind kaum begründbar, denn der Darstellung fehlt ja das sonst vorhandene Geweih. Wird jedoch das Vogelmännchen mit dem Sternbild Schwan in Verbindung gebracht, erklärt dies einige Sichtbeziehungen in dieser Region. So von Hofheim zum Kapellenberg am Abend des 15. Februar, einem Fruchtbarkeitsfest, das zu diesem Datum bei Römern, Griechen und wohl auch im Norden gefeiert wurde. Ebenso stand der Schwan auch zum Herbstäquinoktium zum letzten mal kurz vor Son- nenaufgang über dem Kapellenberg. Die auffällige Sichtbeziehung zum Motiv des Vogel-männchen nährt den Verdacht, dass auch die Anlage von Kastellen nicht allein verteid-igungstechnischen Überlegungen folgte, sondern mit der Ortswahl gleich auch wichtige Kultorte der einheimischen Bevölkerung zerstört wurden.

Bilder:Wikipedia / Übersichtsplan zum Steinkastell, Frank Winkelmann/ Simulaztion sunearthtools, stellarium

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