Althayingen und der Adler

Althayingen, Wall auf dem Plateau

In der Geschichte des Landes taucht der Ort Hayingen erstmals im Jahr 785 im Lorscher Codex auf. Dort wird der Besitz des Klosters St. Gallen er als Hayinger Mark erwähnt. Knapp 70 Jahre später wird der an das Bistum Konstanz abgetreten. Im 11. Jahrhundert wird Hayingen dann vom nahen Kloster Zwiefalten erworben und lange Zeit bewirtschaftet. Doch der Ort, der jahrhundertelang in der Obhut von Klöstern lag, hatte eine viel ältere Geschichte. Funde verweisen hier auf erste Siedlungstätigkeiten während der Steinzeit, doch konkrete Überreste frühgeschichtlicher Bautätigkeit gibt es erst aus der Eisenzeit. Nahezu vergessen und durch lückenhafte Beschilderung schwer zu finden, liegt der Ringwall von AltHayingen gut versteckt in einem Waldstück nordöstlich der Stadt.

St. Urban Indelhausen

Vom Parkplatz bei Indelhausen führen zwei Wege zum Ringwall. Ein leicht zu begehender über einen geteerten Fahrweg auf die Hochfläche, wo der ursprüngliche Zugang zum Ringwall in den Wald abzweigt. Der zweite Weg führt über die Schlucht bei der Maisenburg zur Gerberhöhle und dann weiter über in den Fels verlegt Trittstufen, am Abgrund er Schlucht entlang, auf das Plateau des Ringwalles. Während er zweite Weg das Landschafts- erlebnis eines Ringwalles auf einem Felsmassiv vermittelt, bietet der erste einen Eindruck vom Ausmaß der Festung Althayingen. Ein mehrfach gestaffelter Wall schützte das eigentliche Plateau, das ebenfalls von einem doppelten Wall umgeben war. Viele dieser einstigen Wälle sind gerade im Frühjahr oder Herbst noch deutlich erkennbar. Die aufwendige Verteidigungsanlage schützte wohl auch einen Ort, der für die Region einst von großer Bedeutung war. Auf Grund der südlich und nördlich der Anlage führenden Täler ist es auch gut vorstellbar, dass sich auf der Westseite der Befestigung einst eine größere Siedlung bis zum Alenberg erstreckte.

Althayingen Südseite

Vom Ortskern Hayingen, der Kirche St. Vitus aus betrachtet, liegt der Ringwall gut ver- steckt in einer Waldfläche. Doch der Standpunkt der wahrscheinlich im 12. Jahrhundert er- bauten Kirche verweist auf frühgeschichtliche Bezüge hin, die während der Christ-ianisierung neu interpretiert wurden. So liegt der Ringwall von her aus betrachtet in der Richtung der großen Mondwende Nord, während die nordöstlich liegenden Burgen Mais- enburg und Schulzenburg in der Flucht des Sonnenaufganges zur Sommersonnen- wende liegen. Der einstige Bezug des Ortes zur Befestigung hat sich wohl auch dessen Namen niedergeschlagen. So hieß im Mittelhochdeutschen die Einfriedung, aber auch der Dornbusch hagen, hain oder auch hayn. Im Bayrischen gab es eine weitere Bedeutung, denn dort hieß hay, passend zur Einfriedung: der Wächter.

Geomterie von Althayingen

Die Anlage in Althayingen umfasst Wälle mit einer Gesamtlänge von ungefähr 2000m Länge, was einem Volumen von mindestens 23.000 Kubikmeter Gestein und Holzmaterial bedeutet. Eine ebenso große Zahl an Ochsenkarren war also notwendig um das Material heranzuschaffen. Dass Anlagen dieser Größe vollkommen ohne Plan erstellt werden ist kaum vorstellbar, wo doch vergleichsweise kleine Viereckschanzen präzise auf astro-nomische Daten ausgerichtet wurden. Einen mythologischen Wächter nutzten wohl auch die Erbauer des Ringwalles. Ähnlich wie die Römer vertrauten auch sie nicht allein der klugen Befestigungstechnik, sondern auf einen zusätzlichen Schutz himmlischer Mächte. Betrachtet man die Umrisslinien von Althayingen, weisen die gestaffelten Wälle eine auf- fallend klare Geometrie auf, die ganz offensichtlich von den runden Hügelformen der Alb abweicht. Wie ein Pfeil weist die Form vom Plateau aus in Richtung Lautertal. Dieser Pfeil ist auch so bemessen, dass dessen südlichster Punkt zusammen mit der Ruine Wart- stein auf der Richtung des Sonnenaufganges zur Wintersonnenwende liegt. Doch die Mitte Althayingens verbindet die Richtung der Wintersonnenwende mit einem Totenhügel, wie er im süddeutschen Raum nur selten anzutreffen ist. Auf einer Hochfläche zwischen Lautertal und dem von großformatigen Felsriffen gesäumten Wolfstal liegt eine Hochfläche auf der sich zahlreiche Hügelgräber aus der Hallstatt und Lathènezeit befinden. Wie der Bezug zum Totenfeld mythologischen Bezügen folgt, so ist dies auch beiden Wällen festzustellen. So sind beiden östlichen auf die Erstsicht der göttlichen Ziege Capella am 1. Mai und auf die Erstsicht des Altairs am 31. Oktober ausgerichtet. Die Wälle dieses Pfeils wurden also gemäß der keltischen Jahresteilung, dem dunklen Winter- und dem hellen Sommerjahr zugeordnet. Der längere Süd- und Nordabschnitt korrespondieren zumindest in großen Teilen mit dem Sonnen-aufgang am 15. Februar.

Plateau der Hügelgräber (meist eingeebnet)

Wesentlich interessanter jedoch ist die Gesamtfigur der Anlage, in der sich die bereits bei dem Bezug zum Totenhügel gezeigten Verbindung zur Wintersonnenwende widerspiegelt. Sie korrespondiert auffällig mit der Figur des Sternbildes Adler, so wie er kurz nach Sonnenuntergang im 2. Jhd. v. Chr., nahezu senkrecht über dem Westhorizont stand. Dies war auch die Zeit des Niederganges keltischer Oppida. Viele wurden in dieser Zeit aufgegeben. Mit ein Grund dürften auch die Einflüsse der vordringenden römischen Kultur gewesen sein, durch die die alten Traditionen verfielen.

otos: eigen/ Simulation Sunearthools, Stellarium

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