Ellwangen und die Schlachtengöttin

Schönenbergkirche von Westen

Das Jahr 1682 brachte eine entscheidende Wende in der europäischen Geschichte. Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen Kaiser Leopold I. und den Osmanen erwartete Wien den weiteren Vormarsch osmanischer Heere. Die führten bereits 1 Jahr später zur 2. und entscheidende Türkenbelagerung in Wien. Im selben Jahr als die ersten Anzeichen des baldigen Krieges zu erkennen waren, wurde auf dem Schönenberg durch Johann Christoph von Freyberg, dem Bischof von Augsburg, der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Der Anlass war jedoch nicht die Türkengefahr, sondern die Verschonung Ellwangens vor einem verheerenden Brand. Der Architekt Michael Thumb erstellte das Bauwerk nach dem Vorarlberger Münsterschema. Bereits 3 Jahre später konnte die Kirche `zu unsrer Lieben Frau ´geweiht werden. Schon 1709 brannte die Kirche nach einem Blitzschlag aus und wurde zusammen mit der theologischen Fakultät der Universität Tübingen neu errichtet.

Schönenbergkirche, vom Schloss

Das hinter dem Chor liegende Gebäude ist auf den ersten Blick ein Widerspruch zur Ost- ung von Kirchen, denn so kann ja die während des Patronziniums aufsteigende Sonnen-scheibe das Kirchenschiff nicht erhellen, sondern nur den oberen Teil des Hochaltars. Am Tag von Maria Geburt steht die in der Kirchenachse auf der Horizontlinie und leuchtet so durch die Strahlenkranz des Tympanons im Hochaltar. Noch eindringlicher als dieses Schauspiel ist jedoch der gegenüberliegende Sonnenuntergang, der sich in der Kirchen- achse am 7. Oktober ereignet. Auch hier steht die Sonnenscheibe auf dem Horizont, ehe sie dahinter versinkt. Es ist er Tag des Rosenkranzfestes der nach dem um 1450 entstandenen Rosenkranzgebetes gefeiert wurde. Die Tradition begann nachdem die Dominikaner in Köln Maria zur Königin des Rosenkranzes machten. Gemäß einer Legende hatte Maria Dominikus die Gebete des Rosenkranzes gelehrt und ihm schließlich den Rosenkranz überreicht. Im Jahr 1547 wurde in Spanien erstmals ein Rosenkranzfest gefeiert, doch zum eigentlich religiös-politischen Feiertag wurde das Fest erst nach dem Sieg der christlichen Flotte über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571. Der strat-egische Sieg der christlichen Allianz war der erste Erfolg gegen die osmanische Domin- anz zu Lande und zu Wasser. Dieser Sieg wurde in erster Linie dem Rosenkranzgebet zugeschrieben wurde, nachdem Papst Pius V. das Gebet als Hilfsgebet angeregt hatte. So trug der Sieg bei Lepanto mit dazu bei, das Fest in der gesamten katholischen Kirche zu verankern. Papst Gregor XIII. legte den Tag dieses Sieges dann das Rosenkranzfest endgültig fest und gestattete 1573 allen Kirchen mit Rosenkranz-Altar ein Fest im Oktober. Auf diese Rosenkranzverehrung im 18. Jahrhundert wird der Besucher des Schönen- berges schon auf dem Anweg zur Wallfahrtskirche hingewiesen, wo entlang einer steil ansteigenden Lindenallee 15 Rosenkranzkapellen stehen. Als einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Region hat die Wallfahrt auf den Schönenberg eine lange Trad- ition und zieht besonders bei der jährlich stattfindenden Vertriebenenwallfahrt viele Menschen an. Sie begann mit der Aufstellung eines Holzkreuzes zusammen mit einer kleinen Marienfigur durch den Jesuitenorden während des Dreißigjährigen Krieges. Es folgte der Bau mehrerer kleiner Kapellen, bevor 1682 auf Initiative von Pater Philipp Jeningen S.J. der Ellwanger Fürstpropst Johann Christoph Adelmann von Adelmanns-felden die große Wallfahrtskirche erbaute.

Ausrichtung der Schönenbergkirche, Sonnenbezug Hohenberg, Schönenberg

Als Schlachtenhelferin war Maria in Lepanto so erfolgreich wie bei der Reconquista in Spanien, die in ihrem Namen und dem des Maurentöters Jakobus erfolgte. Noch über ein Jahrhundert sollte sie die Moral der christlichen Heere beflügeln ehe die osmanische Gefahr endgültig aus Europa gebannt war. Maria trat damit in die Fußstapfen so berühmter Schlachtengöttinnen, wie die griechische Artemis oder die babylonische Ischtar.

Hohenberg, Jakobuskirche

Dass der Bergsporn erst zu dieser Zeit die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit fand ist allerdings kaum vorstellbar, denn der Ort der Wallfahrtskirche zeigt einige auffällige Sichtbezüge. Zum einen zum weiter südöstlich gelegen Bauberg und dem bei Ellenberg gelegen Hornberg. Von hier aus ist der Sonnenaufgang am 1. August zu sehen, einem Datum von dm auch noch beim Schlossberg Ellwangens die Rede sein wird. Hinter dem konisch geformten Rücken der Schönbergs, dem Namenszwilling des Schönenberges versinkt die Sonne während den Äquinoktien und über dem Hohenberg mit seiner Jakobuskirche, ist der Sonnenuntergang am 1. Mai zu sehen. Dies macht auch den Flurname Schönenbreg verständlicher, denn `schoenen´ bedeutete im Mittelhoch-deutschen nicht nur schön machen, sondern auch leuchten, erhöhen und auch schauen. Im keltischen Verständnis `schaute´ man also am 1. Mai über dem Hohenberg den Beginn des warmen Sommerhalbjahres.

Bilder: Wikipedia/ Blick von Südwesten auf die Türme der Schönenbergkirche, Henrik.Aalto/ Schönenbergkirche am Rande des Virngrunds, Patrick Müller/ Die Jakobuskirche auf der Spitze des Hohenbergs ist eine weithin sichtbare Wallfahrtsstätte auf dem fränkisch-schwäbischen Jakobsweg

Bernd Haynold / Simulation Sunearthtools

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Ein Gedanke zu „Ellwangen und die Schlachtengöttin

  1. Vielen Dank für diese erhellenden Worte zu den Bezügen der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg zu den beiden Festen „Mariä Geburt“ (8. September) und dem „Rosenkranzfest“ (7. Oktober).
    Irgendwo las ich einmal, dass Orte, die den Bestandteil „schön“ in sich tragen (Schönbuch, Schönberger Hof, Schönenberg) auf vorchristliche „Luna-Heiligtümer“ verweisen: „schön“ käme von „scheinen“.
    Liebe Grüße
    Johannes Stürmer

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