Der Schatz im Flochberg

Blick vom Ipf aus Norden

Die Burgruine Flochberg liegt auf der Gemarkung der Stadt Bopfingen. Von der Burg- anlage, die im frühen 11. Jahrhundert entstand sind heute nur noch wenige Mauerreste vorhanden. Erstmals taucht ihr Name im Jahr 1152 in einer Urkunde auf. In einem Brief an seine Schwägerin, die byzantinische Kaiserin Irene, bezeichnet König Konrad III. sie als `castellum nostrum Flochperch. Im Jahr 1188 wurde die staufische Burg von Kaiser Friedrich I. Barbarossa Teil eines Ehevertrages den sein Sohn Konrad mit Berenguela von Kastilien schließen wollte. Doch der wurde auf Grund eines Einspruches der Braut nie vollzogen.Doch die missglückte Eheanbahnung Barbarossas ist sicher nicht der Grund für die Sage des Flochberges. Nach alten Erzählungen soll dort Wanderern ein Schlüssel-fräulein erscheinen und sie bitten ihr bei der Bergung eines Schatzes behilflich zu sein. Lassen sich die Wanderer aber darauf ein, treffen sie auf einen fürchterlichen Hund, der diesen Schatz bewacht. Alle hat er bisher mit seinem Gebell in die Flucht geschlagen, so dass das Fräulein bis heute auf den Flochberg umherirrt und der Schatz noch immer im Berg ruht.

Flochberg und der Georgstag

Dieser Schatz weist auch auf die einstige Größe der Burg hin, aber auch auf deren Vor- geschichte. Trotz der wenigen Mauern die von Ruine übrig geblieben sind, ist die einstige Ausrichtung der Burg auf dem Felsmassiv noch immer gut erkennbar. Umgerechnet in den Julianischen Kalender ist dies der 23. April und damit der Feiertag des heiligen Georg. Der Drachenkämpfer Georg zählte zu den beliebtesten Heiligen die vom Adel und dem einfachen Volk gleichermaßen geschätzt wurden. Ausgehend von den ins Kloster Reich- enau überlieferten Reliquien, breitete sich von dort die Verehrung des Heiligen aus. Das Georgslied, das im 9. Jahrhundert an Hand der ersten Handschrift des althochdeutschen Dichters Otfrid von Weißenburg entstand, berichtet von seiner Bekehrung, der Verur-teilung, dem Martyrium und den Wundern des Heiligen. Sichtbares Zeichen dieser Verehrung war die Klostergründung St. Georgen im Schwarzwald, die in die Zeit der Errichtung von Burg Flochberg fiel.

Der hl. Georg, Altarbild in Prag, Meister des Georgsaltars, Prag, 1470

Heute , wo kämpferischen Aspekte des Heiligen weit in den Hintergrund gerückt sind und er nur noch mit Georgsritten geehrt wird, ist die ursprüngliche Ausrichtung von Flochberg noch immer aktuell. Im Gregorianischen Kalender erfolgt heute der Sonnenaufgang am 1. Mai über dem Goldberg, einem bereits in neolithischer Zeit besiedeln Ort . Dabei führt die Fluchtlinie über eine bei dem Ort Osterholz liegende keltische Viereckschanze. Sie führt zum eigentlichen Grund der Betrachtung der Ruine Flochberg, denn am Ortsrand von Osterholz wurde 2003 ein Großgrabhügel mit intakter Grabkammer und zahlreichen Bei- gaben aus den griechischen Raum gefunden. Archäologen datierten das dort gefundene Keramikservice auf das späte 7. oder frühe 6. Jahrhundert. Doch auch hier wurde das Grab keinesfalls bezugslos angelegt, denn der Ort wird von zwei wichtigen Sonnen-richtungen bestimmt. Zum einen ist dies der Sonnenuntergang zur Winter- sonnenwende über der Ruine Flochberg und der am 1. Mai über dem Ipf. Diese Bezüge führen zum Name des Berges. So wandelte sich das althochdeutsche Wort `vlôch´oder auch Floch zum mittelhochdeutschen Fluh oder Flühe, mit der Bedeutung einer jä abfallenden Felswand. Im Zuge des Burgenbaues wurde der zum großen Teil von Mauern umgeben und ist nur noch in der Geometrie der Burg erkennbar.

Sonnenrichtung Hügelgrab

Felsen wurden in der Frühgeschichte auch als Geburtsstätte von Gottheiten verehrt und eines dieser Beispiele liefern die Thraker, ein Volk das am Einfallstor nach Europa lebte und im regen kulturellen Austausch mit Kelten, Griechen, Persern, Römern, aber auch mit den Ägyptern stand. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden in deren Siedlungsgebiet befestigte Orte nach dem Vorbild der hellenischen Polis. Namensgeber des Volkes waren jedoch römische Geschichtsschreiber, die das Volk nach einer Nymphe benannten, die sich mit Heilpflanzen beschäftigte. Die bedeutendste Gottheit der Thraker war die namenlose `Große Muttergöttin´, die die Griechen zu ihrer Artemis machten. In Verbindung mit einem Steinkult wurde sie auf hohen Felsengipfeln verehrt.

Das Götterkind Zagreus, mit Stierkopf

Ihr zur Seite stand ihr Sohn Zagreus, der dem griechischen Gott Dionysos entspricht. Nur die griechischen Legenden berichten von Zagreus, dessen Geburt und Tod sich in einer Felsenhöhle ereignete. In der griechischen Mythologie wurde er von Persephone gezeugt, der sich Zeus in Gestalt einer Schlange genähert hatte. Das Kind erregte Heras Zorn, die den Titanen befahl Zagreus zu töten. Sie lockten ihn in eine Höhle, wo Zagreus sich im Kampf zuerst in einen Stier und dann in einen Löwen verwandelte. Am Ende unterlag er aber den mächtigeren Titanen. Er verkörperte den Sonnen, wie den Erdgott und nach den Überlieferungen vollzogen jedes Jahr die Muttergöttin und ihr Sohn auf einem Felsen ihre heilige Hochzeit, einem Ritus zur Hervorbringung der Fruchtbarkeit für das kommende Jahr. Der Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende erinnert hier nicht nur an die Aspekte der Wiedergeburt, sondern durch das Bild des Felsens eben auch an die alten Mythen der Felsengötter.

Bilder:Wikipedia / Blick vom Ipf aus Norden, Historiker2 (Diskussion) / Der hl. Georg, Altarbild in Prag, Meister des Georgsaltars, Prag, 1470 / Das Götterkind Zagreus, mit Stierkopf / Simulation, sunearthtools / Karte outdooractive

 

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