Der Riese des Untersberges

König Artur kämpft gegen einen Riesen

Legenden und Sagen sind voll von Erzählungen über Riesen. Sie werden als gewalttätige Naturgeister, Wetterriesen oder auch als übergroße wilde Männer, wie der Riese Rübe- zahl dargestellt. In vielerlei Erzählungen werfen sie mit Felsblöcken um sich, oder hinter-ließen in felsigen Landschaften ihre Fußabdrücke. Als archetypische Figur verkörperte der Riese ein ungebändigtes Triebwesen, das mit seiner Gier zerstörerisch wirkt und erst durch die Götter gebändigt werden musste.

Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars –  Die Perle von Brabant

Einer der Riesen, die das Leben der Gläubigen bis zur Neuzeit begleitete, war der heilige Christophorus. Prägend für die Entstehung seiner Legende ist die Schrift Legenda Aurea des Jacobus de Voragine die zwischen 1263 und 1273 geschrieben wurde. Sie berichtet von frühesten Ereignissen seiner Verehrung durch die Weihe einer Kirche im Jahr 454 in Chalkedon – dem heutigen Stadtteil Kadiköy in Ístanbul. Der Ort wurde nicht ohne Grund gewählt, fand doch hier 3 Jahre zuvor eines der wichtigsten Konzile statt. In Chalkedon entstand die Lehre der Chalcedonense, der bis heute gültigen christologischen Lehrgrundlage der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und der protestantischen Kirche. Die Legende des Christophorus erzählt von einem Riesen der ursprünglich Reprobus, der Verworfene genannt wurde und aus Kanaan stammte. Einst wollte er dem mächtigsten aller Herrscher dienen. Deshalb wurde er zunächst Knecht des Königs. Da er dort immer wieder den Namen des Teufels hörte, glaubte Reprobus endlich den wahren Herrscher gefunden zu haben dem er dienen müsste. Als der eines Tages vor einem Kreuz floh, wusste er, dass noch einen mächtigeren Herrscher gab. So gelangte er zu einem Einsiedler der ihm den Weg wies. An einem Fluss baute er eine Hütte und brachte Reisende auf seinen Schultern über den Fluss. Eines Tages kam ein Kind. Mitten im Fluss wurde es immer schwerer und Reprobus tauchte unter. Dabei wurde er getauft und erhielt den Namen Christophorus, der Christusträger. Am anderen Ufer erkannte er endlich den, den er immer gesucht hatte.

St Georg Hohensalzburg,Christophorus Relief, Blick zum Gaisberg (Aufstieg des Orion)

Auch in der Kirche auf der Festung Hohensalzburg hat der Heilige einen Platz ge- funden, denn dort ist ein überlebensgroßes Relief des Christophorus zu finden. Aber auch im dortigen Kloster St Peter wird noch ein Kunstwerk auf bewahrt das der heilige Thiemo, Erzbischof von Salzburg geschaffen hat. Es ist die aus Elfenbein geschnitzte Figur des Christusträgers. Nicht nur die ersten Beschreibungen des hundsköpfigen Reprobus, auch sein ungestümes Wesen und vor allem das Motiv des Kindes auf der Schulter des Riesen, erinnern an die Legende des Riesen Orion. Nachdem Orion auf der Insel Chios, Merope, die Tochter des Oinopion, verführt hatte, wurde er geblendet. Orion befragte das Orakel was er tun solle um wieder sehend zu werden. Es rät ihm gegen Sonnenaufgang zu gehen. So folgt er blind den Hammer-schlägen der Kyklopen und gelangt so nach Lemnos in die Schmiede des Hephaistos. Dort erbittet er einen Führer der ihn zu Helios bringen soll. Der Gott des Feuers gibt ihm Kedalion, einen seiner jungen Schmiedelehrlinge als Führer mit. Orion setzt ihn auf seine Schulter, und mit ihm durchwatet er das Meer. Hier erlangt er im Licht der aufgehenden Sonne sein Augenlicht wieder.

Orion und Kedalion

Östlich vom erwähnten Stift St Peter liegt Aigen und der Gaisberg. In dieser Gegend beginnt die Legende eines weiteren Riesen lebendig zu werden, der Abfalter vom Untersberg. Von ihm berichtet die Erzählung, dass Abfalter am Fuße des Gais- berges einst einer Riesenjungfrau begegnet sei, welche vom Abersee kommend, Steine in der Schürze trug. Die wollte sie benutzen um auf ihnen als Trittsteine über die Salzach zu schreiten. Doch ihre Schürze hatte ein Loch, weshalb sie die Steine unterwegs bei Plainfeld verlor. Der kräftige Abfalter soll sie dann aber über die Salzach getragen haben. Doch fortan führte er ein ruheloses Leben und wartete auf die Sonne, um die Jungfrau wieder sehen zu können. Auch Abfalter soll wie andere Riesen mit großen Steinen geworfen haben die er auf dem Untersberg sammelte. Von seinen Würfen sollen mehrere große Felsbrocken stammen, die heute in der Nähe zahlreicher Kirchen rund um den Untersberg noch zu sehen sind. Sein Lager, so die Legende, hatte der Abfalter aber in einer Felsspalte auf dem Berg. Wie die Legende den Gaisberg und den Untersberg auf geschickte Weise verband, zeigt das Sternbild des Orion, des wilden Jägers, der jeden Tag mit seinen beiden Jagdhunden über den Horizont aufsteigt. Um 1600, also dem Zeitraum der ersten schriftlichen Fassung der Abfaltersage innerhalb der Erzählung des Lazarus, stieg Orion am Gedenktag des heiligen Christophorus über dem östlich von Salzburg gelegenen Gaisberg auf. Viel später ging er dann über dem Untersberg wieder unter, wo auch das Lager Abfalters vermutet wurde. Der Name Abfalter entwickelte sich aus dem althochdeutschen affrolta, der Apfelbaum. Hier schwingt noch die keltische Bedeutung des Apfels mit, der einst vor 7000 Jahren von Zentralasien nach Mitteleuropa kam. In der keltischen Mythologie galt der Apfel als ein Symbol der Weisheit und des Wissens. Ihm wurde die Kraft zugeschrieben, ewige Jugend zu verleihen und den Tod zu überwinden. Mit dieser Weisheit verbindet der Abfalter bis heute zwei energetisch bedeutsame Berge.

Abfalter / Orion, der Gaisberg und der Untersberg

Wikipedia / König Arthus bekämpft einen Riesen (Kupferstich von Walter Crane)/ Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars Die Perle von Brabant Meister der Perle von Brabant, (1467–1468), Dierick Bouts / St Georg Hohensalzburg,Andrew Bossi, Wikimedia, CC BY-SA 2.5 / Landscape with Orion or Blind Orion Searching for the Rising Sun, Metropolitan Museum of Ar /Simulation Stellarium

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