Bornholm, Insel des Bonavede – Teil 2

Bornholm, Schrägluftbild

Die Insel Bornholm entstand während der letzten Eiszeit, als sich durch die Gletscher-schmelze im westlichen teil der Ostsee ein Flussdelta herausbilde und abfließendes Wasser größere Sandmengen aufschwemmte. Nach dem Schmelzen der Gletscher breitete sich eine Tundralandschaft aus, die den dort üblichen Tierbestand aufwies. Un- gefähr um 8000. v. Chr. zogen erste Jägergruppen auf die Insel. Zahlreiche Siedlungs-plätze aus dieser Zeit wurden bis heute gefunden. Wie in Süd- und Mitteleuropa ver- drängten Ackerbauern um 6000 v. Chr. die Jägerclans und errichteten in der Folgezeit zahlreiche Hünen- und Ganggräber. Mehr Relikte gibt es jedoch aus der Bronzezeit ab 1700 v. Chr. Aus dieser Epoche sind zahlreiche Steinkisten, Steinkreise und Schiffs-setzungen, Bautasteine oder Runensteine bekannt. Relikte aus der Bronzezeit sind jedoch auf der Insel Bornholm weitaus häufiger anzutreffen als in allen vergleichbar großen Regionen Dänemarks. Dieser fruchtbaren Epoche folgte die Eisenzeit, aus der auch der sagenumwobene Bornholmer Goldschatz stammt der im kulturhistorischen Museum von Rönne zu besichtigen ist.

Guldgubber aus Sorte Muld auf Bornholm, 6. Jahrhundert n. Chr.

Über die Entstehung  des Inselnamens herrscht Uneinigkeit. Allein der erste Teil `born´ deutet auf den mittelhochdeutschen Begriff für Quelle, `born´. Tatsächlich entspringen auf der Insel auch zahlreiche Quellen. Eine andere Überlegung zielt auf die Zusammen-ziehung gleich dreier Wörter: `Borg under holmen´, also die Burg auf der Insel. Aber auch die Interpretation `Bur-gun-al ru- ma´, das Wasserburgland wäre hier möglich. An der von Rönne nach Aakirkeby führenden Straße liegt der Rispebjerg, auf dem heute noch die Reste eines Walls zu sehen sind. Eine Sage berichtet hier, dass der Berg einst von Riesen und Zwergen bewohnt wurde. Eine andere Bornholmer Sage erzählt auch von einem Riesen mit dem Namen Bonavede. Er soll einst Stammvater der Inselbewohner ge- wesen sein. Sein Vater war von Beruf Bauer, ein `Bonde´, während seine Mutter eine `Vaette´, eine Meerjungfrau gewesen sein soll. Verbindet man beide Namen zu Bonde-vaetta oder bondevede, so gleicht der Name dann dem ähnlich klingenden Wort bonavede, das gutmütig oder schlau bedeutet. Laut der Sage war der Riese dies auch, denn er konnte sehen was andere nicht sehen konnten. Kamen die Unterirdischen einmal ans Tageslicht, um ihm einen Streich zu spielen, kannte er diesen bereits. Deshalb wusste er auch, dass ihn die Berggeister eines Tages töten wollten und nahm den Becher mit Gift an. Doch dann ritt er mit dem Pferd davon und schenkte später den Pokal der Pederskirche in Aakirkeby, wo er heute noch sehen ist.

Peders Kirche Bornholm

Größere Ansiedlungen gab es seit früher Zeit in Rönne, einer der ersten Hafenstädte und im Zentrum, wo die Hauptburg Bornbolms lag, die Gamleborg. Die Reste der Gamleborg liegen versteckt im Waldgebiet bei Almindingen. Sie war die erste große Burganlage auf der Insel. In der Zeit der Völkerwanderung diente sie um 750 dann auch als Zufluchtsort der Bevölkerung vor Überfällen. in der Wikingerzeit. Ab dem 8. Jahrhundert war die Burg Hauptfestung der Insel und zugleich Sitz des Königs. Aus dieser Epoche des Wandels vom heidnischem zum christlichem Glauben stammen auch zahlreiche Amulette. Sie wurden mehrheitlich in Gräbern von Frauen gefunden und stehen unter Umständen mit Fruchtbarkeitsriten und Eheweihungen in Verbindung. Unter den gefundenen Zeichen befindet sich auch der bereits vorgestellte Hammer Thors, Möljnir.

Thors`Hammer´, das Amulett

Bereits die sprachliche Interpretation auf den Runen von Thors Hammer lenkt nach Auf- fassung von Lis Imer, Kuratorin am dänischen Nationalmuseum, das Verständnis von Thors Hammer in die falsche Richtung. Sie versteht H M A R x I S als eine fehlerhafte Schreibweise von hamar is, `Hammer ist´, wobei das x ein Worttrenner ist. Da das R übergroß erscheint, sieht sie die Runenfolge im Kontext des Wortes raiðo, was die Ausfahrt bedeutet. Diese Ausfahrt lässt sich nun auch mit dem Bild des schlauen Riesen Bonavede in Verbindung bringen. Einer, der dieses Bild in der Eisenzeit ausfüllte ist der mythische Riese Orion. Zur Wintersonnenwende erschien er zu seiner wichtigsten Aus- fahrt. An diesem Abend erschien er zu dieser Zeit kurz nach Sonnenuntergang am Ost- horizont. Er könnte aber auch der Grund für die Legende des Bonavede, dem Stammvater der Bornholmer gewesen sein, denn seine Geometrie spiegelt sich in der Insel wieder. Während des Frühjahrsäquinkotiums stand Orion/Thor am Abend im Südwesten zum letzten Mal so am Horizont, dass er mit der Geometrie der Insel übereinstimmte. Auch die wichtigsten Städte der Insel liegen so verteilt, dass sie dann mit den Positionen seiner hellsten Sterne übereinstimmen.

Bornholm und der Riese

Bilder: Wikipedia / Bornholm, Schrägluftbild, Andreas Faessler / Hestestenene an der Küste westlich von Gudhjem, Hans-Peter Balfan / Guldgubber aus Sorte Muld auf Bornholm, 6. Jahrhundert n. Chr., Martin Stoltze / Simulation, sunearthtools, stellarium

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