Landschaften des Teufels – der Teufelsfels

der Teufelsfels

Eine Sage erzählt hier von der Begegnung einer alten Frau mit dem Teufel. Der ärgerte sich dass niemand mehr aus dem Ort Bundenbach zu ihm in die Hölle kam. Doch seine Großmutter hatte eine Erklärung für das Ausbleiben der Menschen. Sie wusste von den zahlreichen Kirchen die in und um Bundenbach herum gebaut wurden. Auf Grund dieser Gotteshäuser, so die Großmutter, wollte niemand mehr etwas von dem Teufel wissen und deshalb riet sie ihm einen Stein auf den Ort zu werfen. Der suchte sich nun einen großen Stein, doch der Weg bis Bundenbach war weit. Schließlich rastete er in der Hitze des Tages auf der Anhöhe über Burschied. Da er den Weg bis Bundenbach falsch ein- geschätzt hatte, war er froh als eine alte Frau des Weges kam die er um Auskunft bitten konnte. Die Frau mit dem Rucksack auf ihrem Rücken misstraute der Gestalt und gab ihm freundlich Auskunft in dem sie sagte: `Ich komme gerade von Bundenbach, seht her, in meinem Rucksack habe ich all die Schuhe, die ich bereits abgelaufen habe´. Der Teufel warf einen kurzen Blick hinein und glaubte tatsächlich noch einen sehr weiten Weg vor sich zu haben. Wütend schleuderte dann den schweren Stein vor sich hin und verschwand.

Phosphoros (Lucifer) mit seinen Eltern Gemälde von F. Boucher (Ausschnitt), 1763

Der damaligen Vorstellung vom Teufel als Herrscher der Hölle und Verführer der Christen-menschen ging eine längere Entwicklung voraus. Einer der Wurzeln ist in der römischen Mythologe zu finden, wo sein spätere Name Luzifer bereits Verwendung fand. Hier galt er als eine poetische Bezeichnung des Morgensternes, der Venus, in der sich die Stamm-mutter der Römer verkörperte. Bei dem Namen handelte es sich um eine wörtliche Übersetzung der griechischen Begriffe Phosphóros, der Lichtbringer, oder Eosphóro, der Bringer der Morgenröte. In dieser Gestalt ist Luzifer ein Vorläufer des später eingeführten Helios. Auch Eosphóro fährt wie Helios mit einem Wagen über den Himmel. Die röm- ischen und auch die griechischen Erzählungen entsprechen sich in den Schilderungen der Abstammung des Luzifer. Sie berichten von der griechischen Eos, die Göttin der Morgen- röte, als Mutter des Phosphoros, die der späteren römischen Göttin Aurora entsprach. Eine direkte Verbindung zur Venus stellte Vergil im 1. Jhd. v. Chr. her. Sie wurde später durch Maurus Servius Honoratius weiter ausgeführt. Im 4.Jahrhundert beschrieb dann der Dichter Claudian eine Liebesbeziehung zwischen Lucifer und der Venus. Auch in der Vulgata, die lateinische Bibelübersetzung, die sich gegen über allen anderen Schriften durchsetzte, taucht der Name Luzifer als Bezeichnung für den Morgenstern Venus auf. Doch hier ist noch von keiner Verbindung zum Teufel die Rede. So steht selbst im neuen Testament: `Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen. Auch in der Offen-barung des Johannes bezeichnet sich Christus noch als den `strahlenden Morgenstern´.

Lützelsoon von Süden

Die eigentliche Wende in der Auffassung vom Luzifer als Verkörperung des Bösen brachten erst die Schriften der Kirchenväter in der Frühzeit des Christentums. Dieser Schauder des Bösen ist heute noch an zahlreichen Orten wieder zu entdecken. Einer dieser Orte ist der Lützelsoon, auch kleiner Soon genannt auf dem der Teufelfels steht. Der Höhenzug bei Bundenbach wird durch den südwestlich liegenden Teufelsfels und den nordöstlichen liegen Katzenstein begrenzt. Doch nur der Teufelsfels besteht aus einem markanten, senkrecht stehenden Quarzithärtling. Der Name des Höhenzuges erklärt sich heute aus dem mittelhochdeutschen Wort lützel, klein und dem Toponym Soon, Dies hat sich aus dem im Jahr 868 erstmals erwähnten Name silva sana, einer Bezeichnung für den heutigen Soonwald entwickelt. Dennoch scheint hier noch das alte Wort Luzifer durch.

Teufelsfels, Sonne und Venus

Auch beim Teufelsfels zeigt die naturräumliche Situation, dass die Sage keinesfalls nur der Fantasie entsprang, sondern die Namensentstehung durch die Beobachtungsmöglichkeit von Sonne und dem Morgenstern beeinflusst wurde. So stellt die in er Mitte des Lützel- soons liegende Wormrather Höhe den Visurpunkt für die Beobachtung des Sonnenauf- und Unterganges während er Sonnenwenden dar. Ganz direkt lässt sich jedoch der Teufelsfels mit Luzifer und seiner Verkörperung in der Venus in Verbindung bringen. So war  während der Entstehung der Sage im 17. Jahrhundert von hier wieder der Venus-aufgang am 1. August, kurz vor Sonnenaufgang zu beobachten. Dies war nach der im späten Mittelalter entstandenen Hexenlehre einer der 4 Hexensabbate zu denen Licht- mess, die Walpurgisnacht, die Nacht von Petri Kettenfeier, also das frühere keltische Lammas am 1. August und das Allerheiligenfest zählten. Die in der Sage erwähnten Kirchen wurden wohl nicht ohne Grund gebaut, denn sie sollte die Erinnerungen an den Beobachtungsort von Sonne und Venus, den Lützelsoon verdrängen.

Bilder: Wikipedia/ Der Teufelsfels, Hardest/Phosphoros (=Lucifer) mit seinen Eltern Gemälde von F. Boucher (Ausschnitt), 1763, Ireas / Lützelsoon von Süden, Prankster Karte opentopomap, Simulation/sunearttools, stellarium

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