Die 2 Katharinen der Katharinenlinde

Die  mystische Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien. Hans Memling, 1479

Esslingen wurde früh zum Ort eines Reliquenkultes der uns heute völlig fremd ist. Bekannte Heilige wie Vitalis und Dionysius wurden hier verehrt. Als ausgleichende Kraft durfte da eine Frau wohl nicht fehlen. Mit der Katharinensage wurde die Legende der Katharina von Alexandria, eine der wichtigsten weiblichen Heiligen des Mittelalters mit der Stadtgeschichte verwoben. Den Aufzeichnungen zufolge soll Mitte des 13. Jahrhunderts eine Pflegestätte für Kranke Esslingen entstanden sein die ihren Namen trug. Sie ging aber auf eine noch ältere Einrichtung zurück. An die Gründung dieses Spitals knüpft die Legende der heiligen Katharina an. Sie soll die Tochter des Königs von Zypern gewesen sein, die die Hand des Kaisersohnes ausschlug. Katharina sah nur Christus als ihren wahren Bräutigam an. Nach ihrer Taufe reiste sie nach Alexandria, wo sie auf Kaiser Maxentius traf, der von ihr forderte ihrem Glauben abzuschwören. Katharina weigerte sich und selbst die vom Kaiser hinzugezogen besten 50 Philosophen fühlen sich im Disput mit ihr unterlegen. An dieser Stelle teilt sich Urlegende und führt zur Esslinger Sage. Sie berichtet, dass Katharina den Folterknechten des Maxentius entkommen sei und bis auf die Hochebene von Rüdern floh. Eine Abwandlung berichtet auch von ihrer Flucht bis zum Ort der Linde. Ihre Verfolger holten sie ein und Katharina bat dort um ein Gottesurteil. Nach ihrem Wunsch sollte eine Linde umgekehrt eingepflanzt werden und wenn sie trotzdem austreibe, sei ihre Unschuld erwiesen. Das Urteil wurde aber nicht abgewartet und Katharina grausam getötet. Wie sie dies vorhergesehen hatte, wuchs eine prächtige Linde.

Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien, Ferrari Gaudenzio um 1510

Ihr Tod in Esslingen glich dem in der Urlegende geschilderten. Dort brach während der Räderung das Rad auseinander. Da Katharina auch das Abreißen der Brüste überstand, wurde sie schließlich enthauptet. Engel trugen sie anschließend zum Berg Sinai. Dort wurde das um 550 entstanden Kloster zum brennenden Dornbusch nach ihr benannt. In der Basilika des Katharinenkloster befindet sich heute der Sarkophag, der angeblich ihren Leichnam enthalten soll. Ab dem 8 Jahrhundert begann sich die Martyriumslegende der Katharina zu verbreiten und so wurde der Katharinentag am 25. November zu einem wichtigen Tag der Vorweihnachtszeit., denn ab da begann die 40-tögige Fastenzeit vor dem Weihnachtsfest Einer der Bauernregeln an diesem Tag lautet: `Die Kathrein hat den Winter im Schrein´. Fortan war die kluge und schöne Heilige sie Patronin der Frauen, der Nonnen, der Philosophen, der Handwerker, aber auch der Kreuzritter. für die sie als Schlachtenhelferin diente. Um an dem Ort über dem Neckar das Gedächtnis an die Heilige aufrecht zu erhalten, wurde dort eine Feldkapelle erbaut, die bis 1580 existierte. Aber es gibt auch noch eine andere Version der Sage die Klaus Graf aufzeichnete. Sie berichtet von einer Gräfin Katharina die viel Gutes tat, das Christentum unterrichtete und auch die Stifterin des Spitals war. Neider und Feinde behaupteten aber, dass sie ihre Worte vom Teufel eingeflüstert bekam und deshalb wurde sie auch zum Tode verurteilt. Nach einem Lichtwunder wurde sie laut der Sage an der Stelle beigesetzt, wo heute die Katharinen- linde steht.

Die Katharinenlinde im Landschaftsschutzgebiet Esslingen

Doch der Ort erinnert nicht nur an die Esslinger, sondern auch an die Württemberger Katharina. Der Legende zufolge sollen die Gebeine der Katharina von Alexandrien an einem 13. Mai, irgendwann in der Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert auf dem Berg Sinai aufgefunden worden sein. Genau an diesem Tag sieht man auch den Sonnenauf- gang über dem nordöstlich gelegen Katzenkopf. Die Legende erzählt aber noch von einer weiteren Auffindung ihrer Gebeine am 26. Mai und an diesem Abend steht die Sonnen- scheibe beim Untergang für wenige Augenblicke hinter der Grabkapelle auf dem Roten- berg.

Sonnenrichtung Katharinenlinde

Dort ließ König Wihlem I, von 1820-24 die Grabkapelle für seine 2. Frau Katharina Pawlowna errichten. Ihre Eheschließung erfolgte in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit die ganz wesentlich von einer Naturkatastrophe beeinflusst wurde. Missernten, Teuerung, Hungersnot erforderten besondere Maßnahmen, die Katharina beherzt anging und der Not mit einer umfangreichen Wohltätigkeitsarbeit begegnete. Wie die legendäre Esslingerin, gründete auch sie mehrere Institutionen, um das Heilwesen und die Bildung in der Stadt Stuttgart zu verbessern. Auf ihre Initiative gingen die Gründung des Katharinenhospitals, des Katharinenstiftes, die Württembergische Landessparkasse, sowie das Wohlfahrts- werk für Baden-Württemberg zurück.

Büste der Königin Katharina von Johann Heinrich Dannecker

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ist hier von einer Linde an diesem Ort die Rede und der erwies sich bald als beliebtes Ausflugsziel. Auch Freimaurer der Stadt Esslingen fühlten sich dem Baum verbunden und gründete die Loge `Zur Katharinen Linde´. Er ist aber nicht nur ein Ort um das Leben der beiden Katharinen zu verbinden, sondern auch unabhängig von allen Legenden ein Ort um einen weiteren Sonnenaufgang zu beobachten. Hervor-ragend eignet er sich am Tag der Sommersonnenwende, denn da steigt die Sonne fast exakt im Sattelbogen zwischen Kernen und Katzenkopf auf. Auch dies zeigt, wie an vielen Punkten in der Region, dass Orte wie die Katharinenlinde, bereits zu einem viel früher entstandenen Bezugssystem gehören. Dessen Spuren führen auch nach Fellbach und dem südlich gelegenen Kappelberg.

Rotenberg Grabkapelle

Bilder: Wikipedia/ Triptychon der mystischen Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien. Hans Memling, 1479 / Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien, Ferrari Gaudenzio um 1510/ Die Katharinenlinde im Landschaftsschutzgebiet Esslingen, CatalpaSpirit / Grabkapelle auf dem Württemberg (Luftaufnahme), Galgenberger / Büste der Königin Katharina von Johann Heinrich Dannecker, Enslin / Simulation sunearthtools.

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