Landschaften des Teufels – der Lousberg

Lousberg von Norden

Auch mit dem Lousberg bei Aachen verbindet sich eine der zahlreichen Teufelssagen. Beim Dombau fühlte er sich getäuscht, denn statt der versprochenen Menschenseele hatte er nur die Seele einer Wölfin erhalten. Diese Schmach, von all den gläubigen Aachenern überlistet worden zu sein, konnte er nicht ungestraft hinnehmen und fasste den Entschluss alle Bewohner der Stadt zu vernichten. In seiner Wut lief er bis zur Nordsee und lud dort Dünen in zwei Säcke. Diese schwere Last schleppte er zurück in Richtung Aachen. Mit dem Sand der beiden Dünen wollte er den Dom, die Stadt und alle Aachener mit Sand zuzuschütten. Der Weg war weit und die Säcke schwer. Zudem blies ihm der Wind ins Gesicht und der behinderte seine Sicht. Als er die heutigen Soers, eine Land- schaft nordöstlich Aachens erreichte, war ihm nach einer Pause zumute. Da begegnete ihm eine Marktfrau, doch die war trotz ihres arbeitsamen Tages noch hellwach. Die Marktfrau erkannte sogleich den Pferdefuß des Teufels und ahnte, dass sein Besuch für Aachen nichts Gutes bedeuten würde. Als er sich bei ihr erkundigte wie weit es denn noch bis Aachen sei, antwortete sie, mit dem Blick auf ihre abgelaufenen Schuhe, dass sie diese neu auf dem Markt in Aachen erstanden habe. Der Teufel hörte die Worte, sah die Schuhe und wusste, dass er einen so weiten Weg mit der schweren Last nicht bewältigen konnte. Voller Wut und Erschöpfung warf er auf der Stelle beide Säcke ab und zog davon. Die Berge aus Dünensand sind noch heute zu sehen: der Lousberg und der Salvat-orberg.

Teufel und Marktfrau, Bronzestatue auf dem Lousberg

Im regionalen Dialekt, im Oecher Platt, steht das Wort `lous für schlau´, doch in der alt- hochdeutschen Sprache gibt es das ähnlich klingende Wort, louh, die Bezeichnung für Lauch oder Küchenzwiebel. Auch mit ihr lässt sich wieder eine Verbindung zum Lousberg und dem Teufel knüpfen. In den Vorstellungen des Mittelalters waren Dank der Schriften von Kirchenvätern der Teufel und seine Dämonen allgegenwärtig. Aus diesem Grund suchten Menschen nicht allein im Glauben ihr Heil, sondern nutzten allerlei Amulette, um deren böse Kräfte abzuwehren. In dieser Zeit musste auch die Vorstellung entstanden sein, dass der Teufel mit einer Zwiebel aus dem Paradies vertrieben wurde. Dies geschah, weil die Zwiebel unter seinem rechten Fuß und unter dem linken der Knoblauch ge- wachsen sei. Um alles Böse das der Teufel auf sich vereinte, auch vom eigenen Haus fernzuhalten, hängte man deshalb gerne einen Zwiebelkranz an die Tür.

Feuersteinbeile

Aus geologischer Sicht betrachtet, hat der Teufel natürlich nichts mit der Entstehung des Lousberges zu tun, denn er ist neben dem Salvatorberg und dem Wingertsberg einer der drei Zeugenberge Aachens und damit einer der südlichsten Ausläufer der Aachen-Limburger Kreidetafel. Im 5. Jahrtausend, also in der Jungsteinzeit wurde hier mit einem intensiven Abbau von Feuerstein begonnen. Aus diesem grauen Feuerstein, mit seinen charakteristischen schokoladenbraunen Farbeinschlüssen wurden Halbfabrikate herge-stellt, die noch in beträchtlicher Entfernung, wie in Büdingen oder Minden gefunden wurden. An diesen Fundorten wurden sie dann zu Beilen weiterverarbeitet. Beile und Äxte erfuhren im Neolithikum eine besondere Wertschätzung. Sie waren beim Bau der auf- wendigen Hauskonstruktionen und bei der Rodung der Ackerflächen zu einem unent-behrlichen Werkzeug geworden. Darüber hinaus war das Beil, das in den unterschied-lichsten Typen gefertigt wurde, schon von Beginn an mehr als ein einfaches Werkzeug. Neben dem praktischen Gebrauch hatte es auch die symbolische Bedeutung eines Herrschaftszeichens. Überliefert ist dies durch die minoischen Kultur, in der die Doppelaxt eine große Bedeutung hatte und als Machtsymbol diente. So wurde bei Ausgrabungen im Palast von Knossos u.a. eine Wandmalerei gefunden, auf der eine reich gekleidete Frau dargestellt ist, die in jeder Hand eine Doppelaxt hält.

Göttin mit drei Mohnkapseln und einer doppelten Labrys

Da in den damaligen Vorstellungen die Legitimation der Herrscher durch die Götter er- folgte, standen sie auch mit dem Feuerstein in Verbindung. Die zeigt das Beispiel der Römisches Göttin Minerva der Göttin der Weisheit, der Heilung, des Handwerks und des Krieges. Sie soll laut der Legende den Menschen die Kunst des Feuersteinschlagens gelehrt haben. Auch die älteste Darstellung von Jupiter, der Jupiter Feretrius, ist mit einem Feuerstein verknüpft. Sein Tempel war wohl der Älteste auf dem Kapitol in Rom. Darin gab es kein Bildnis, sondern nur den heiligen Feuerstein, die Verkörperung seines Blitz- oder Donnerkeils.

Lousberg, Aussrichtung Sonne – Arktur (um 2700 v.Chr.)

Es gibt wohl nur wenige Feuersteinfundorte wie der Lousberg in Aachen, die durch ihre Ausrichtung eine mythologische Brücke zu den alten Göttervorstellungen schlagen konnten. Mit seiner Ausrichtung auf die Sonnenwenden eignete er sich ideal dafür, um den dort abgebauten Stein mit den obersten Gottheiten in Verbindung zu bringen und den daraus entstandenen Werkzeugen göttliche Kräfte zuzusprechen.

Bilder: Wikipedia / Lousberg im Aachener Norden , Peter Tritthart / Teufel und Marktfrau, Bronzestatuen auf dem Lousberg, Krista Löneke-Kemmerling / Göttin mit drei Mohnkapseln und einer doppelten Labrys auf einem goldenen Ring , Hans Pars: Göttlich aber war Kreta. Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau Simulation Sunearthtools, Stellarium

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