Landschaften des Teufels – die Teufelsmauer

Felswand der Teufelsmauer, Mittelsteine bei Weddersleben

Eine Mauer soll der Teufel einst am Randes des Harzes erbaut haben. Die wohl bekannt- este Sage die die Entstehung der Mauer erklären soll, ist die vom Teufel und dem Hahn, Sie führt auch zur möglichen Interpretation der geleisteten Teufelsarbeit. Bereits der Name Thüringen, der auf das ältere Königreich Toringa zurückgeht, führt zum Stammesgott Tyr, oder auch Thor/Donar. Glichen die damaligen mythologischen Vorstellungen den Wiking- ern, so dürfte sich Thor/Donar auch hier im Sternbild des Orion verkörpert haben. Wie kein andres Sternbild in der Zeit ab er Spätantike, bot Orion durch seinen Aufstieg am Osthorizont, kurz nach Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende, ein Sinnbild für die Wiedergeburt.

Großer Gegenstein bei Asmusstedt

Vielleicht war es gerade dieses Festhalten am alten Glauben, dass den Harz zum `liebst- en Land des Teufels´ machte. Hier taucht er in zahlreichen Sagen auf und eine von ihnen erklärt auch die Entstehung einer langgezogenen Felsformation, der Teufelsmauert. So begehrte der Teufel, nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, auch einen Teil davon. Dieser Teil sollte der Harz, des Teufels liebstes Gebirge sein. Nach einigem hin und her willigte Gott ein, sein erschaffenes Land mit dem Teufel aufzuteilen. Da dieser aber das fruchtbare Harzvorland behalten wollte, stellte er dem Teufel das erzhaltige Harzgebirge in Aussicht. Dabei machte Gott zur Bedingung, dass der Teufel bis zum ersten Hahn- enkrähen am nächsten Morgen eine Grenzmauer zwischen den beiden Herrschafts-gebieten errichtet haben muss. Rasch fing der Teufel an, am nördlichen Rand des Harz die Mauer zu bauen. Doch als nur noch ein letzte Stein fehlte, stolperte im Morgengrauen eine Frau auf dem Weg zum Markt über einen Stein der bereits fast fertigen Mauer. Daraufhin fing der Hahn an laut zu krähen, den die Frau auf dem nahen Markt verkaufen wollte. Der Teufel hatte verloren. Wütend vor Zorn zerstörte er sein ganzes bisheriges Werk und nur die Bruchstücke der Mauer blieben liegen. Sie werden heute die Teuf- elsmauer genannt. Die Landschaft hält so ein Bild des Teufels lebendig, das aus unserer Kultur längst verschwunden ist.

Kirchenvater Augustinus und der Teufel, Michael Pacher um 1470

Nur in Rom ist er wieder lebendig wie nie zuvor. Immer wieder spricht Papst Franziskus vom `entzweienden Säer von Unkraut, dem Spalter von Gemeinschaften, oder die personifizierte Versuchung´. Obwohl der Teufel zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte, gibt es von der Amtskirche nur wenige wirklich relevante Aussagen zu ihm. Sprichwörtlich erschaffen wurde seine Gestalt mit der ersten Aussage innerhalb der Kirchenlehre auf der Synode in Braga im Jahr 561. Dort wurde die Lehre verurteilt, der Teufel sei ungeschaffen. Erst 700 Jahre später, auf dem Vierten Laterankonuzil 1215 wird das Bild des Teufels näher präzisiert. Nun wurde die Auffassung vertreten, dass der Teufel gut geschaffen wurde, aber von sich aus böse geworden ist. Dadurch wurde der Mensch auch ständig seinen Versuchungen ausgeliefert und konnte somit selbst zum personi-fizierten Bösen werden. Eine Fülle von Schriften, die vor diesem Bund mit dem Teufel warnten, entstand so ab dem Konzil von Braga. Zu den wichtigsten Schriften gehört die Mitte des 5. Jhd`s entstandene griechische Basiliusvita, die heidnische Zauberpraktiken verurteilte und das auf der Basiliusvita aufbauende griechische Theophilusmirakel. Dieses Mirakel beschrieb die Darstellung der christlichen Gnadenbotschaft, in der auch der schlimmste vom Teufel verführte Sünder wieder in die Glaubensgemeinschaft aufge- nommen wird. Doch dazu musste er seine Tat ernsthaft bereuen. Noch schlimmer als ein Bund mit dem Teufel wurde im Mittelalter aber der Teufelspakt gewertet.

Pakt mit dem Teufel, Compendium Maleficarum, 1608

Der wurde mit zahlreichen Beispielen in Druckgrafiken und Schriften anschaulich vor Augen geführt wurde. Um diese mit dem Teufel Paktierenden rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu verurteilen, gab es eine Fülle von erklärenden Schriften, von denen der 1486 veröffentlichte Hexenhammer sicher zu den bedeutendsten zählte. Die konstruierte Gestalt des Teufels hatte eine vielfältige Funktion. Eine war, die zahlreichen Abspaltungen innerhalb der Kirche zu dämonisierten und so die Bevölkerung während innerkirchlichen Konflikten fester an die Amtskirche zu binden. Ebenso half sie, dem Gegner des christlichen Glaubens, dem expandierenden Islam eine furchteinflößende Gestalt zu geben. Zudem diente sie auch dazu, die letzten Relikte des alten vorchristlichen Glaubens auszurotten.Tatsächlich weckt der Anblick der Felsformation der Teufelsmauer den Ein- druck roher Gewalt. Dies war ja seiner der Eigenschaften die ihn von der gottgewollten irdischen Ordnung unterschied. Doch der Anblick roher Gewalt war sicher nicht der einzige Grund der zu dem Namen geführt hat. Vielmehr verbindet sich auch hier Natur- beobachtung mit der Geschichte des Teufels.

Sonnenrichtung der Teufelsmauer (Weddersleben)

Das Phänomen eines geologischen Prozesses, verbunden mit dem Jahrhunderte langen Abbau des Sandsteins, brachte ein überraschendes Ergebnis. In weiten Teilen weist die Teufelsmauer auf den Sonnenuntergang am 1. Mai oder auch dem 1. August. Bereits durch die Nacht zum ersten Mai, die Walpurgisnacht, verbindet sie sich ganz automatisch mit den Teufelsvorstellungen vergangener Zeiten. Doch allein dieser Aspekt wäre zu wenig. Betrachtet man den 1. Mai jedoch als Zäsur des Jahres, die in der keltischen Vorstellung das winterliche vom  sommerlichen Halbjahr trennte, so stellt der Mauerverlauf tatsächlich auch eine Teilung der Zeit dar. Da die Ausrichtung auf den 1. Mai auch mit dem Aufstieg des Thor/Orion korrespondierte, bot die Felswand, zumindest für eine lange Zeit, eine perfekte Übereinstimmung von Zeit und Raum. Die in der Sage beschriebene Grenz-ziehung entsprach also durchaus der Realität.

Sonnenuntergang über der Teufelsmauer

Bilder: Felswand der Teufelsmauer, hier die Mittelsteine bei Weddersleben, Axel Hindemith/ Großer Gegenstein bei Asmusstedt ,Wolkenkratzer / Kirchenvater Augustinus und der Teufel ,Michael Pacher um 1470 / Pakt mit dem Teufel (Compendium Maleficarum, 1608) Derek Smootz, Scan from Compendium Maleficarum, Simulation, stellarium, sunearthtools

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s