Mythos Calverbühl

Calverbühl

Umgeben von Kirschbäumen und mit einer Linde bekrönt, über der Schlot des Schwäb-ischen Vulkans noch immer eine faszinierende Wirkung aus. Zahlreich sind die Vermut- ungen über einen Kalvarienberg mit Kapelle, der einst zu seinem Namen geführt haben soll. Geht man jedoch den Spuren nach, verlieren sie sich alsbald im Nebel der Ge- schichte. Einzig die Beschreibung des Oberamtes von Urach aus dem Jahr 1831 gibt einen detaillierteren Hinweis dazu. Hier erwähnt der Verfasser, dass der Berg in Un- kenntnis seiner Geschichte auch als Karfenbühl oder gar Kartenbüchlein bezeichnet wurde. Als Hinweis für den einstigen Kalvarienberg führt er ein Schreiben Herzog Ulrichs an, dass der 1518 an den Bischof von Konstanz richtete. Darin wird eine Kapellenstiftung erwähnt. für Ulrich um das Lesen einer Messe für eine Bertha von Seelburg bittet. Doch die Gestalt der Bertha ist ähnlich der von Bad Boll historisch nicht fassbar.

Der Kalvarienberg in Lend (Graz) um 1830

Betrachtet man jedoch die Geschichte des Kalvarienmotives, entwickelte sich die Dar- stellung der Kreuzigungsgruppe ab Mitte des 15.Jahrhundert erst in Altarbildern, ehe es im 17. Jahrhundert zu einer beliebten Großplastik der Gegenreformation wurde. Dazu war es in Dettingen zu spät, denn ab 1534 setzte auch hier die Reformation ganz andere Schwer-punkte. Einen ganz anderen Hinweis zur Namensentstehung liefert das mittelhoch- deutsche Wort Karfunkel, das zu dieser Zeit auch Kohle und böses Geschwür bedeutete. Tatsächlich sieht das erstarrte Gestein an manchen Stellen wie ein Geschwür aus, das durch den spärlichen Grasbewuchs dringt.

Calverbühl aus Südosten

Der einst hier vermutete Kalvarienberg ist wohl eine urbane Legende, denn die Ableitung des Namens aus seiner die geologische Charakteristik klang wohl nicht allzu schmeich-elhaft. Dass der Berg dennoch einst eine herausragende Bedeutung hatte, vermutete bereits der Reutlinger Kaufmann und Autodidakt Theophil Rupp in seiner 1869 erschienen Schrift `Aus der Vorzeit Reutlingens und seiner Umgegend´. Darin schrieb er vom Calverbühl als Sonnenkultort. Dies lässt auch heute noch erkennen, denn von hier aus sieht man den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende über dem exakt gleich hohen Höfbühl bei Metzingen und 40 Tage früher dem benachbarten Wein- berg. Rupp wollte sich in den zeitlichen Dimensionen dieser Stätten nicht festlegen, doch beim Calverbühl ist eine Auffälligkeit zu erkennen die einen Hinweis gibt.

Calverbühl , Sommersonnenwende

Werden die Mittelpunkte beider Berge, Calverbühl und Hofbühl verbunden, so ergibt sich das Maß von 2900,2m. Einzig das bereits aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. bekannte Längenmaß der Salamis Elle ergibt einen ganzzahligen Wert von 6000 Ellen und erscheint damit vor dem Hintergrund der ersten vollkommenen Zahl 6. Aus dem 4. Jahrtausend, der Zeit der Michelberger Kultur, sind auch archäologische Zeugnisse aus dem nahen Grafenberg bekannt und so ist es durchaus denkbar, dass in dieser Epoche die Landschaft so geformt wurde, um den Vorstellungen eines Sonnenkultues gerecht zu werden.

Sommersonnenwende, Sonnenuntergang über Hofbühl bei Metzingen

Doch allein der Beobachtungspunkt Calverbühl gibt Rupp`s Vermutung Recht. Der Ort eignet sich ausgezeichnet zur Beobachtung des Sonnenunterganges während der Sommersonnenwende.

Bilder: Wikipedia:Der Kalvarienberg in Lend (Graz) um 1830, Published by J. F. Kaiser, Graz, Hubertl / Calverbühl bei Dettingen an der Erms (Südosten), Johannes Baie, Simulation, sunearthtools

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s