Die kleine Kuh und der Hohenhewen

Hohenhewen von Süden

In der Umgangssprache wird der Hausberg der Stadt Engen auch nur der Höwen ge- nannt. Mit einer Höhe von 844m überragt er seine Umgebung um knapp 300m. Im 12. Jahrhundrt wurde hier die Burg Hewin errichtet, von der heute noch die einige Reste zu sehen sind. Der Name des Berges wird allgemein auf keltische Wurzeln zurückgeführt, wie wohl die während der Namensentstehung im Mittelalters wohl gut 1400 Jahre zurücklagen. Römische und später allemannische Einflüsse mussten die längst überformt haben. Dennoch wird das keltische Wort ceven, die Bergkuppe als der Namensursprung gesehen. Doch auf die Gestalt des steil aufragenden Hohenhewen scheint für die Bezeichnung Kuppe nicht recht zu passen. Eher scheint das mittelhochdeutsche Wort hevic zuzutreffen, das wichtig oder gewaltig bedeutet. Auch das Wort hewe, der Halm oder die Granne könnte als Bild für seine schlanke Form gelten. Doch im Wort ceven ver- birgt sich eine Spur, die zu einer weiteren Erklärung führt. So steht das lateinische Wort ceva für eine kleine Kuhart. Sie galt in vorchristlichen Zeiten als Attribut der Lichtgöttin Brigidh. Ein Kultort, an dem diese Göttin verehrt wurde, könnte nicht perfekter liegen, denn vom Plateau des Hohenhewen ist am 1. Februar der Sonnenaufgang über dem Pfänder zu sehen.

Trias der Brigidh

Im entfernte gelegenen Bregenz wird laut der Geschichtsschreibung das Volk der Brigantier verortet, die später zum Namensgeber der Stadt wurden. Ihrem Namen liegen die altkeltischen Worte brigantia oder auch brigeidh zugrunde, die erhaben bedeuten. Das Wort verweist auf die Göttin Brigidh, eine er wichtigsten Göttinnen der keltisch-irischen Kultur. Je nach Interpretation bedeutet das Wort auch glänzender Pfeil, Feuerpfeil, die Strahlende, Mächt- ige oder auch Kraft. Sie war Teil einer der dreigestaltigen Gottheit ,die sich aus Dana, der Mutter und Anu, der Greisin bildete. Brigidh verkörperte unterschied- liche Aspekte dieser Trias. In ihrer ursprünglichen Gestalt war Brigidh wohl eine Sonnen-göttin. So erzählt eine Geschichte aus ihrer Legende, dass Brigidh zu Sonnenaufgang geboren wurde und ein Flammenturm aus der Stirn der neugeborenen Göttin von der Erde bis in den Himmel reichte. Auch als Kleinkind hielt sie stets die Verbindung zum Feuer, denn sie schlief immer in einem Feuermeer.

Petersfels

War der Hohenhewen einst ein Heiligtum `der kleinen Kuh´, bietet dies auch eine Erklärung für eine weitere Legende die aus jüngster Zeit stammt: Der Lagerplatz der Rentierjägern am nordöstlich, bei Engen gelegen Petersfels. Dort liegen zwei höhlenartige Vertiefungen in einem Felskonglomerat. Der Platz im Brudertal zählt heute zu den bedeutendsten Fund- plätzen aus der Zeit des Magdalénien, also einem Zeitraum um 12000 v. Chr. Unter Archäologen festigte sich alsbald die Überzeugung, dass Eiszeitnomaden hier den nach Norden ziehende Rentierherden auflauerten und ihre Beute dann vor beiden Höhlen, die ihnen als Lagerstätte dienten, verarbeiteten. Doch welchen Grund sollten diese Herden gehabt haben, ausgerechnet dem heutigen Verlauf der Landestrasse zu folgen, oder im Taleinschnitt des Wasserburgertalbaches plötzlich nach Nordwesten abzubiegen? Keinen, denn es gibt bessere Verbindungen in diese Richtungen. Diese Vorstellung einer jagenden Urbevölkerung wurden bereits in den Anfängen der Archäologie in England geboren. Sie war geprägt vom Bild des Mannes, der nur als echter Mann galt wenn er jagte. Neuere Forschungen widerlegen diesen Glauben, denn bereits zu dieser Zeit trug die Jagd viel weniger zum Nahrungsbedarf eines Clans bei als heute vermutet wird.

Hohenhewen, der Petersfels und die Sonne

Für die zahlreichen Funde am Petersfels bietet der Kultort Hohenhewen eine bessere Erklärung. Ist von dort der Sonnenaufgang am 1. Februar über dem Pfänder zu sehen, kann man von der Höhle des Petersfels den Untergang am gleichen Tag über dem Bergrücken des Vulkanschlotes Hohenhewen verfolgen. Einer der wichtigsten Funde, der heute in vergrößerter Form vor dem Petersfels zu besichtigen ist, stellte eine kurvierte Form dar, in der Archäologen eine stilisierte Venus erkennen wollen. Doch nicht alles was dick und schwungvoll anmutet, muss gleich eine Frauenplastik darstellen. Ein Blick zum Himmel zeigt, dass es auch dafür auch eine andere Erklärung gibt. Zur Zeit des Magdalénien stand das Sternbild des heutigen Adler während der Wintersonnenwende, kurz nach Sonnenuntergang, fast genau im Norden. Wurde es zu dieser Zeit auch als Vogel erkannt, so passt die kurvierte Form zu seinem Erscheinungsbild. Im Flug, von vorne betrachtet, gleicht die Silhouette der vermeintlichen Venus.

Bilder: Wikipedia/ Hohenhewen von Süden, Prekario / Petersfels, Thilo Parg /Die Göttin Brigid ,http://www.manfrieds-trelleborg.de/ Simulation, Sunearthtools, Stellarium

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