Das Zeichen am 23. September – Teil 1

Die apokalyptische Frau und der Drache

Es gibt wohl keine prophetische Erzählung die lange Zeit eine so beeindruckende Wirkung auf die Menschen ausgeübt hatte, wie die Offenbarung des Johannes. Der Text ist das letzte Buch des neuen Testamentes und sollte eine Hoffnungsschrift für die unterdrückten Christen des Römischen Reiches darstellen. Die Situation scheint sich nicht wesentlich geändert zu haben. Betrachtet man heute die absolute Anzahl verfolgter Christen, so dürfte sie um ein Vielfaches höher sein als zu dieser Zeit und auch die grausamen Folterpraktiken gleichen sich immer noch. Als Ich-Erzähler verfasste Johannes 7 Send- schreiben an Gemeinden um Ephesus, wo einst das größte Artemis Heiligtum der Antike stand. Im Kapitel 12 beschreibt er mit dem Titel `Die Frau und der Drache´, jene Konstellation am Himmel, die am 23. September 2017 wieder am Himmel zu sehen sein wird. `Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt. Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße´.

Jungfrau, der Mond, die Sonne und 12 `Sterne´ am 23. September

Auf den ersten Blick könnte die Beschreibung als ein Bild der Fantasie gedeutet werden, doch in der von Johannes beschriebenen Form war die himmlische Erscheinung tat- sächlich vor rund 7000 Jahren zum letzten Mal zu sehen. Gemäß der Beschreibung steigt das Sternbild Jungfrau mit der Sonne auf ihren Schultern auf, Ihr ziehen die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten voraus und bilden zusammen mit den Sternen des Löwen jene 12 Sterne. Der am Fuß der Jungfrau folgende Mond ,der sich in diesem Jahr mit schwacher Sichel zeigt, komplettierte das Schauspiel. Wie vor rund 7000 Jahren wieder- holt sich nun dieses Schauspiel, doch dieses mal ist es eingebunden in eine Reihe von Tagen die inhaltlich mit ihm in Verbindung stehen. Auf Grund des großen zeitlichen Abstandes dieser Konstellation wird dies auch das einzige Mal bleiben. Die Reihe der Tage beginnt mit Maria Geburt am 8. September, worauf am 12. der Tag Maria Namen folgt und am 15. der Tag Maria Schmerzen. Am 23. ist das Zeichen zu sehen und diesem Datum folgte einst am 24. ein Marienfeiertag der heute längst aus dem Kalender gestrichen und in seiner Tragweite vergessen ist: Mercedes. Das Fest Mercedes war bis 1961 das Fest der `allerseligsten Jungfrau vom Loskauf der Gefangenen´. Er wurde zuerst am 10. August im Orden der Mercedarier gefeiert, um damit an die Erscheinung Marias vor Petrus Nolaskus und Raimund von Peñafort zu erinnern. Sie führte 1218 zur Gründung des Ordens. Im Jahr 1696 wurde das Fest von Papst Innozenz XII. für die ganze Kirche eingeführt und auf den 24. September verlegt. Zwar war das Fest den zahlreichen Gefangen gewidmet, die islamischen Heeren und Piraten in die Hände gefallen waren, doch im engeren Sinne entwickelte sich im Zuge dieses Festes auch das Schutzmantelmotiv, das zum Kenn- zeichen vieler Mariendarstellungen des Mittelalters wurde.

Cäsarius von Heisterbach

Die wachsende Marienverehrung führte in dieser Zeit auch zu zahlreichen Beobachtungen wundersamer Ereignisse, die Cäsar von Heisterbach, ein Zisterziensermönch und zeitge-nössischer Chronist, sammelte und in seinem Werk Diagolus miraculorum veröffentlichte. Auch in Schwäbisch Gmünd soll sich im Jahr 1225 solch ein wundersames Ereignis zugetragen haben. Dort sollen 6 Schüler nach einer Leichenwache in der Nacht eine Himmelserscheinung gesehen haben. Auf einem gehörnten, dunklen Mond sahen sie 7 Kreuze stehen. Wenig später fielen von dort zwei brennende Kerzen vom Himmel, die anschließend in der neu erbauten Johanniskirche aufbewahrt wurden. Die 6 Schüler waren voller Entsetzen über das Zeichen des nahen Weltuntergangs und traten sofort in einen Orden ein. Heisterbach deutete den Mond als Sinnbild der bedrängten Kirche, denn Kreuzritter hatten während des 5. Kreuzzuges 1221 bei Damiette eine strategische Nied- erlage erlitten und musste ihre Hoffnung auf eine Rückeroberung Jerusalems begraben. Diesen Weg öffnete erst der Stauferkaiser Friedrich II durch sein diplomatisches Ge- schick.

Friedrich II. mit seinem Falken.

Doch mit diesem 23. September 2017 verbindet sich auch ein dramatischer Schicksals- tag der Juden. Sie gedenken an diesem Tag der Ermordung von Achikams Sohn Gedalja, 582 oder 581 vor Christus. Das Attentat der Ammoniter auf Gedalja, den Statthalter Nebukadnezars, wird als das Ende von Judäa angesehen, denn daraufhin flohen die Juden aus Angst vor Rache aus Judäa und gaben alle Hoffnung auf einen eigenen Staat auf. Die Zahl 23, innerhalb einer Reihe von Mariengedenktagen, verbunden mit der Endzeitprophezeiung und dem jüdischen Trauma, wird in dieser Form wohl einmalig bleiben. Taucht die Konstellation beim nächsten Erscheinen in 7000 Jahren wieder auf, wird sie sicher vor einem ganz anderen religiösen Hintergrund interpretiert werden. Aber gerade diese Einmaligkeit birgt auch die verführerische Gefahr den Heilsplan in Erfüllung gehen zu lassen. Immerhin ist das Jahr 2017 ein wichtiger Markstein innerhalb der biblischen Chronologie. Seit Adam sind 6250 Jahre vergangen und damit ist dieses Jahr innerhalb des 50 Jahre dauernden Zyklus wieder ein Jubeljahr bei den Juden und in der Kirche.

Bilder: Wikepedia/ Die apokalyptische Frau und der Drache, Bamberger Apokalypse (um 1000), vgl. Offb 12,3b-4 EU, Auftraggeber: Otto III. oder Heinrich II. – Bamberger Apokalypse / Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“), Süditalien zwischen 1258 und 1266. Città del Vaticano, Vatikanische Apostolische Bibliothek / Simulation Stellarium

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