Die Riesen der Alb

aus der Sage: wie Riesen den Hohenstaufen erschufen

Jakob Grimm schrieb 1835 über die Glaubensvorstellungen der Vorfahren: `Man dachte sich Riesen auf Felsen und Bergen hausend, ihre gesamte Natur hängt mit dem Tierreich zusammen. Sie sind entweder belebte Steinmassen oder versteinerte frühere Geschöpfe.´ Tatsächlich bedient sich die Terminologie der Landschaft auch anthropomorpher Begriffe Der Berg hat ein Haupt, einen Rücken und eine Schulter. Diese Vorstellung von Riesen wird am Albtrauf wach, wo man zahlreiche freistehende Felsen, Messekalken des oberen weißen Jura, sieht. Viele davon sind Erosionsrelikte der Schichtstufenlandschaft, doch bei einigen deutet ihre Form auf eine besondere Geschichte hin.

Kunstmühlefelsen bei Bad Urach

Zwei Köpfe, Kunstmühlefelsen

Eine Reihe dieser besonderen Felsen steht aufgereiht wie an einer Perlenschnur im Ermstal bei Bad Urach. Von der Ferne betrachtet wirken sie zwar wie viele andere am Albtrauf, doch der Herrenberger Forscher Thomas Weidinger sieht in ihnen mehr als nur Erosionsgestein. Er betrachtete die Felsen aus nächster Nähe und stieß auf erstaunliche Formen mit Merkmalen von Groß-Steinskulpturen. Direkt über dem Mühlenbetrieb Kunstmühle ist eine dieser Skulpturen zu finden. In der Seitenansicht ist hier das Gesicht einer riesenhaften Gestalt zu erkennen. Unweit dieses Profils stieß Weidinger noh auf weitere, freistehende Köpfe, die ebenfalls zum Tal gerichtet sind. Wie meist in solchen Fällen, werden solche figürliche Erscheinungen als Launen der Natur gesehen. Je nach Lichteinfall und Perspektive haben sie stets eine andere Wirkung. Doch bei dieser Be-trachtung ist immer der große Zeitabstand mit einzubeziehen. Alle Felsen bestehen aus Kalkstein, der im Jahr bis zu 2 Millimeter Abtrag haben kann. Auf 1000 Jahre be- trachtet, wären dies 2cm. Sauerer Regen kann jedoch zu weitaus schnellerer Erosion des Kalksteins führen, so dass innerhalb weniger Jahre der Abtrag erreicht wird, der sonst erst in 1000 Jahren möglich ist. So muss man also bei der Betrachtung dieser Riesenköpfe einen Materialschwund von mindestens 10cm vor Augen haben. Ebenso sind die Zer- störungungsversuche nachfolgender Kulturen mit einzubeziehen.

Sonnenrichtung der Felsen, Kunstmühle – Hanner Fels

Mögliche Zeiträume für die Erschaffung dieser Figuren wären vielleicht die Mittlere Bronzezeit, oder noch weiter zurückliegende Epochen. Der Hang des Hochberges verläuft bis zum Kunstmühlefels relativ geradlinig, so dass die Felsen alle nach Südwesten auf den Sonnenuntergang um den 15. Februar ausgerichtet sind. Eine besondere Eigenart weist jedoch der Kunstmühlefels auf, denn dort wo er abknickt, ist der ideale Punkt um den Sonnenuntergang während der Wintersonnenwende über dem gegenüberliegende Nottental zu beobachten.

`Der schlafende Alte´vom Hanner Felsen

Ein weiterer Fels der zur Reihe der Riesen rund um Bad Urach passt, ist das ´schlafende Gesicht´ vom Hanner Felsen. Der Aussichtspunkt liegt direkt über der südlichen Talkante Bad Urachs und bietet an eine fantastische Aussicht, passend zum Motiv des Gesichtes, auf Sonnenuntergänge . Betrachtet man von hier aus die Sonnenuntergänge, so erfolgt der zum Äquinoktium über der hohen Warte, am 1. August über dem Galgenberg und natürlich zur Sommersonnenwende, passend zu diesem Datum, der Sonnenuntergang über dem Sonnenfels am Rossfeld bei Bad Urach.

Externsteine und der Widderkopf

Frau Dr. Elisabeth Neumann-Gundrum hat während ihrer Forschungen an Groß-Steins-kulpturen zahlreiche Figuren untersucht und auf ihre Plausibilität geprüft. Dabei standen ihr einige Fachleute zur Seite, die die gefundenen Skulpturen bewerteten. Eines dieser Bei- spiele stammt von den Externsteinen und kann aus der Ferne als Widderkopf interpretiert werden. Der Ordinarius für zoologische Morphologie, Professor Dr. K.A. Seitz, Marburg, erkannte darin den Kopf des ureuropäischen Riesenschafes vom Typ Ovis argali das vor ca. 8000 Jahren ausgestorben ist. Damit wäre eine Bearbeitung der Felsen gegen Ende der Mittelsteinzeit plausibel. Viel weiter zurückzudatieren wäre eine Steinformation bei den Bruchhäuser Steinen am Istenberg. In diese Formation ist ein Aufeinandertreffen von Homo sapiens und Neandertaler zu erkennen, was vor ungefähr 60000 Jahren stattge-funden haben könnte. Da die Groß- Steinskulpturen höchst unterschiedlich aus- fallen, ist es schwierig bestimmte Epochen zu identifizieren. Dass die Figuren des Kunstmühle-felsens auf den Sonnenuntergang um den 15. Februar ausgerichtet sind, könnte seine Gründe auch in einem ganz spezifischen Kalendersystem haben. Bei der Untersuch-ungung zahlreichere Bauwerke aus der Megalithzeit, entdeckte der englische Ingenieur Alexander Thom einen Megalithkalender der auf einer Zählung von 16 Monaten basiert. Damit fiel der 15. Februar auf das Ende des 2. Monats und der Tag teilte damit das Jahr im Verhältnis 1 zu 8. Reste dieser alten Kalenderzählung haben sich wohl in einem der ält- esten römischen Feste, den Lupercalien erhalten, die genau an diesem Tag gefeiert wurden.

Bilder: Wikipedia / Historische Darstellung von Franz Keller, damals als Wendtal bezeichnet. Franz Keller, 1852-1938 – Schwabenalb in Wort und Bild, Verlag des Schwäbischen Albvereins, gesichter Kunstmühlefelsen, Hanner Felsen Thomas Weidinger, GEAVerlag 1914 / widderkopf – Groß-Sklpturen, Ureuropa e.V. Simmulation, sunearttools, Karte: opentopomap

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