El Escorial und das Martyrium des Lorenzo

El Escorial, Luftbild

Am 23. April 1563 begannen die Bauarbeiten der Klosterpalast Real Sitio de San Lorenzo de El, dem Königlichen Sitz Sankt Laurentius von El Escorial. Der unter Philipp II. von Spanien entstandene Palast wurde schließlich der größte Renaissancebau der Welt. Dass er dem heiligen Laurentius geweiht wurde, hatte er dem Sieg Philipps über den französischen König Heinrich II in der Schlacht von Saint-Quentin zu verdanken. Nach seinem Sieg am 10. August 1557, dem Tag des heiligen Laurentius, hatte Philipp ge- schworen, dem Heiligen ein Kloster bauen zu lassen. Als Bauplatz wählten seine Astro- logen den kastilischen Ort Escorial aus, der ungefähr 45km westlich von Madrid liegt. Der Legende zufolge lebte Laurentius zur Zeit Kaiser Valerians und Papst Sixtus II. Er war als Archidiakon von Rom für die Verwaltung des örtlichen Kirchenvermögens und seine Ver- wendung zu sozialen Zwecken zuständig.

Martyrium des heiligen Laurentius

Nach den Überlieferungen von Cyprian von Karthago fiel Sixtus den Verfolgungen unter Kaiser Valerianus zum Opfer. Dessen Erlass vom August 258 hatte das Ziel, alle Kleriker beseitigen zu lassen. Nachdem Sixtus enthauptet wurde, wurde der Diakon Laurentius ausgepeitscht und aufgefordert, den Kirchenschatz innerhalb von drei Tagen herauszu- geben. Daraufhin soll er den Schatz an Arme und Kranke verteilt haben und präsentierte sie dann als den wahren Schatz der Kirche. Zur Strafe wurde er gefoltert und auf einem glühenden Eisenrost hingerichtet. Seine letzten Worte soll er an den Kaiser gerichtet und gesagt haben: `Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein´. Aus diesem Grund wird Laurentius auch meist mit einem Eisenrost dar- gestellt. In Rom wurde die Erinnerung an den Heiligen wachgehalten. So zählt die ihm geweihte Kirche San Lorenzo fuori le mura zu den Patriarchalbasiliken in Rom. Auch der Rost, auf dem er der Legende zufolge sein Martyrium erlitt, wird als Reliquie in der Kirche San Lorenzo in Lucina in Rom verehrt. In Rom wird auch jedes Jahr am 10. August die Reliquie seines Hauptes auf einem Seitenaltar der kleinen Kirche der hl.Anna rechts neben den Kolonnaden des Petersplatzes gezeigt.

Philipp II von Spanien

Zur Valerian gibt es in Philipps Leben einige Parallelen. Auch er war damit beschäftigt, einen erbitterten Kampf gegen `Ketzer und Ungläubige´ zu führen, doch der hatte kata- strophale Folgen für das Land. Indem Philipp Protestanten, Mauren und getaufte Juden durch die Inquisition überall erbarmungslos verfolgen ließ, liquidierte er gerade die Teile der Bevölkerung, die aufgrund ihrer Arbeitskraft für Spaniens Wirtschaft von größter Bedeut- ung waren. Der mit größter Strenge erzogene König war voller Misstrauen gegenüber seiner Umwelt und wohl deshalb fehlte ihm jegliches Verständnis für Menschen anderer Religion und Wesensart. So bereitete für ihm laut seinen Ratgebern auch das Alleinsein das größte Vergnügen. Diesen Ort des Alleinseins schuf mit dem aus grauem Granit errichtete Prachtbau El Escorial. Er war das Verwaltungszentrum der weltlichen Macht und stellte zugleich einen Hort der Frömmigkeit und Spiritualität dar. Schließlich verstand sich Philipp II. als ein Sachwalter Gottes auf Erden. Dabei verweist der Bau gleich mehr- fach auf den von ihm verehrten Heiligen. So zeigt sich das Motiv jenes Eisenrostes auf dem Laurentius die Stärke seines Glaubens bewiesen hatte in dem ungewöhnlichen Grundriss mit einem Seitenverhältnis von 4 zu 5, dessen Form mit den 16 Höfen auf die Gitterstruktur dieses Rostes verweist.

Ausrichtung des El Escorial

Auch bei der Ausrichtung des El Escirial bestimmte Laurentius die Richtung, wenngleich nur zu einem Teil. Allein der Heilige konnte dem aber nicht gerecht werden und so mischen sich in der Ausrichtung der Anlage nach Südosten die Sonnenaufgänge an zweier Feiertage. Dies sind umgerechnet in den gregorianischen Kalender der Sonnen-aufgang am Tag des heiligen Laurentius am 10. August und der Sonnenaufgang an Epiphanias. Das Epiphaniasfest, das Fest der Erscheinung des Herrn, ist das älteste Fest der Kirche. Es wurde im Osten bereits um 300 gefeiert. Bedingt durch die Reliquien-verehrung der heiligen Drei Könige in Köln ab dem 12. Jahrhundert, verlagerte sich in Deutschland der Schwerpunkt des Festes auf die Geschichte der 3 Weisen aus dem Morgenland. In der Geschichte der Heiligenverehrung gehörte Laurentius zu den am meist verehrten Heiligen in aller Welt. In Rom folgte er gleich auf die beiden Apostel Petrus und Paulus. Papst Leo der Große formulierte zwei Jahrhunderte nach dem Tod von Laurentius die Größe seiner Gestalt mit den Worten: `Das Feuer, das in ihm brannte, half ihm, das äußere Feuer des Martyriums zu bestehen.´ Philipp II schuf mit seinem Palast ein monu- mentales Andenken an die Martyriumslegende eines Heiligen, der lange Zeit als Vorbild diente. Heute erinnert meist nur noch der bäuerliche Kalender an ihn, denn mit dem Laurentiustag als Los- und Wettertag beginnt der Anbau der herbstlichen Feldfrüchte.

St Laurentius, Dorfkirche Hornsdorf

Bilder: Wikipedia/ Monasterio de San Lorenzo de El Escorial, Turismo Madrid Consorcio Turístico from Madrid, España – Monasterio Escorial Uploaded by Ecemaml / Philipp II. (Porträt von Sofonisba Anguissola, um 1570), Sofonisba Anguissola – Museo del Prado / Simmulation, sunearthools, http://www.heinrichbernd.de/calendar/index_html?mode=j , Kalenderumrechnung

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