Die Kapelle auf dem Käppele

Linde auf dem Käppele

Jedes Jahr veranstaltet die freiwillige Feuerwehr Dettingen ihr Sonnwendfest bei der Fried- enslinde auf der nahegelegenen Anhöhe Käppele. Der Höhenrücken bietet nicht nur eine fantastische Aussicht auf Albtrauf, Zeugenberge und Filderebene, sie blickt auch auf eine jahrtausende alte Geschichte zurück. Fast scheint es, als würde mit diesen jährlichen Sonnwendfest ein Teil jenes kulturellen Gedächtnisses weiterleben, das an die einstige Bedeutung dieses Ortes erinnert. Heute steht an dem Ort, wo die Funde von hunderten von Feuersteinen darauf hindeuten, dass er über Jahrtausende aufgesucht wurde, die Käppeleslinde. Sie soll 1874, nach dem Deutsch Französischen Krieg gepflanzt worden sein.

Pfeilspitzen aus dem Neolithikum

Zahlreiche Funde von Pfeilspitzen und Feuersteinen weisen hier darauf hin, dass der Ort bereits im 20. Jahrtausend v. Chr. Eine Bedeutung hatte. Auf Grund dieser Funde wird das Käppele als einer der interessantesten Siedlungsplätze der Steinzeit betrachtet. Doch nach dieser Epoche scheint auf Grund der Fundlage das Interesse an dem Ort erloschen zu sein. Der Flurname wird heute auf eine Kapelle zurückgeführt, die einst hier gestanden sein soll. Hinweise dazu gibt es aber nur einen einzigen. Er stammt aus einem Forstlag-erbuch von 1556, wo der Verfasser an dem Ort eine Kapelle vermutete. Auf Grund mangelnder Hinweise für diese Kapelle, erscheint das althochdeutsche Wort `kappa´, das sich aus `kaphen´, schauen, entwickelte, eine wahrscheinlichere Erklärung für den Flur- namen. Nur über die beiden Burgen, die dort im Mittelalter errichtet wurden, ist mehr be- kannt. Doch auch sie haben kaum 150 Jahre überdauert. Die Burgen die dort zusammen mit mehren Höfen standen war auf Grund des kargen Bodens wenig Glück beschwert.

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Auf Grund der zahlreichen hier gefundenen Pfeilspitzen und Faustkeilen wird hier der Treff- punkt von Jäger-Nomaden vermutet, doch diese Funde können aber auch ganz anders interpretiert werden. Vertreter des Matriarachtsgedankens, wie Kirstin Armbruster, sehen in den dreiecksförmig bearbeiten Steinen Symbole einer schöpferischen Göttin, die eine Wiedergeburt ermöglichte. Als Erste Anzeichen dieses Glaubens wird ein dreieckiger Kalkstein gesehen, mit dem vor über 100 000 Jahren ein Kinderskelett bedeckt wurde. Diesen Gedanken äußerte auch der Kunsthistoriker Siegfried Giedion, der glaubte, dass die dreicksförmigen Zeichen auf Vorstellungen einer Wiedergeburt hindeuten. Die tradit-ionelle Wissenschaft sieht die Funde jedoch als Relikte von Jägern, die den Ort als Treffpunkt während ihrer Jagden nutzten. So schreibt der Prähistoriker Hansjürgen Müller-Beck dem Faustkeil eine universale Werkzeugeigenschaft zu und er sieht ihn als ständigen Begleiter des Steinzeitmenschen an. Ganz anders ist dagegen die Sicht von Materiarchatsforschern. Sie sehen in den formvollendeten Werkzeugen, deren Form in den meisten Fällen der Proportion des Goldenen Schnitts entspricht, sakrale Gegenstände an. Damit wäre auch der martialische Ausdruck Faustkeil völlig fehl am Platz, denn er passt ja gerade zum kriegerischen Aspekt des als Werkzeug angesehenen Gegen-standes. War das Käppele also viel mehr ein sakraler Ort, an den die Dettinger Feuerwehr heute mit ihrer jährlichen Sonnwendfeier erinnert?.

Käppele und die Sommersonnenwende

Bereits die Form der Landschaft spricht für diesen Gedanken. So weist der nach Dett- ingen reichende Geländesporn auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende, der von der Linde aus, über dem Hohenstaufen zu sehen ist. Doch die bestimmende Land- marken sind die Teck und der Bosler mit der vorgelagerten Limburg. So ist der Sonnen- aufgang am 1. Februar in der Einkerbung des Teckberges zu sehen und der zur Winter- sonnenwende am Ende des Berges.

Käppele und Wintersonnenwende

Über der Limburg und dem östlich gelegen ist der Sonnenaufgang zu den Äquinoktien zu sehen. Dieses Datum ist aber nicht nur ein astronomisches Ereignis, sondern setzt auch eine Zäsur im Zyklus der Naturkreislaufes. Noch heute gibt es eine Bauernweisheit die für den 25.März sagt: `Ist der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung klar, dann gibt es ein gutes Jahr. Aus Babylon ist das erste Frühlingsfest der Geschichte überliefert das ebenfalls Ende März gefeiert wurde. Das Akitu-Fest war die wichtigste Zeremonie im babylonischen Festtagskalender in der die heilige Hochzeit vollzogen wurde, um den Segen der Götter zu erhalten. Höhepunkt des 11 Tage dauernden Festes mit Prozessionen, Spielen und Opferungen, war das Hochzeitsritual des Königs mit der Himmelskönigin Ištar, als Dank an die Götter für das erfolgreiche letzte Jahr und dem Segen für das neue Jahr.

Sonnenkalender Käppele

Das Käppele bietet sich also als Beobachtungspunkt von Sonnenaufgängen an wichtigen Jahresabschnitten an. Der Ort der heutigen Friedenslinde war damit in der Frühgeschichte auch sicher ein Ritualort des damaligen Glaubens. Die frühe Vermutung über die Entstehung des Namens deutet also in die richtige Richtung. Das Käppele als Land- schaftpunkt erfüllte einst wohl einen Zweck, für den das Christentum später den Bautyp der Kirche einführte.

Bilder: ttps://kirstenarmbruster.files.wordpress.com/2014/01/vulvaritzzeichnungen-bei-les-eyzies-de-tayac1.jpg / Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich / Eigen/ Friedenslinde Käppele, Panorama Hohenstaufen( Käppele und die Sommer-sonnenwende, Simulation Suneartthools, opentopo map

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