Silvanus und der Hohenzollern

Burg Hohenzollern kurz nach Sonnenaufgang

Die Zeugenberge der Schwäbischen Alb gelten als geologische Reste der Schichtstufen-landschaft. Wie sie einst entstanden, darüber herrscht unter Fachleuten bis heute Uneinigkeit. Jedenfalls für die Alb gibt es nur einen Brocken weißen Juragesteins, der im Schlot des Scharnhäuser Vulkans gefunden wurde. Er dient als Beweis, dass die Schicht-stufenlandschaft einst bis dort hin reichte. Auch der dem Albrand vorgelagerte Hohen- zollern wird zu dieser Grippe der Zeugenberge gezählt.Doch die Form des Berges scheint ganz ähnlich wie beim bereits vorgestellte Berg Tabor nicht ganz zufällig entstanden sein. Auch hier lassen sich an seiner Ausrichtung mythologische Vorstellungen und ein seit Jahrtausenden gültiger landwirtschaftlicher Kalender ablesen. Ganz entgegen der Er- wartung dass ein Zeugenberg aus Zufälligkeiten der Natur entstand, lässt sich beim Hohenzollern ebenso eine ellipsoide Form erkennen, die ganz und gar nicht zur Aus- richtung der dort errichteten Burg passen will.

Ausrichtung des Hohenzollern

Auch hier lässt sich eine Mittellinie finden, die auf einen ins südöstlich liegende Killertal weisenden Geländesporn zielt. Im Jahr 1061 taucht der Name zolorin erstmals in der Chronik Bertholds von der Reichenau auf . Er nennt die Gründer der Burg, Burchardus und Wezil `de Zolorin´. Die Abstammung des Wortes vom Begriff `Mons solarius´, der Sonnenberg, scheint durchaus berechtigt, da vom Gipfel des Berges Sonnenaufgänge zu wichtigen Kalenderdaten über markanten Geländepunkten beobachtet werden können. Doch es gibt auch das althochdeutsche Wort zol, das Abgabe, Steuer, oder auch Tribut bedeutet. Dies könnte also auf eine Grenze hindeuten, die der Berg markierte. Dieser Gedanke verweist auf eine Vorstellung, die wohl noch aus römischen Zeiten, oder auch aus frühen Zeiten stammt.

Flachrelief des Gottes Silvanus, Kapitolinische Museen, J.P. GRANDMONT

Im Römischen Reich war der Gott Silvanus einer der Götter des Goldenen Zeitalters. Er war wie Faunus, der aus der griechischen Mythologie adaptierte Pan, ein Wald- gott, der das bäuerliche Weltbild repräsentierte und als Erfinder des Pflanzenbaus verehrt wurde. Die Abgrenzung zwischen ihm und Faunus waren fließend. Zuweilen galten beide auch als ein und dieselbe Gestalt. Silvanus wurde meist mit einem Pinienzapfen, oder dem Zweig eines Pinienbaumes in der Hand dargestellt. Ebenso war ein Hund sein treuer Begleiter. In der Antike verkörperte Silvanus die Grenze zwischen Stadt und Land. Es war seine Aufgabe, jene Grenzen zu schützen, die einzelne Grundstücke voneinander trennten. Ebenso hatte er die Grenzen zu bewachen, die zwischen bewirtschaftetem und bebautem Land verliefen, wie auch die, die das Land vom Meer teilten. Bauern opferten Silvanus häufig Schweine und Widder, aber auch Bären. So war die Jagd Im Namen des Gottes Silvanus eine Anerkennung seiner Kraft. Wohl deshalb trägt er auf älteren Darstellungen oft eine Mütze aus Bärenfell auf seinem Kopf.

Gott Silvanus. Relief in Rom

Die Feiern des Silvanus oder Faunus fielen auf ein Datum das charakteristisch ist für einen wichtigen Schwellenwert in der Natur. Die im Februar beginnende fruchtbare Periode kann mit einem Schwellenwert von 5° hinreichend genau definiert werden, denn ab dieser Temperatur setzt dann ein Vegetationsschub in der Pflanzenwelt ein. Vorboten der erwachenden Natur sind meist die Haselnussblüten. Vergleicht man diesen Schwellenwert mit einem heutigen Klimadiagramm aus dem nahen Balingen, so wird ersichtlich, dass dieser Wert in der Mitte des Monates Februar erreicht wird und erst wieder ab Mitte Oktober darunter absinkt. Dieser Zeitpunkt der erblühenden Natur bietet eine der Erklärungen für den Zeitpunkt des römischen Festes der Lupercalien. Dieses Fest geht auf die Gründungsmythen Roms zurück und wurde am 15. Februar gefeiert. Es begann mit einem Bocksopfer im Lupercal, auf das ein Opf- ermahl folgte. Der Lupercal, wo laut dem Gründungsmythos die Zwillingsbrüder Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt wurden, zählte einst zu den wicht- igsten Kultstätten Roms. Während der theatralisch inszenierten Opferfeier wurden junge Männer in den heiligen Bezirk geführt und von den Opferpriestern, die sie dann mit einem blutigen Messer an der Stern berührten. Dieses Ritual wird auch als Sühneopfer und auch als Hinweis auf wesentlich ältere Menschenopfer gedeutet.

Zoller,Südwestansicht, Der Messer

Sonnenaufgang am 18, Februar über dem Hohenzollern

Dieses Datum scheint, wie das Diagramm verdeutlicht, führte nicht nur in Rom zu einem wichtigen Fest, sondern eben auch in Mitteleuropa. Diese Spuren eines Silvanus, oder einer ihm ähnlichen Gottheit lassen sich auch beim Hohenzollern finden. Dessen Höhenlinien im oberen Teil folgen exakt der Richtung des Sonnen- aufganges am 15. Februar, der vom Plateau aus über dem südöstlich gelegenen Himberg aus zu beobachten ist. Auch hier vermutet der Reutlinger Autor Jürgen Meyer eine längst vergessene , frühgeschichtliche Kultstätte. Wie die benachbarte Bismarckhöhe bei Wessingen zeigt, muss es für das Festritual wohl noch eine weitere Kultstätte gegeben haben, denn von dort ist an diesem Tag der Sonnen- aufgang über dem Zollerberg zu verfolgen und die Sonnenscheibe steht dann in Blickrichtung für einen Augenblick auf seiner Spitze.

Bilder: Wikipedia / Burg Hohenzollern kurz nach Sonnenaufgang, Zollernalb , Own work / Flachrelief dekoriert in Gestalt des Gottes Silvanus der Kapitolinische Museen, Rom. Unbekannt – User:Jean-Pol GRANDMONT (2011)Fprum Traiani, Silvanus Relief Rom / Zoller,Südwestansicht, Der Messer / Simulation sunearthtools, opentopomap

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