Die Säulen der Kirche in Troyes

Statue des Apostelfürsten Petrus, Petersplatz Rom. Foto Th1979

Als überlebensgroße Skulpturen begegnen Petrus und Pauls, die beiden Apostelfürsten, dem Besucher des Vatikans auf dem Petersplatz . Zurecht werden sie dort auch als Tür- steher bezeichnet, denn beide sind zwei der größten Gestalten der Kirchengeschichte. Petrus, der ursprünglich Simon hieß, arbeitete vor seiner Berufung in den Kreis der Jünger als Fischer in Bethsaida am See Genezareth. Erst Jesus gab ihm den späteren Namen Petrus, der übersetzt `Fels´ bedeutet und damit auf seine herausragende Stell- ung in der zukünftigen Kirche verwies. Als Fels sollte er das Fundament dieser Kirche bilden, was auch in einem Kapitel des Matthäus Evangeliums geschildert wird: `Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen´, (Mt 16,18). Nach dem Tod Jesu am Kreuz, so wird es im Neuen Testament geschildert, gehörte Petrus zu den ersten Zeugen des vom Tode Auferstanden. Petrus sorgte dann als Sprecher der Apost- el dafür, dass sich der Kreis der Jünger wieder sammelte und die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete. Über seinen späteren Aufenthalt in Rom während der Herrschaft Neros gibt es keine gesicherten Indizien. Dennoch gilt er als Gründer der Kirche und erster Bischof Roms, der dort auch den Märtyrertod erlitten haben soll. Aus dieser ihm zugeschriebenen Funktion leitet sich bis heute das Papstamt des römischen Bischofs ab.

Statue des Apostels Paulus vor dem Petersdom, Foto:AngMoKio

Einen ganz anderen Lebenslauf hatte dagegen Pauls, der damals Saulus hieß und aus einer frommen jüdischen Familie aus Tarsus stammte. Die weltoffene Stadt liegt an der kleinasiatischen Küste, die bereits Handelsbeziehungen zu Phöniziern und Ägyptern unterhielt. Der Weltoffenheit entsprach auch der hier praktizierte Synkretismus, einer Mischung unterschiedlicher religiöser Vorstellungen. Ganz im Gegensatz dazu war Saulus so doktrinär wie streng gläubig. Von ihm wird berichtet, dass er sich auch an der Steinigung des ersten Krichenmärtyrers Stephanus beteiligte. Doch auf einer Reise nach Damaskus begegnete dem frommen Juden jener Gekreuzigte der ihn zum anderen Glauben brachte. Diese, als Damaskuserlebnis in die Kirchengeschichte einge- hende Begebenheit bewirkte bei ihm die radikale Umkehr, sowie eine Namensänderung. In der Folgezeit wurde er zu einem wortgewaltigen Verkünder seines Evangeliums, das sich im Wesentlichen auf die Kreuzigung und Auferstehung konzentrierte. Der Feiertag Peter und Paul wird am 29. Juni gefeiert und die erste Feier dieses Gedenktages ist für das Jahr 354 belegt. Die Feier in Bretten gilt als das älteste Fest Süddeutschlands über- haupt. Das Datum geht aber nicht auf den Todestag der beiden Apostel zurück , sondern auf die feierliche Übertragen von deren Reliquien in die Sebastians-Kata- komben an der Via Appia. Gemäß der Bedeutung des knapp eine Woche nach dem einstigen Sonnwendfestes stattfinden Feiertages, gibt es ebenso die entsprechenden Bauernregeln für die Wetterschau. Die stehen aber auch im Verbindung mit dem Sieben schläfertag am 27. Juni. So heißt einer der zahlreichen Sprüche an diesem Tag: `Peter und Paul hell und klar, bringt ein gutes Jahr.´

Kathedrale Saint Pierre, Saint Paul in Troyes, Südfassade

Den beiden Apostelfürsten und Säulen der Kirche angemessen, zählt auch die Kathe- drale Saint Piere-et Paul in Troyes zu den Hauptwerken der französischen Gotik. Troyes, wurde bereits in der Spät- antike bekannt denn in unmittelbarer Nähe soll sich auf den katalaunischen Feldern der Sieg über Attilas Armee ereignet haben. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich aus der ehemaligen Römerstadt dann ein florierendes Handelszentrum, dessen Reichtum in zahlreichen Kirchenbauwerken seinen Ausdruck fand. Die 114m lange Kathedrale wurde nach einem Brand im 12. Jahrhundert auf dem Grundriss des dritten frühromanischen Vorgängerbaus errichtet. Die Fertigstellung dauerte annähernd 2 weitere Jahrhunderte, wobei der südlich geplante Paulusturm bis heute unvollendet blieb. Der Feiertag Peter und Paul am 29 Juni ist zugleich der 180. Tag im Jahr. Die Zahl setzt sich aus der 1, dem Sinnbild Gottes und der 8, dem Sinnbild des Neubeginns zusammen. Dieser Neubeginn steht auch für das Leben, das In der hebräischen Sprache dem Zahlenwert 18 entspricht.

Kathedrale Saint Pierre, Saint Paul in Troyes, Chor

Kathedrale Saint Pierre, Saint Paul in  Troyes, Petrusturm

Diese 18 ist die Hälfte der 36, die die Zahl des Vollkreise darstellt. Mit 8 Tagen Abstand folgt Peter und Paul Sommersonnenwende, dem 172. Tag im Jahr. Dass eine Kirche, die diesen beiden Heiligen geweiht wurde, auch nach ihnen ausgerichtet wurde, ver- steht sich dann von selbst. So stand die Sonne im damaligen Julianischen Kalender am Morgen des 29.Juni in der Bauachse am Horizont und verkündete mit dem Strahlen- kranz Peter und Paul. Passend dazu ging sie im Südwesten am 18. November unter, dem Tag der Weihe der Basilika Peter und Paul in Rom.

Kathedrale Saint Pierre, Saint Paul in Troyes – die Ausrichtung

Bilder: Wikipedia / Statue des Apostelfürsten Petrus, Foto Th1979 , Gemeinfrei / Statue des Apostels Paulus vor dem Petersdom, Foto:AngMoKio , CC BY-SA 2.5 / Kathedrale Troyes.eigen, Simulation Sunearthtools,Googlemap, Heinrichs Kalenderumrechner

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