Der Stier von Knossos

Rekonstruierter Nordeingang des Palastes von Knossos, Foto Bernard Gagnon

Knossos, das übersetzt der Palast bedeutet, liegt ungefähr 5 Kilometer südlich von Iraklion, in Sichtweite des Giouchtas und dem Profil des `schlafenden Zeus. Der Palast wurde hier auf den Ruinen einer viel älteren Kultur errichtet, deren Spuren bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Wissenschaftler vermuten heute, dass Einwanderer aus Kleinasien während der neolithischen Revolution die Insel besiedelten. Erst am Ende des 3. Jahrtausends sind dann einzelne Königreiche entstanden, deren Zeugen die Paläste von Phaistos, Malia oder Knossos sind. Jedoch ist der Palast von Knossos der größte unter diesen Anlagen. Der Name Knossos ist mit dem Mythos des Mino- taurus verbunden, der die Menschen bis heute erschaudern lässt. Doch der von Homer verfasste Text der Erzählung entstand aber erst 700 Jahre nach der Zerstörung des Palastes. Sie beginnt mit einem weißem Stier, den der Gott Poseidon König Minos schenkte und ihm auftrug Zeus zu opfern. Der jedoch trieb ihn in seine Herde und opferte stattdessen einen gewöhnlichen. Der Zorn des Zeus traf Minos unmittelbar in dem er bei Minos Gemahlin Pasiphaë eine Begierde nach dem Tier entfachte.

Pasiphaë und der Minotaurus, Foto Bibi Saint-Pol

Die ließ sich dann vom königlichen Baumeister Daidalos eine mit Fell überspannte Holzkuh anfertigen, in der sie sich dem göttlichen Stier unbemerkt nähern konnte. Mit ihm zeigte Pasiphaë dann den menschenfressenden Stiermenschen Minotaurus. Minos ließ dieses Ungeheuer aber nicht töten, sondern von Daidalos ein sicheres Versteck errichten. Als Minos Sohn eines Tages bei einem Wettkampf getötet wurde, nahm er dies zum Anlass von den Athenern jährlich 7 Jünglinge und 7 Jungfrauen zu fordern, die dem Minotaurus geopfert wurden. Erst dem attischen Prinzen Theseus gelang es dann das Ungeheuer zu töten.

`Thronsaal´ von Knossos, Foto Olaf Tausch

Wie alle Anlagen aus der frühen Epoche der minoischen Kultur wurde auch Knossos während eines schweren Erdbebens um 1700 v. Chr zerstört, aber später wieder neu ausgebaut. Diese Naturkatastrophe markierte die Zäsur zwischen den Epochen der älteren und der jüngeren Palastzeit. Auf den Mauern der alten Paläste wurden neue errichtet und Knossos wurde während einer darauf folgenden Blütezeit wahrscheinlich zu einem wirtschaftlichen und religiösen Zentrum der Insel. Der Palast umfasste fast 1300 Räume, die meist in Clustern zusammengefasst waren. Sie wurden durch vier verwinkelt angelegte Gänge mit aufwendig gestalteten Treppenhäusern erschlossen. Dieses Konglomerat aus Räumen besaß aber keine einheitliche Fassade, wie auch eine Befestigung des Palastes fehlte. Doch der rechtwinklig geformte Innenhof entspricht nicht der amorphen Struktur des Gebäudes. Er wurde direkt über der ersten neolith- ischen Siedlung errichtet, was bereits in der Vergangenheit Spekulationen über die Gründe seiner Anordnung auf einer der Keimzellen der minoischen Zivilisation weckte.

Die Ausrichtung des Palastes

Die Länge des Hofes beträgt 53m und seine Breite 28m, Maße deren Symbolik nur bei genauerer Betrachtung erkennbar sind. So öffnet das Seitenverhältnis von 36Teilen zu 19 Teilen die Tür zu einer möglichen Interpretation, die auch mit der Ausrichtung der Anlage korrespondiert.Sie Zahl 36 beweist hier auf den Vollkreis und damit auch auf den Zyklus des Sonnenjahres. Auf einen anderen Zyklus verweist die Zahl 19 , denn 19 Jahre dauert der nach dem griechischen Astronomen Meton benannte Zyklus der exakt 235 Mondmonaten entspricht. Doch die Zahl 19 verkörpert auch eine Urform der Zahlensymbolik, die Trinität. Diese 19 erscheint auch in einem gleichseitigen Dreieck, wenn auf allen drei Seiten die Zahlen 1 bis 9 mit 9 Punkten angetragen werden. Somit entstehen auch 9 Strecken und die Zahl 10 bildet dann den Mittelpunkt dieses Dreieckes. Alle Elemente addiert, ergeben dann die Zahl 19.

Symbolik der Zahl 19

Diese Längsrichtung des Hofes weist auf die Letztsicht des Sirius während  Herbst-äquinoktiums. Eine der häufig anzutreffenden Wandmalereien in Knossos zeigt den minoischen Stiersprung. Bei dieser kultischen Handlung sprangen Männer wie Frauen in Längsrichtung über den Stier. Ein heute umstrittene Rekonstruktionszeichnung des Archäologen Evans zeigt den Sprung und seine Bewegungsphasen. Dabei fasst der Springer den galoppierenden Wildstier zunächst am linken Horn. Durch die Kopfbe-wegung des Stieres wird der Springer dann angehoben und schleudert sich mit einem Salto über den Rücken des Stieres. Diese kultische Bedeutung des Stieres lässt auch auf seine Bedeutung als Zeitzeiger schließen. Dies verdeutlicht die Querrichtung des Hofes mit seinen 19 Teilen, in der 36 Tage vor der Wintersonnenwende, einer Zeit ver- gleichbar mit den römischen Brumalien, die Erstsicht des Sternes Aldebaran aus dem Sternbild Stier möglich war.  In Gegenrichtung war zu dieser Zeit dann der Untergang der Plejaden im Westen zu beobachten. Aber auch der Giouchtas scheint in das Konzept des Palastes einbezogen worden zu sein, denn von hier war während des Frühlingsäquinoktiums der Untergang des Sirius über dem Profil des `schlafenden Zeus´ zu sehen. Damit war der Palast eingebunden in eine Ordnung aus Raum und Zeit die das Sternbild des Stieres vermittelte.

Bilder: Wikipedia, Rekonstruierter Nordeingang des Palastes von Knossos, Foto Bernard Gagnon, CC BY-SA 3.0 / Pasiphaë und der Minotaur, Attisch-rotfigurige Kylix des Settecamini-Malers, 340–320 v. Chr., Cabinet des Médailles, Paris, Foto Bibi Saint-Pol, `Thronsaal´ von Knossos, Foto Olaf Tausch / Simulation Stellarium/  Zahl 19, https://www.decemsys.de/reflexio/islam/zahl19-im-koran.htm

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