Kofinas, ein Heiligtum der Eileithyia

 

Der Kofinas ist der höchste Gipfel der Asterousia Berge im Süden Kretas. Seinen Namen verdankt der Berg seiner Form, die einem umgedrehten Korb ähnelt. In mino- ischer Zeit war auf dem sich in Ost-Westrichtung erstreckenden Berggrat ein Gipfel-heiligtum, das der Geburts – und Fruchtbarkeitsgöttin Eileithyia geweiht war. Wie ihre Geschwister Hebe und Ares, war sie ein Kind des Zeus und der Hera. Ihre Geschichte entspricht aber ganz und gar nicht der Rolle in der sie verehrt wurde, denn in den Erzählungen war sie immer dazu ausersehen eine wichtige Geburt zu verhindern. Dies war auch ihr Auftrag bei der Geburt des Herakles, mit dem Alkemene nach einem Ver- hältnis mit Zeus schwanger war. Auf Geheiß von Hera sollte sie Eileithyia verhindern, in dem sie mit gekreuzten Fingern vor dem Geburtszimmer einen geheimen Zauber aus- übte. Doch ein Trick der Amme veranlasste sie das Kreuz aufzulösen, so dass Herakles zur Welt kommen konnte. Auch bei Apollon, dessen Geburt Hera ebenfalls verhindern wollte, musste sie wieder erfolglos ihren Dienst leisten.

Athena wird aus dem Kopf des Zeus geboren, r. Eileithyia, Amphora, 6. Jhd, F. Group E

Dennoch verehrten sie gebärende Frauen als Beschützerin sehr früh in der Eileithyia – Höhle bei Amnissos und auch in Lakonien. Laut einem Bericht des griechischen Reise-schriftstellers und Geographen Pausanias wurden ihr an den Kultorten jeden Tag mit Weihegeschenken und Räucherungen Opfer dargeboten. Doch niemand außer den Priesterinnen dieser Heiligtümer durfte das Kultbild der Göttin erblicken.Homer nannte sie in seinen Schriften die Göttin der Kindgeburt. Ihre Attribute waren in dieser Hinsicht ungewöhnlich, denn sie trug meist eine Fackel. In der römischen Mythologie ging das Bild der Fackel tragenden Eileithyia in der Göttin Lucina auf, die dann später mit dem der Juno verschmolz. In der minoischen Kultur jedoch verschmolz die Göttin im Laufe der Zeit mit dem Bild der Artemis, wie sie auf frühen Inschriften mit der Linear B-Schrift des 15. Jhd`s v. Chr. bezeugt ist.

Ausrichtung des Kofinas

Eileithyia stand auf dem Kofinas wohl nicht nur für die Geburt, sondern ebenso für den Reichtum der Natur, denn beides markierten die Sonnenaufgänge auf dem in West- Ostrichtung verlaufenden Gipfel. Neben diesen astronomischen Aspekten die mit der Ausrichtung der Berglandschaft einhergehen, trug sicher die Form des Berges, die einem Korb gleichkommt, zur Vorstellung einer fruchtbringenden Göttin bei. Eine Dar- stellung Eileithyias zeigt sie auf einer Vase, auf der die Geburt der Athena dargestellt ist. Dort trägt sie einem knöchellangen Rock, der mit drei rötlichen Kreisen dekoriert ist. Um die sind jeweils konzentrisch 12, 18 und 14 Punkte in gleicher Farbigkeit angeordnet. Zusammen ergeben dies 44 Punkte. Wird die Zahl des Vollkreises von 360 durch die 44 geteilt, ergibt dies 8,18181. Die fortlaufende Zahl vereint mit der Zahl 8 die Unend-lichkeit und mit der Zahl 1, das Sinnbild eines Schöpfergottes. Gleichzeitig stehen die 3 Zahlen für wichtige astronomische Bezüge. So taucht die Zahl 12 in den Monaten des Jahres, wie auch im Tierkreis mit den 12 Sternbildern auf. Die Zahlen 18 und 14 sind Zahlen des Mondes, dessen Bahn einem Zyklus von 18 Jahren unterliegt.

Eileithyia mit Zahlencode

Dass Mythologien sich weiter entwickeln und dabei immer wieder erneuern, zeigt sich am Beispiel des am Kofinas. Dort findet alljährlich 8 Tage nach dem 14. September, dem Tag, an dem Kaiser Konstantin im Jahr 335 die Grabeskirche in Jerusalem weihte, eine Prozession zur steinerne Kapelle `Timion stavron´ statt. Die Kapelle erinnert an den Tag Kreuzerhöhung, an dem alljährlich das Kreuz hoch erhoben den versammelten Gläubigen gezeigt wird. In der biblischen Erzählung bildet das Kreuz den Abschluss des Bildes vom Baum des Paradieses der durch seine Frucht den Menschen die Vertreibung und den Tod brachte. Das Kreuz zeigt durch die Verbindung von der Waagrechten und der Senkrechten, dass diese alte Störung der Gottesbeziehung durch den Rod und die Wiederauferstehung überwunden wurde. Genauso zeigt es, dass das Leben stärker ist wie der Tod. Damit findet der Name Eileithyia, der griechisch die `zu Hilfe kommende´, heißt eine neue Interpretation. Wie in minoischer Zeit versammelten sich am 14. Sept- ember auch heute wieder Gläubige zu einer Gipfelmesse, zu der in den letzten Jahren vermehrt die Einheimischen aus den um liegenden Dörfern pilgerten. Sie tragen Basi- likum, das im Hinduismus als Pflanze Vishnus gilt und als Welterhalter angesehen wird, zusammen mit Brotlaiben zur Kapelle. Dort wird alles dann geweiht und gegessen. Der in West-Ostrichtung verlaufende Kofinas korrespondiert aber nicht nur mit dem Sonnen-aufgang whrend den Äquinoktien, sondern auch dem, der  80 Tage nach der Winter-sonnenwende erfolgt und über dem östlichen Gipfel erfolgt. Die Übereinstimmung der Landschaft mit Sonnenrichtungen zeigte sich in minoischer Zeit  auch im  kultisch verehrten Stier. So war die Erstsicht seines Sterns Aldebaran `der Nachfolgende´ währ- end des Herbstäquinoktiums. dem Beginn der Regenperiode, über dem Ostgipfel möglich

Gnadenbild in der Bergkapelle Timion stavron

Bilder: Kofinas, Gnadenbild Kapelle / https://youtu.be/DVmUTOcUy1E / Wikipedia/ Athena wird aus dem Kopf des Zeus geboren, rechts Eileithyia, Amphora, 6. Jahrhundert v. Chr., Louvre F 32, Foto Group E , Eileithyia, Amphore / Simulation sunearthtools, Stellarium, googlemap

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