Kulturort Gleichen Teil 1

 

Reinhausen, St. Christophorus – die Gleichen

Der Ort Reinhausen der nur wenige Kilometer westlich der beiden Gleichenberge liegt, ist bekannt für seine Christophorus Kirche. Sie wurde im 11. Jhd. von drei Brüdern aus dem Geschlecht der Grafen von Reinhausen der `ewigen Jungfrau Maria und besond- ers dem heiligen Märtyrer Christophorus´ geweiht. Der heutige Bau, der aus einer Burgkapelle entstand, erlebte im Laufe der Geschichte mehrere Um– und Anbauten. Nach der Verlegung dieser Burg auf einen der Gleichen entstand zuerst ein Chorherren-stift, aus dem schließlich ein Benediktinerkloster mit der Klosterkirche St. Christophorus hervorging.

Fresko des heiligen Christophorus, Eingangshalle der Kirche, Foto Jan Stubenitzky

Um diesen Heiligen ranken sich mehrere Legenden. Aber schon lange vor dem Auf- tauchen einer ersten Handschrift im 8. Jhd., die über sein Leben berichtete, wurde am 22. September 454 eine Kirche in Chalkedon, im heutigen Istanbul, geweiht. In der Er- zählung ist von einem Menschen fressenden Ungeheuer die Rede, dem Kynokephalen Reprobus, der in der Taufe den Namen Christophorus erhielt und erst dann die menschliche Sprache beherrschte. Anschließend soll er missionierend durch die Lande gezogen sein, bis er zu einem König nach Lykien kam. Da er dort die Sprache nicht verstand war er völlig verwirrt und widmete sich dem Gebet. Erst dann erschloss sich ihm die Sprache der Menschen in Lykien. Erst damit konnte er den auf einem Richtplatz Gemarterten Trost zusprechen. Als er dabei seinen aus Eisen geschmiedeten Stab in die Erde steckte, begann der zu grünen und weiße Blüten waren an ihm zu sehen. Dieses Wunder soll einst 8000 Menschen bekehrt haben. Doch der König war erzürnt und schickte dem missionierenden Riesen zwei Dirnen. Als der auch sie bekehrte, schickte der König Knechte die den Riesen gefangennehmen sollten. Doch sie konnten ihm nichts anhaben. Selbst als 400 Bogenschützen ihre Pfeile auf Christophorus abschossen, verharrten deren Pfeile in der Luft. Doch dabei verfehlte ein Pfeil verfehlt sein Ziel und traf den König im Auge. Christophorus hatte ihm aber prophezeit, dass er sein Blut mit Erde vermischen solle um wieder sehend zu werden. Nach der Enthaupt- ung des Riesen folgte der König der Anweisung und wurde wieder sehend.

Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars, Dierick Bouts

Aus dem Osten verbreitete sich die Legende rasch entlang den Pilgerstraßen Richtung Italien, nach Norden und nach Spanien, wo sie ab dem 7. Jhd. nachgewiesen werden kann. Im Westen wurden die Legende über das menschenfressende Ungeheuer abge- wandelt und aus Christophorus wurde ein Riese der aus Kanaan stammte. Weitere Erzählungen entstanden wie die mit dem Christuskind, das Christophorus während eines wundersamen Erlebnisses über ein Fluss trug. Mit zu seiner Verehrung trug auch das gleichnamige Gedicht des Walther von Speyer bei, das im 10. Jhd. entstand. In der Folgezeit entwickelte sich dann das Bild des Christusträgers, wie es heute bekannt ist. Dieses Bild gründet auf einem Hymnus des Mailänders Origo Scaccabarozzi, der dabei auf einige volkstümliche Varianten der Christophorus legende zurückgriff. Auch hier hat der Riese aber ein furchtbares Aussehen, sowie eine entsprechende Größe. In dieser Erzählung wollte der Riese dem mächtigsten König dienen, doch in dessen Dienste erfuhr er von der Macht des Teufels die viel größer war.

St, Christophorus

Chrstophorus gelang es sich dessen Schar anzuschlie0en und erfuhr dort aber von der viel größeren Macht des Gekreuzigten. Daraufhin verließ er den Teufel und gelangte endlich zu einem Einsiedler, der ihn anwies zu beten und Menschen über einen Flus zu tragen. Dort begegnete er eines Tages einem Kind das er über den Fluss trug, wobei er in der Mitte glaubte, das Gewicht der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen. Doch während dem Gang über das Wasser wurde er getauft und fand so zum Glauben. Diese Begebenheit machte Christophorus zum Pilgerheiligen und gleichzeitig zu einem beliebten Motiv in der Kunst. Zahlreich sind die Bilder und Skulpturen in denen der Schutzheilige an den Portalen von Kirchen und Hospizen entlang der Pilgerwege dar- gestellt wurde. Obwohl sein Bild auch auf vielen Pestäulen zu sehen war, wurde ab dem 15.Jhd, seine Verehrung kritisch betrachtet. Von Humanisten wurde die Legende dann als Märchen abgelehnt und für evangelische Christen dichtete Hans Sachs das Christophoruslied um. Doch seiner Rolle als Schutzheiliger der Pilger, der Fähr- und der Zimmerleute, oder auch der Apotheker konnte dies nichts anhaben. In der Reinhaus- ener Kirche wurde er aber nicht nur in den Fresken verewigt die ab dem 14. Jahr- hundert entstanden, auch in der Ausrichtung ist seine Bedeutung ersichtlich.

Ausrichtung der Kirche

Die Ausrichtung folgte der Winkelhalbierenden zwischen beiden damaligen Sonnenauf-gängen am Gedenktag des Christophorus, dem 23.Juli und Mariä Himmelfahrt am 15. August. Vom Standort der Kirche, die auf einem mit Kreuzen verzierten Sandsteinfelsen errichtet wurde, erfolgt der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende über dem sagen- umwobenen Hurkutstein. Doch der eigentliche Grund für die Wahl des Chrstophorus als Schutzpatron  de Kirche dürfte sicher auch auf eine weitaus ältere Legende zurück-zuführen sein, für die die beiden Gleichen einst die ideale Kulisse abgaben.

Bilder: Wikipedia / Reinhausen, St. Christophorus – die Gleichen, https://youtu.be/ MiwLvOORJZ4 / Die Klosterkirche, Doris Antony, Berlin, CC BY-SA 4.0 / / Fresko des heiligen Christophorus in der Eingangshalle der Kirche, Foto Jan Stubenitzky (Dehio)/ Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars Die Perle von Brabant Meister der Perle von Brabant, (1467–1468) Dierick Bouts – The Yorck Project / Simulation, sunearthtools, googlemap, opentopomap

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