Franziskus und der Palacio Real in Madrid

Stigmatisation des Hl. Franziskus, el Greco,1585

Der Maler El Greco wurde mit dem ursprünglichen Namen Domínikos Theotokópoulos, 1541 in Kreta geboren. Über Aufenthalte in Italien gelangte er schließlich an den Hof von Philpp II. Wie bei keinem anderen Maler spiegelte sich in seinem Werk die besondere Beziehung des spanischen Hofes um heiligen Franziskus von Assisi wieder. El Greco malte Franziskus nicht in der sonst üblichen Darstellung bei dem Empfang der 5 Wundmale Christi, sondern in der kontemplativen, entrückten Haltung und mit einem Totenkopf. Seine Bildidee führte er in zahlreichen Varianten aus, von denen noch 40 Bilder erhalten sind. Die Vielzahl dieser Motive war auch in der Popularität des Heiligen begründet, die der bereits in Spanien genoss. Laut den Überlieferungen soll er 1215 auf einer Wallfahrt nach Santiago de Compostella auch das Franziskanerkloster in Madrid gegründet haben. Das heutige Kloster wurde jedoch erst viel später gegründet. trägt den Namen Monasterio de las Descalzas Reales, das Kloster der Königlichen Unbeschuhten und wurde 1559 von Johanna von Spanien gegründet, einer Tochter Karls V. und Schwester Philipps II. von Spanien.

Monasterio de las Descalzas Reales

Es wird vom zweiten Orden, den Clarisssen geführt den Franziskus zusammen mit Klara von Assisi gegründet hat. Ganz der spanischen Tradition verpflichtet, die Jungfrau Maria zu verehren, ist das Kloster der Nuestra Señora de la Visitación geweiht. Diese spezifische franziskanische Frömmigkeit wurde von Prinzipien bestimmt, die bereits den beiden Ordensgründer Franziskus und Klara leiteten. Sie lassen sich in den drei Bildern zusammenfassen die das Christentum bestimmen: Krippe, Kreuz und Eucharistie. In seinem Leben suchte Franziskus stets die Armut, die das Leben Jesu von der Krippe bis zu seinem Tod prägte. Den Weg zur Erlösung von irdischen Sünden sah er deshalb in der imitatio (Nachahmung) und der compassio (Mitleiden), die ihren mystischen Aus- druck in seiner Stigmatisation erhielt. Seine 5 Wundmale gelten auch als erster über- liefert Fall der Stigmatisation in der Kirchen- geschichte. Franziskus erhielt sie , als er sich im Spätsommer des Jahres 1224 auf den Berg La Verna zurückzog, wo er seit 1212 eine kleine Felsnische als Einsiedelei benutzte.

Kloster la Verna, Joachim Schäfer, Heiligenlexikon

Dort traten sie 3 Tage nach dem Fest Kreuzerhöhung am 17. September auf. Der Be- deutung des Ordens in Spanien entsprach auch seine wichtige Rolle bei der Mission-ierung der Neuen Welt. So begleitete bereits eine Gruppe von Franziskanern Kolumbus auf einer ersten Entdeckungsfahrt. In der Folgezeit errichteten die Brüder dann die ersten Klöster in Santo Domingo und la Vega, in der heutigen Dominikanischen Re- publik. Wie Kolumbus, so begleiteten sie auch weitere Eroberer und missionierten so weite Teile des neuen Kontinents. Diese Verehrung des heiligen Franziskus spiegelt sich auch im Plan des Palacio Real wieder, der königlichen Residenz in Madrid. Mit dieser, Mitte des 1734 bis 1764 errichteten Residenz, drückten die neu an die Macht gekommen Bourbonen ihr Selbstbewusstsein und ihre Stärke aus. An einem Abhang gelegen, bildet der Palacio Real zusammen mit der Santa Maria la Real De La Almudena den westlichen städtebaulichen Abschluss Madrids.

Palacio Real

Santa María la Real de La Almudena

Mit seiner Querachse weicht das Bauwerk jedoch um 5 Grad von der Ostrichtung ab und weist damit bereits auf die Zahl der Wundmale des heiligen Franziskus hin. Auch der sich daraus ergebende Azimutwinkel von 95 Grad verbirgt eine symbolische Bedeutung. Die Zahl stellt das Produkt aus 19 und 5 dar.Neben der 5 ist die 1 die Zahl die im biblischen Kontext für Gott steht und 9, die für das göttliche Geheimnis steht, Doch die eigentliche Symbolik entsteht dann durch den Sonnenaufgang am Tag des heiligem Franziskus, am 4.Oktober. Zugleich weist  die Querachsse in Gegenrichtung  dann auf den Sonnenuntergang am 12. September, dem Tag von Maria Namen. Er wurde nach dem entscheiden Sieg der über die Türken bei der 2. Belagerung Wiens durch Papst Innozenz XI., als Fest für die ganze Kirche eingeführt. Wie der Glaube an die Jungfrau den Spaniern zum Sieg während der Reconquista verhalf Belagerung. Maßgeblich zum Sieg trug hier der polnische König Jan III. Sobieski bei der am 12. September, nach der Frühmesse auf dem Kahlenberg bei Wien, mit einer Statue der Jungfrau Maria in die Schlacht zog.

Ausrichtung des Palacio Real

Doch Maria bestimmte aber nicht nur den Ausgang von Schlachten, sondern auf geradezu wundersame Weise auch die Entdeckerfahrt des Kolumbus.Mit seinem Flagschiff Santa Maria brach er einen Tag nach Marienfeiertag Portiuncula auf, der zum Andenken an das von Franziskus benutzte Kirchlein Santa Maria degli Angeli gefeiert wird.Die Überfahrt schilderte in dramatischen Berichten, doch auch hier hielt Maria ihre schützende Hand über ihn und brachte ihn termingerecht zu einem der bedeuten spanischen Marienfeste ans Ziel. Am 12. Oktober, am Tag an dem das Marienfeste Pilár, gefeiert wird, ging er in der neuen Welt an Land. Mit seiner Ausrichtung verweist der Palacio Real damit auf den Glauben an zwei der wichtigsten Gestalten, die die Geburt Spaniens ermöglicht hatten.

Bilder: Wikipedia/ Stigmatisation des Hl. Franziskus, el Greco,1585 ,Monasterio de San Lorenzo de El Escorial, The Yorck Project / Monasterio de las Descalzas Reales, eigen / Kloster la Verna, Joachim Schäfer, >Ökumenisches Heiligenlexikon</a> / Palacio Real, eigen / Santa María la Real de La Almudena, eigen , Simulation, googlemap, sunearthtools

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