Der brennende Speer der Notre-Dame de Paris

Der Turm unmittelbar vor dem Absturz, Foto Incnis Mrsi , Remi Mathis

Spektakulär, stürzte der Vierungsturm der Kathedrale von Notre-Dame de Paris in das lodernde Flammenmeer, das sich während des Brandes am 15. April auf dem Dach aus- gebreitet hatte. Der Turm war ein Werk der beiden Architekten Jean-Baptiste Antoine Lassus und Eugène Viollet-le-Duc, die die Renovierungsarbeiten der Kathedrale Mitte des 19. Jahrhunderts betreuten. Heute wird das Werk Viollet-le-Duc zugeschrieben, ein- em der großen Erforscher mittelalterlicher Baukunst in Frankreich. Die Erkenntnisse seiner Forschungen, zusammen mit zahlreichen Zeichnungen veröffentlichte er in dem Buch `Wörterbuch der französischen Architektur des 11. bis 16. Jahrhunderts´. Der Vier- ungsturm war eine mit Bleich verkleidete Holzkonstruktion aus Eichenbalken, die durch ein Sprengwerk mit den steinernen Vierungspfeilern der Kathedrale verbunden war. Er ersetzte den erst im 18.Jahrhundert zusammen gestürzten Vierungsturm aus dem 13.Jahrhundert. Seine Gestalt, wenngleich etwas, war dem Turm der Kathedrale von Orléans nachempfunden. Hier war 1429 die letzte Bastion der Franzosen während des 100 Jahre dauernden Kampfes gegen die Engländer, die im selben Jahr unter der Führung in Jeanne d`Àrc befreit werden konnte. Unterhalb dieses Turmes standen auf stufenartigen Podesten angeordnet,

Konstruktionseichnmung Viollet-le-Duc, Scan BuzzWikimedia

16 überlebensgroße Statuen der 4 Evangelisten, sowie der 12 Apostel. Die Zahl 16 taucht auch wieder in der Höhe des Turmes auf, der auch Flèche, der Speer genannt wird. Er war 96 m hoch und entsprach damit dem Produkt 6×16. Die erste Quersumme der 96 ergibt 15 und verweist mit der 1 auf den Schöpfergott und mit der 5 auf den Menschensohn. Aktuell, auf Grund des Brandes natürlich auch auf das Datum des15. April. In der Bibel steht die Zahl 96 in Zusammenhang mit dem Weggehen, der Entfern- ung vom Glauben und auch dem Zurückkommen.

Die Statuen auf der südöstlichen Seite des Turms, Foto Peter Haas

Das Motiv des Speers verweist aber auch auf die keltisch-gallischen Wurzeln des Glaubens und damit verbunden den Feiertag Imbolc. An diesem Tag wurde mit der Göttin Brigid das neu erwachte Licht des Jahres gefeiert. Sie war die Schutzgöttin kultureller Güter, zugleich Heilerin und Wissens-vermittlerin. Übersetzt bedeutet ihr Name glänzender Pfeil, Feuerpfeil, die Strahlende, Erhabene, Mächtige oder auch die Kraft. Der Tag wurde im Christentum dann zu Mariä Lichmess, ein heute längst nicht mehr gebräuchlicher Name. Inzwischen zählt das Fest zu den 23 Herrenfesten der patriarchal geprägten Kirche, wobei die ursprünglichen Wurzeln des Festes nur nut noch in ländlichen Gebieten bekannt sind. Doch diese Erinnerung an den Ursprung des keltisch-gallischen Glaubens ist in der Geometrie der Île de la Cité, wie auch der Kathedrale von Notre-Dame de Paris erhalten geblieben, denn sie ist auf den Sonnen-aufgang an 2. Februar ausgerichtet, an dem früher das 2. große Marienfest des Jahres gefeiert wurde.

Sonnerichtung der Île de la Cité

Da der 15. April ein geradezu symbolisches Datum darstellt, lohnt sich hier ein Blick zu- rück. Vom 2. Februar, dem 33. Tag im Jahr, bis um 15. April sind es 72 Tage. Diese Zahl verweist nicht nur auf den Zyklus der Erde wo sich alle 72 Jahre der Fixsternhimmel um 1° verschiebt, sondern eben auch auf den Zahlenwert des Gottesnamens Jahwe im Alten Testament. Den gleichen Zahlenwert besitzen aber auch die hebräische Wort für Gunst, Güte, Liebe oder Gnade im, die in der Buchstabensumme ebenso den Totalwert 72 ergeben. Der Verweis auf die Zahl 72 erschließt nun auch das Motiv Feuer. Der Gott der Israeliten erschien Moses in einem brennenden Dornbusch und wurde im Alten Test ament mehrmals verzehrenden Feuer erwähnt. Nicht nur der Zorn Gottes wird dort als Feuer gesehen, auch sein Wort wird als Feuer betrachtet.

Der Vierungsturm über Haupt- und Querschiff, 2018. Foto Hilader

Bilder: Wikipedia/  Der Turm unmittelbar vor und nach dem Abknicken der Spitze, Incnis Mrsi (montage) Remi Mathis (photos),CC BY-SA 4.0 / Konstruktionseichnmung Viollet-le-Duc, Scan Buzz Wikimedia / Die Statuen auf der südöstlichen Seite des Turms, Foto Peter Haas / Der Vierungsturm über Haupt- und Querschiff, 2018. Foto Hilader

Ein Gedanke zu „Der brennende Speer der Notre-Dame de Paris

  1. Pingback: Notre Dame der brennende Speer | HEIMDALL WARDA – Die das Gras wachsen hören

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.