Der Himmel über Tel Shilo

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Tel Shilo (Khirbet Seilun), Foto Abraham Sobkowski OFM – CC BY-SA 3.0

Über 70000 Besucher kommen jährlich zum Tel Shilo, wo lange Zeit vor Jerusalem das wichtigste religiöse Zentrum der Israeliten war. Dort stand nach den Erzählungen des Buches Josua und dem Buch der Richter auch die Stiftshütte, in der das zentrale Heilig- tum, die Bundeslade aufbewahrt wurde. Heute wird Tel Shilo mit dem Ort Chirbet Selun identifiziert, der 16km nördlich von Bet El im Westjordanland liegt und etwa 1050 v. Chr. von den Philistern zerstört wurde. Josua, dessen Name so viel bedeutet wie, `der Herr ist die Rettung´ , gilt als der Verfasser des gleichnamigen Buches, das von der Ein- nahme des verheißenen Landes erzählt. Damit stellt es die Fortsetzung des Buches Moses dar, der kurz nachdem Anblick des Landes vom Berg Nebo am Ostufer des Jordans verstorben war. Die anschließende Landnahme erfolgte dann im Glauben an den einzig richtigen Gott, der auch ausdrücklich die Ausrottung der dort lebenden Völker erlaubte. Als Grund wird angeführt, das sich diese durch Greuelsünden und ver- derbten Götzendienst schuldig gemacht hätten. Im 22.Kapitel des Buches war dieser als gerecht empfunden Kampf beendet und alles eroberte Land durch einen Losent scheid an die einzelnen Stämme des Volkes verteilt worden. Als der von Moses Auserwählte fühlt sich Josua als `Knecht des Herrn´ der seinem Volk über den Jordan vorangehen musste. In seiner Rolle als Anführer eines neuen Zeitalters gilt er deshalb als Präfig-uration des kommenden Jesus. Trotz des am Ende erfolgreichen Kampfes, erfolgte die Landnahme, so wie aktuell, doch nicht vollständig. Am Ende blieb ein Teil in der Hand der Kanaiter und dies sollte sich viel später rächen.

Illustriertes Tabernakel mit Brandopfer (Vordergrund) und der Schechina Gottes als Wolke über der Mischkan mit der Bundeslade im Innern, Charles Taze Russell (1852-1916)

Shilo wurde als der Ort ausgewählt, an dem für 369 Jahre die Stiftshütte als religiöses Zentrum ihren Platz fand. Die Mischkan, so ihre hebräische Bezeichnung, entstand nach einer Gottesvision von Moses, wo ihm die Maße des Zeltbaues mitgeteilt wurden. Dieses Zelt sollte dann das fortan ein Ort der Begegnung mit Gott werden. Sie spiegelt sich auch den Maßen wieder die durch die Zahl 3 bestimmt werden. Sie ist ein Sinnbild Jahwes, so wie es Jesaja 6:3 beschrieben wird. im biblischen Kontext steht die 3 aber auch für das Wort erschaffen, das, wie das Beispiel zeigt, bei einer Verwendung in der Bibel dann dreimal hintereinander folgt: `Gott schuf also den Mensch- en als sein Ab- bild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1:27). Der umzäunte Hof in dem das Allerheilgste stand, hatte eine Länge von 100 Ellen, eine Breite von 50 Ellen und eine Höhe von 5 Ellen. Mit der das Maß bestimmenden Zahl 5 findet hier die babylonische Zahlensymbolik ihre Fortsetzung, denn die 5 stand dort nicht nur für damals bekannten 5 Planeten, sondern war auch die Zahl der babylon-ischen Himmelsgöttin Ishtar, Sie stand für Sexualität und ebenso für die Fruchtbarkeit. Durch ihre rituelle Verbindung mit dem König während des Frühjahrsfestes wurde die Zahl 5 auch zu einem Sinnbild der der heiligen Hochzeit.

Tel Shilo, Basililka, Foto Yair Aronshtam

Die archäologische Beweise für die im Buch Josua vermittelte Geschichte sind dürftig, Sicher ist bislang nur, dass auf dem Hügel bereits in der mittleren Bronzezeit bauliche Strukturen errichtet wurden,wobei Teile auch ins 8.Jahrtausend v. Chr. datiert werden Zurückreichen. Gemäß den Datierungen des Archäologen Finkelstein wurde das Ge- lände um 1050 v, Chr verlassen, was mit der Zerstörung durch die Philister erklärt wird. Erst in in der späten Eisenzeit gibt es erneute Spuren einer Ansiedlung. Im frühen Christentum erlangte der Ort erneut eine große Bedeutung, wovon die Funde von Rest- en dreier byzantinischer Basiliken zeugen. Was machte aber die eher unscheinbare Anhöhe so interessant? Wesentlich geschickter zu bebauende Flächen gab es doch auf den Anhöhen im Norden, wie auch im Osten. Trotz dieser einstigen Bedeutung ist auch der Ursprung des Namens bis heute unklar. Teilweise wird sein Ursprung in den Be- griffen Friedensstifer oder Ruhe gesehen. Der Bedeutung weitaus näher käme aber die Ableitung aus dem Ausruf sheh-LOH, mit er Bedeutung `er ist es´, also die Erkenntnis nach langer Wanderung endlich den Ort Gottes gefunden zu haben. Doch der Name wird auch auf den semitischen Namen Shala zurückgeführt und der gibt auch einen Hin- weis auf die wohl entscheidende Funktion des Ortes. Trotz seines unscheinbaren Aus- sehens war er Dank seiner Umgebung ein perfektes Observatorium. Deutlich wird die Übereinstimmung von Landschaft und Gestirnsichtung während der der Winter- und Sommersonnenwende und bei den Äquinoktien. Gerade die Übereinstimmung von Son- nenaufgang und dem Aufstieg des Sternbildes Jungfrau während des Frühlingsäquin-oktiums deutet auf den eigentlichen Ursprung des Ortes hin: ein Kultort der Göttin Shala. Sie taucht auch in den Sterntafeln des MUL.APIN auf wo sie als Sternbild Jung- frau, die Ackerfurche, bezeichnet wird. Shala war nicht nur Korngöttin, sie war auch eine sumerisch-babylonische Schwurgottheit. Shilo war also der ideale Ort für die Zeremonie des Erntefestes. War also das Erbe Babylons der Ursprung des späteren Zion – Mythos?

Tel Shilo mit idealen Visurpunkten in der Landschaft

Bilder: Wikipedia / Tel Shilo (Khirbet Seilun), Foto Abraham Sobkowski OFM – CC BY-SA 3.0 / Illustriertes Tabernakel mit Brandopfer (Vordergrund) und der Schechina Gottes als Wolke über der Mischkan mit der Bundeslade im Innern, Charles Taze Russell (1852-1916), Tel Shilo, Basililka, Foto Yair Aronshtam , Simulation,Opentopomap, sunearthtools, Stellarium

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