Der Götzenaltar bei Königsheim

Götzenbild des goldenen Kalbes in Hartmann Schedels Weltchronik Scan, Tsujigiri~commonswiki

Der Name Götzenaltar weist weit in die Religionsgeschichte zurück und spiegelt den Kampf der Religionen um die Deutungshoheit echter Gottesverehrung wieder. Der Name, der eine Zurücksetzung anderer Götter gegenüber dem Gott der Israeliten be- deutete, taucht im Buch der Chronik, aber auch im Buch des Propheten Hesekiel auf. Hesekiel, einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, schildert im gleichnamig- en Buch das Unglück der Israeliten als diese begannen fremde Götter anzubeten. Dies sah Hesekiel lange im Voraus in einer Vision, in er das Innere des Tempels erblickte, In dem huldigten Priester fremden Göttern anderer Völkern. Dort wurden sie nun in Bild- ern verehrt, während der ursprüngliche Glaube der Israeliten kein Bild Gottes kannte. Tatsächlich geschieht später dann das,was der Prophet anprangerte.

Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510, Michelangelo – Web Gallery of Art:

Die Israeliten beteten die Götzen an und gerieten daraufhin, nach der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels in babylonische Gefangenschaft. Den- noch endet das Buch mit der Beschreibung der Herrlichkeit eines königlichen Fried-ensreiches in der Zukunft und deutet damit bereit das Kommen des Messias an. Im Buch der Chronik, das seit dem Mittelalter in 29 Kapitel unterteilt wurde, wird haupt-sächlich der Aufbau der Gesellschaft der Israeliten geschildert. Hierbei wird aber der Schwerpunkt der Betrachtung auf die Gottesverehrung im 1. Tempel gelegt. Im Ver- gleich mit den Gottes- bildern anderer Völker steht dort: (´„kol elohei haamim elilim´), was übersetzt bedeitet: `Denn aller Heiden Götter sind Götzen;´ oder auch sinngemäß `Alle Götter der Völker sind nichts´.

Nicolas Poussin: Die Anbetung des goldenen Kalbes (1633–1634)/ Nicolas Poussin/ Bild ttp://www.cts.edu/ImageLibrary/Public_domain.cfm

Dennoch ist der deutsche Begriff Götze erst jüngeren Datums. Im Mittelhochdeutschen entspricht die Diminutivform des Wortes einer Abwertung und dem Sinn nach einem Hausgeist oder Kobold. Martun Luther gebrauchte den Begriff erstmals im jahr 1520 in der Bedeutung von Abgott oder auch flacher Gott. Eng verknüpft mit dem Wort Götze ist der des heute kaum noch gebäuchlichen Begriffes Heide. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen paganus ab, das für ländlich oder dörflich steht. Das Woirt weist aber gleich auf zwei Entwicklungen hin: Das Aufblühen einer städtischen Kultur während der Blütezeit Roms, die die dörflich anmutetenden Oppida in den Schatten stellte und damit ein soziales Gefälle von Stadt und Land andeutet. Dies spiegelte sich auch in der Wert- schätzund dieser weit draussen lebenden Bevölkerung wieder, die als ungebildet und zurückgeblieben betrachtet wurde. Das gleiche Bild wurde dann während der Christ-ianisierung auch auf den Glauben der Landbevlkerung übetragen. Eine erste klare Ab- grenzung zwischen den Heiden und den Christeen geschah auf dem im Lukasevangel- ium geschilderten Aposelkonzil. Für das Urchristentum, das zu dieser Zeit aus zahl- reichen sektiererischen Gruppen mit unterschiedlichen Glaubensinhalten bestand, wurde auf diesem Treffen eine wegweisende Entscheidung zur Missionierung von Heiden getroffen. Als Hauptvertreter der hellenistischen Theologie vertrat hier der Apostel Paulus die Auffassung, dass Heiden durch den angenommenen Glauben an Jesus Christus und den Empfang des Heiligen Geistes gereinigt und geheiligt seien.

Heidenmission im Mittelalter, Daratellung aus dem 19. Jhd.

Damit unterlagen sie auch nicht mehr dem bis dahin praktizierten jüdischen Religions- gesetz der Beschneidung und in der Folge war dies die Trennung zwischen dem Juden- tum und den Christen. Auf der südlichen Albhochfäche, zwischen Böttingen und Kön- igsheim erinnert der Name eines Felsblocks aus dem oberen Juragestein an den heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff Götze. Das als Götzenaltar bezeichnete Gestein musste aber bereits in frühgeschichtlicher Zeit einen besonderen Nimbus besessen haben, denn in unmittelbarer Nähe zu dem Ort befinden sich mehrere Grabhügel. Der rund 1,6m hohe Block liegt auf einer runden Steinplatte mit einem Durchmesser von knapp 25m Die ganz bewusste Gestaltung des Ortes lässt sich auch in der Ost-West-Ausrichtung des Felsens erkennen.

Götzenaltar Schwäbische Alb, Foto Manuel Mattes , http://manuel-mattes.de

Auf Grund von Keramiktresten aus der späten Bronze- und Hallstattzeit wurde früh auf die kultische Bedeutung des Ortes geschlossen. Obwohl Bewaldung heute die einstigen Sichtbeziehungen verdeckt, erscheinen drei wesentliche Richtungen für den Götzenalt- ar und die Grabhügel wichtig gewesen zu sein: Der Sonnenuntergang am 31. Oktober über dem Böttenbühl, der während der Äquinoktien über dem Galgen Berg bei Bötting- en und dem Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über dem Stufenberg an der Oberen Bära. Die einstige Bedeutung des Ortes ist längst von zwei schauerlichen Sag- en überformt wurden. Eine erzählt vom Streit zwischen Vater und Sohn um ein Mädch- en, der in einem Gottesurteil mündete und schließlich zum Tod der beiden vor dem Stein führte. So nimmt es kein Wunder, dass er heute versteckt zwischen Bäumen liegt und seine ursprüngliche Bedeutung längst vergessen ist. Auch das Christentum hatte bald die Macht der einst angeprangerten Götzenbilder erkannt und das Medium Bild und Plastik zur weiteren Missionierung eingesetzt. Da die alte Bildsprache verloren ging, haben auch sie, heute, nach fast 2000 Jahren Missionierung, ihre große Bedeut- ung verloren, . Insofern steht der Naturaltar bei königsheim auch für den Beginn der Religionen.

Sonnenrichtung des Götzenaltares

Bilder: Wikipedia / Biblisches Götzenbild des goldenen Kalbes in Hartmann Schedels Weltchronik (Nürnberg 1493) , ScanTsujigiri~commonswiki / Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510, Michelangelo – Web Gallery of Art/ Nicolas Poussin: Die Anbetung des goldenen Kalbes (1633–1634)/ Nicolas Poussin/ Bild ttp://www.cts.edu/ImageLibrary/Public_domain.cfm / Götzenaltar Schwäbische Alb, Foto Manuel Mattes, http://manuel-mattes.de/ simulation sunearthtools,opentopomap

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