Die Hexentanz auf dem Burgbühl

Narrendenkmal `Hexeneck´ in Obernheim, Foto Veit Feger

Auf der südlichen Alb m in der Region des großen Heuberges liegt das Dorf Obernheim. Nordwestlich des Dorfes erstreckt sich der Burgbühl, der auch als Hexenbuckel be- zeichtnet wird. Bereits Martin Crusius, der Schwäbische Chronist befasste sich in seinem Werk mit dem Phänomen der Hexen auf dem Gebiet des Großen Heuberges. Dort, wo hunderte verstreut liegende Grabhügel aus der Bronze- und der Hallstattzeit Zeugnis von den untergangenen Kulturen ablegen, soll eines ihrer bevorzugten Gebiete gewesen sein. Als ganz besonderer Treffpunkt galt aber der Hexenbuclel und gemäß den Aufzeichnungen von Crusius, sollen nachts Hexen und Hexenmeister zusammen-gekommen sein ´um mit den Teufeln zu tanzen, zu buhlen, Menschen und Vieh zu beschädigen´. Im Jahr 1589 wurden deshalb auch mehrere Männer und Frauen ange- klagt und verbrannt. Crusius sah aber die dort identifizierten Gespenster nicht als Hexen an, sondern machte sich ganz eigene Gedanken zu den übernatürlichen Erscheinungen auf dem Hexenbuckel. Er vermutete, dass an solchen Orten, wo Menschen diese Art von Gespenstern sehen, früher Schlachten geschlagen wurden und deshalb noch im- mer die Seelen der dort getöteten Soldaten umher irrten. Auch das häufig berichtete Wiehern von Pferden soll nach seiner Auffassung ebenso von Seelen getöteter Pferde stammen. Die Geschichte des Burgbühls begann im frühen 13.Jhd. mit der Errichtung einer Burg. Von ihr ist nichts mehr erhalten und auch nähere Untersuchungen des Ort- es gibt es nicht. Dass die Anhöhe überhaupt mit Hexen in Verbindung gebracht wird ist an ihrer Lage zum Ort Ibernheim und Ausrichtung der Albkuppe zu erkennen. Ein Aspekt ist hier der Sonnenuntergang der vom alten Ortsmitte Obernheims und der heutigen Kirche St.Afra am 1.Mai über dem Hexenbuckel zu sehen ist. Zudem weist die tropfen- förmige Ausprägung der Anhöhe mit ihrer Mittellinie auf den Sonnenaufgang zur Som- mersonnenwende über einem weiteren bedeutenden Ort. Folgt man dieser Richtung vom Burgbühl aus, so ist der erste Geländepunkt im Nordosten der Gräbelesberg am Rande des Eybachtales,

Sonnenrichtung Burgbühl

Diese Linie führt weiter zum nordöstlich gelegenen, pyramidenförmigen Gipfel des Heersberg. Auf allen drei Bergen lagen einst Burgen, wobei heute aber nur noch noch die Wallreste auf dem Gräbelesberg zu erkennen sind. Trotz dem Mangel an Mauerrest- en gibt es Rekonstruktionszeichnungen für die Burgen Hartmut Braun auf seiner Web- site Deutsche Burgen. Doch nur bei einer der drei Burgenplötze konnten bis heute frühere Besiedelungsspuren nachgießen werden. So deuten Wallreste und Funde auf dem Gräbelesberg auf eine Höhensiedlung hin, die dort im 6.Jhd. errichtet wurde. Damit enttspricht die Linie der Sommersonnenwende auch häufig anzutreffenden keltischen Siedlungsmustern Die Gedenktage von Heiligen, wie Veit oder Johannes der Täufer sollten die alten Kulte de Sommersonnenwende ersetzten, doch im Verlauf des späten Mittelalter erfreuten sich die die ausgelassen Feste an diesem Tag wieder großer Be- liebtheit. Bis zum 16. Jhd. war das Datum ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem sich auch der Adel unter das gemeine Volk mischte und mit ihm um das Sonnwendfeuer tanzte. In vielen großen Städten, wie beispielsweise Augsburg, München, oder Wien wurden diese auch mitten in der Stadt entzündet. Doch das ausgelassene Treiben weckte den wachsenden Widerstand von Kirche und Obrigkeit, die den sittlichen Verfall anprangerten.

Hexenflug der `Vaudoises´ ,Handschrift von Martin Le Franc, Le champion des dames, 1451.

Ende des 15.Jhd`s wurden deshalb erste Verbote ausgesprochen und während der Zeit der Gegenreformation wurde das das Fest der Sommersonnenwende gar mit heidnisch- em Treiben in Verbindung gebracht. Parallel zu den ausgesprochen Verboten entwick- elte sich Dank umfangreichen Schriften auch die Vorstellung von Hexen und deren Ge- folge. Sprachgeschichtlich zeigt sich hier eine Verwandtschaft des Wortes mit dem mittel hochdeutschen hagazussa, der `Zaunreiterin´ . Aus diesem Grund befasste sich währ- end des Konzils in Basel von 1431-1449 die Kirche auch mit den in dieser Zeit einsetz- enden Hexer- und Ketzerprozessen. Konkretisiert wurde das Vorgehen in der von Papst Innozens VIII im Jahr 1484 verfassten Hexenbulle. Darin wurde die Begiffe der Hexerei ausgeführt und deren Verfolgung rechtlich verbindlich angeordnet.

Zeitgenössische Darstellung der Hexen auf dem Blocksberg aus dem 16. Jhd.

Die Bulle `war gerichtet `gegen sehr viele Personen beiderlei Geschlechts, die mit ihren Be- zauberungen die Geburten der Weiber umkommen machen und verursachen.´ Der Freibrief führte in den folgenden Jahrhunderten zur Verfolgen und Tötung Tausender Unschuldiger. Das Fest zur Sommersonnenwende war nun endgültig negativ belegt und und lebte aber dennoch in Gestalt der Johannifeuer am 24. Juni weiter. Doch die Be- geisterung für den Karneval im alemannischen Raum ließ auch die Hexen in Obernheim wieder auferstehen und so wurde am 5. Februar 1939 die Hexenzunft Obernheim ge- gründet.

Burgbühl im Winter

Bilder: Wikipedia / Narrendenkmal „Hexeneck“ in Obernheim, Photo: Veit Feger – Photograph by Veit Feger / Hexenflug der „Vaudoises“ (hier Hexen, ursprünglich Waldenser) auf dem Besen, Miniatur in einer Handschrift von Martin Le Franc, Le champion des dames, 1451. / Hexenflug der `Vaudoises´ ,Handschrift von Martin Le Franc, Le champion des dames, 1451.Zeitgenössische Darstellung der Hexen auf dem Blocksberg aus dem 16. Jhd. Burgbühl im Winter Tourismus BW / Sonnenrichtung Burgbühl opentopomap, Sunearthtools

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