Die Linse und der Michaelsberg bei Untergrombach

Michaelsberg mit Michaelskapelle in Untergrombach, Foto Der Kawana

Auch eine prägende Kultur der Jungsteinzeit verdankt dem Schlachtenhelfer und Ver- teidiger des Glaubens ihren Namen, denn erste Erkenntnisse über die Michelsberger Kultur wurden auf dem Michaelsberg bei Untergrombach gewonnen. Der Archäologe Karl August von Cohausen entdeckte im Jahr 1884 bei Grabungen.dort die Überreste der Kultur. Dabei stieß er auf ein Erdwerk, in dem knapp 100 Grubenhäuser identifiziert wurden. Die nach dem Berg benannte Kultur existierte zwischen dem 44.Jhd. und dem 35,Jhd.v.Chr. in einem Verbreitungsgebiet, das vom Pariser Becken bis nach Süd- deutschland reichte. Ein verbindendes Merkmal der zahlreichen Siedlungen waren auch die umfangreichen Erdwerke. Sie bestanden aus Wällen mit mehreren Durchlässen und vorgelagerten Gräben, die oft mehrere hundert ha große Siedlungsfläche umfassten.

Gefäße und Mahlstein der Michelsberger Kultur,Carl Schuchardt, LaMu Württemberg

Eines der Hauptnahrungsmittel dieser jungsteinzeitlichen Kultur war die Küchen-Linse, die lens-culinars Ihre Geschichte der Kultivierung reicht bis ins 9. Jtsd. zurück und sie stammt, wie die Getreidearten, ebenso aus dem Vorderen Orient. Durch die Migrations-bewegung der Ackerbauern gelangte die Linse dann bis nach Mitteleuropa. Hier steht sie nach einer langen Zeit des Schattendaseins wieder auf dem Speiseplan. Auf Grund der proteinhaltigen Eiweiße gilt sie nun als Superfood. Linsen sind genügsam und gedeihen Dank einer Symbiose mit Luftstickstoff bindenden Knöllchenbakterien auch auf kargen bis steinigen Böden. Dennoch können sich Linsen gegen Unkräuter kaum durchsetzten und so muss bei ihrer Pflanzung der Unkrautvernichtung große Aufmerk-samkeit geschenkt werden. Deshalb haben sich in der Vergangenheit Mischkulturen mit Hafer oder Gerste bewährt, die die Unkräuter während des Wachstums der Linse fernhalten. Doch diese Mischung unterschiedlicher Pflanzen macht den Linsenanbau arbeitsintensiv und aufwendig.

Linse (Lens culinaris), Illustration

Der Wert der Linse wird auch im biblischen Kontext gewürdigt, denn im 25.Kapitel der Genesis kauft Jakab seinem älteren Bruder Esau, der hungrig vom Feld heimkehrte, das Erstgeburtsrecht mittels eines Linsengerichtes ab. Später werden dann sein 12 Söhne, nachdem er sich in hohem Alter weder mit seinem Bruder versöhnte, die Stamm- väter der 12 Stämme Israels. Bis zum Mittelalter hielt sich die Beliebheit der  Linsen-speise, die auch bei Griechen und Römern sehr beliebt war. Doch ab dieser Zeit war er der Anbau stark rückläufig und die Linse bekam den Status das Brot des armen Mannes zu sein. Die ideale Zeit für die Aussaat ist von Ende April bis Anfang Mai. Diesem Monat, mit dem in keltischer Zeit das sommerliche Halbjahr begann, gab Karl der Große einst den Namen der `Wonnemonat´. Der Name Mai lässt sich auf die römische Göttin Maia zurückführen, die altrömische Wachstums- und Naturgöttin. Sie ist eine der 7 Schwestern, den Plejaden, und seit den Erzählungen Vergils gilt Maja als die Tochter des Atlas und Mutter des Hermes.

Die Plejaden im Sternbild Stier – Der rote Kreis kennzeichnet deren Position. Foto fatso

Sie wurde teils mit der Göttin Bona Dea identifiziert, aber auch als Maja und Partnin des Gottes Mercurius. Doch im 5. Jhd.v.Chr sah der der griechische Dichter Aischylos die älteste der 7 Schwestern noch als die gebärende Mutter und assoziierte sie mit Gaia, der personifizierten Erde. In mehreren seiner Stücke bezeichnete sie Aischylos auch als die Erdgöttin Gaia Maia. Bereits 2 Jahrhunderte vor Aischylos hatte auch der griech- ische Bauerndichter Hesiod die Bedeutung von Maia und ihren Schwestern erkannt. In seinem Lehrgedicht Werk und Tage, das die Abfolge landwirtschaftllcher Arbeiten be- schreibt, führte er auch die Zeitmakierung durch das Gestirn der Plejaden auf. Er beschreibt dies mit folgenden Worten: `Wann dir früh die Plejaden, des Atlas Töchter, emporgehn,`Dann sei der Ernt‘ Anfang; und des Saatpflugs, wann sie hinabgehn.´ Passend zur Aussaat Linse, dem Beginn des Sommers und der Verehrung der Frucht- barkeit, erfolgte auch die Ausrichtung des linsenförmigen Erdwerkes auf dem Michals- berg. Dessen Mittellinie zielt den Sonnenaufgang am 6. Mai und entspricht mit diesem Datum nicht nur dem Zeitraum der Linsenaussaat, sondern zugleich auch dem Beginn des sommerlichen Halbjahres im 16-monatigen Kalender der Megalithzeit.

Michaelsberg, Ausrichtung

So liegen zwischen Frühlingsäquinoktium und dem 6. Mai 2 megalithische Monate und ebenso zwei bis zur Sommersonnenwende. Dieser Sonnenaufgang erfolgt vom Michaelsberg aus betrachtet, nun ebenfalls über einem Kapellenberg, dem Kreuzberg bei Tiefenbach. Dort steht eine kleine Kapelle, die das Ende eines Kreuzweges bildet. Bei diesen Übereinstimmungen von Zeit und Raum gilt es noch einen Blick auf den so- genannten Tulpenbecher zu werfen, eines der Hauptprodukte keramischer Erzeugnisse in jener Zeit. So hat bei näherer Betrachtung, die Geometrie eines Tulpenbechers weniger der gleichnamigen Blüte, als viel mehr der geschwungenen Silhouette einer Linsenblüte.

Linsenblüte und der Tulpenbecher vom Michelsberg, Foto Anagoria

Fotos: Wikipedia / Michaelsberg mit Michaelskapelle in Untergrombach, Foto Der Kawana ,Stadtwiki Karlsruhe / Gefäße und Mahlstein der Michelsberger Kultur aus einem Grab bei Hoheneck, Landesmuseum Württemberg Stuttgart, Carl Schuchardt (1859-1943) – Carl Schuchhardt: Deutsche Vor- und Frühgeschichte in Bildern. /Linse (Lens culinaris), Illustration, Original book source: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany, Permission granted to use under GFDL by Kurt Stueber / Die Plejaden im Sternbild Stier – Der rote Kreis kennzeichnet deren Position. Foto fatso / Simulation, Opentopomap, A.Dauber Plan Michaelsberg, sunearthtools/ Linsenblüte und der Tulpenbecher,Tulpenbecher vom Michelsberg, Landesmuseum Württemberg, Foto Anagoria –

 

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