Das Geheimnis des Hippodroms

Obelisk im Hippodrom

Einst war das Hippodrom in Konstantinopel das sportlich und soziale Zentrum des von Kaiser Konstantin gegründeten neuen Rom am Ufer des Bosporus. Das für Pferde und Wagenrennen errichtete Bauwerk diente damit nicht nur einem populären Freizeit-vergnügen, sondern gleichzeitig auch den regelmäßig stattfindenden kultischen Feiern. Aus diesem Grund gab es solche Hippodrome auch in vielen römischen und griech-ischen Städten. Das unter Kaiser Severus in einer kleineren Ausführung begonnene Bauwerk wurde aber in der Regierungszeit von Kaiser Konstantin zum Monument- albauwerk ausgebaut, mit einer Länge von 400 und einer Breite von 120 Metern. 30 ansteigende Sitzreihen boten beidseitig der Rennbahn über 30.000 Zuschauern Plätze. Über dieses imposante Bauwerk schrieb der spätantike, griechische Schrift-steller Zosimus in seinem Werk ‚Historia nea‘,`Neue Geschichte´….Ebenso schmückte er den Hippodrom wunderschön aus, indem er das Heiligtum der Dioskuren darin einbezog, deren Bildnisse man auch noch heute auf den Säulenhallen des Hippodroms stehend sehen kann. Ferner brachte er in einem Teil des Hippodroms den Dreifuß des Apollon von Delphi zur Aufstellung […].

Modell des Hippodroms

Die Dioskuren als Söhne des Zeus. Castor und Pollux waren Zwillings und wurden doch als Halbbrüder geborenen. Der Vater von Pollux, der in der griechischen Mythologie den Namen Polydeukes trägt, war Zeus. Er hatte sich mit Leda, der Tochter des ätiolischen Königs, in der Gestalt eines Schwan verbunden, doch in der gleichen Nacht empfing Leda aber auch ihren Ehemann Tyndareos. Anschließend, so die Legende, gebar sie vier Eier. Aus zwei von Ihnen schlüpften dann die beiden Disokuren, wobei Pollux, dank seines Vaters Zeus, der Unsterbliche war. In der griechischen Mythologie galten die Zwillinge als der besondere Stolz Spartas. Zahlreichen Erzählungen berichtet von ihren Abenteuern in denen sie an der Fahrt des Iason und der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies teilnehmen. Ebenso begleiteten sie Herakles auf dem Weg zu den Amazonen. Trotz der gemeinsam bestandenen gefahrvollen Abenteuer führte schließlich ein Streit zwischen Castor und seinem Cousin Idas zum Tod des Dioskuren. Erzürnt über seinen Tod tötete Zeus den Mörder Idas mit einem Blitz. Polydeukes, der auf Grund seines Vaters Zeus unsterblich war, trauerte um seinen Bruder und so erlaubte ihm Zeus abwechselnd im Totenreich und im Olymp zu leben. Von der Unzertrennlichkeit beider gerührt versetzte er schließlich beide als Sternbild Gemini, die Zwillinge an den Himmel.

Dioskuren-Statuen am Ende der Treppe zum Kapitol in Rom, Foto Lalupa

Der Kult der Diiokuren bereitete sich vom antiken Griechenland später auch im Röm- ischen Reich aus. Dort galten sie als Schutzgötter der Reiterei und der Flotte. Deshalb wurden sie vor allem im Ritterstand verehrt, der in ihnen das Idealbild eines edlen Reiters zu Pferde sah. Bei der Verehrung der Dioskuren beliebt, waren auch Beteu-erungen und Schwüre, die auf ihren Namen erfolgten. Beide sind aber auch ein Sinnbild für die Umbruchszeit, in der das alte Götterpantheon verschwand und sich das neue Christentum konstituierte. Für die Parallelität alter und neuer Glaubensinhalte bietet Konstantinopel mehrere gebaut Beispiele und eines davon ist das bereits erläuterte Konstantinsform nördlich des Hippodroms. Wie sich beide Welten auch im Christentum vermischten, zeigt sich in der Apostelgeschichte am Beispiel der Verehrung der Dioskuren. So wird dort im 24. Kapitel die Reise des Apostels Paulus nach Rom erwähnt, die unter dem Schutz der Zwillinge, also der Dioskuren stand. Da das Brüder- paar in dieser Zeit auch als Heiler angerufen wurden, schlüpfte nun Paulus selbst in diese Rolle. Fortan nannte er auch das Mittelmeer `Mare nostrum´, Unser Meer und griff mit diesem rhetorischen Kunstgriff auch den imperialen Gebietsanspruch Roms wieder auf. Der neue Machtanspruch gründete nun nicht mehr auf der römischen Staats-legende , der Abstammung von Venus und Mars, sondern vom Sieg des Christentums. Doch auch während dieser Epoche des Umbruchs gab es eine Konstante, den Kosmos.

Das Hippodrom und die Dioskuren

Die Bedeutung der Zahl 127 innerhalb der Tetraktys, Grafik,ag rieble

Dessen Perfektion spiegelt sich in den Zahl 37 und 217 wieder. Beide stehen für das kosmologische Erkläungsmodell der Tetraktys. So steht die 37 für die 37 Elemente des Tetraktysdreiecks und die 127 für die Verbindung dieses Dreiecks mit dem Hexagramm. Dass Konstantin bei der Errichtung noch der alten Mythologie folgte,zeigte sich bereits bei seinem Forum. Auch hier, beim Hippodrom zeigt ein Blick an den Himmel in jener zeit. So weist die Querrichtung auf die letzte Sicht des Sterns Altair aus dem Sternbild des Adler am 15. Februar, dem römischen Stiftungsfest und die Längsrichtung auf die erste Sicht des Sternes Pollux am Abend des 19. März , dem Beginn Quinquatria zu Ehren des Mars. Sie standen nicht nur für die beliebten Wagenrennen, sondern auch für den einst traditionellen Auftakt beginn der jährlichen Kriegszüge.

Bilder: Stadtmodell Konstantinopel,Obelisk,eigen / Wikipedia / Dioskuren-Statuen am Ende der Treppe zum Kapitol in Rom, Foto Lalupa / CC BY-SA 3.0 / Tetraktys, Grafik,ag rieble/ https://www.decemsys.de/zahlen/127.htmSimmulation stellarium.

 

Ein Gedanke zu „Das Geheimnis des Hippodroms

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