Die Pyramide, die Gans und der Schwan

Heilige Gänse des Amun,Foto globalegyptianmuseum

im Alten Ägyoten wurde die Gans auf Grund ihres Wesens hoch geachtet, denn das fürsorgliche Tier zeichnet eine große Elternliebe aus. In Gestalt der aggressiveren Nilgans war sie eng mit dem Gott Amun verknüpft, der deshalb auch den Beiname `der große Schnatterer´ hatte. Er war ein altägyptischer Wind- und Fruchtbarkeitsgott, der in Hermopolis Ur- und Sonnengott angesehen wurde, der laut laut den Erzählungen als Nilgans aus zwei Eihälften entstanden war. Wohl aus diesem Grund spielte die Gans nicht nur als wichtiges Nutztier in der Landwirtschaft, sondern auch in der Magie und der Religion eine bedeutende Rolle. Von dieser Funktion der Gans ist auch in einigen Pyramidentexten die Rede, die vom Wunsch der Pharaonen erzählen, `als Gans in den Himmel emporzusteigen´. In diesem Zusammenhang werden auch zahlreiche Opfer – und Bestattungszeremonien erwähnt. Während die Nil- und die Rostgans in der Ernährung der Ägypter eher eine unbedeutendere Rolle spielten, war die Graugans mit ihrem wohlschmeckenden Fleisch die beliebteste Gänseart bei den Ägyptern.

Graugans auf einer Wiese mit Gänseblümche, Foto Diliff

Sie war das ganze Jahr über im Land anzutreffen und wurde auch auf entsprechend angelegten Geflügelhöfen gemästet. Bereits die Geburt des Urgottes von Hermopolis verdeutlicht die Bedeutung des Eies in den Schöpfungsmythen des Alten Ägypten. Er entstand aus einem Ei, das ganz der Landschaft am Nil entsprechend, in einem Sumpfdickicht verborgen war.Auch der Sonnengott ist laut dem Totenbuch als Falke aus einem Ei entstanden. Ebenso wird auch der als Bildner bezeichnete Ptah, dessen Hauptkultort in Memphis lag, mit einem Ei in Verbindung gebracht. Die Gans war ein Attribut des Erdgottes Geb, der mit ihr auf seinem Haupt und mit einem Ankh-Schlüssel in der Hand dargestellt wurde.

Gott Geb, Erdgott und Mitglied der Neuheit von Heliopolis, Foto Daniel Toye

In den damaligen Vorstellungen war er es, der den Menschen alles schenkte was sie zum Leben benötigten. Mit der Göttin Nut zeugte er die Götter Osiris, Isis, Seth und Nephthys, weshalb Isis auch manchmal als das Ei der Gans bezeichnet wurde. Meist wird aber der Gott Amun, der sich später zu Amun-Re wandelte wurde mit der Gans als dem kosmischen Wesen gleichgesetzt. Dies war aber nicht vpn Anbeginn so, denn diese mythologische Sucht verbreite sich erst ab dem Neuen Reich. Am Himmel gibt es zwei Sternbildbilder die hier mit diesem mythischen Vogel identifiziert werden können. Zum einen ist dies das alter Sternbild des Adlers und das des Schwans. Obwohl einige griechische Sagen dessen Entstehung erklären, hieß das Sternbild im alten Griechen- land noch einfach Ornis, der Vogel. Erst die Römer gaben ihm den heutigen Namen Cygnus, der Schwan. Bereits im frühen Mittelalter wechselte dessen Name wieder zu Haushuhn, bis das Sternbild in der Neuzeit wieder den alten Namen zurück erhielt. Zwei Merkmale verbinden aber die mythische Rolle der Gans mit dem Schwan. Zu ihm besteht eine wesentlich engere Verwandtschaft als zum Adler und sein Sternbild schwebt über der Milchstraße, die im alten Ägypten als Spiegelbild des lebens-spendenden Nils angesehen wurde.

Schwan vor Milchstraße, Situation zur Wintersonnenwende im 3.Jtsd.v.Chr.

Damit zeigt das Sternbild des Schwans mehrere Aspekte um eine bedeutende Rolle innerhalb der ägyptischen Mythologie zu spielen. Diese Bedeutung, die der Schwan bei der Anordnung der Pyramiden auf dem Gizeh Plateau spielte, hatte der amerikanische Autor Andrew Collins im Jahr 2006 in seinem Buch ´The Cygnus Mystery´ erkannt. Mit seiner Entdeckung bot er eine wesentlich schlüssigere Erklärung für die Anordnung der 3 Pyramiden, als die beiden Autoren Robert Bauval und Adrian Gilbert. Mit ihrem Buch `The Orion Mystery´ hatten die knapp 12 Jahre zuvor einen neuen Mythos geschaffen, denn darin behaupteten sie, dass die 3 Gürtelsterne des Orion die Mittelpunkte der unterschiedlich großem Pyramiden markieren. Wie die Lage durch die Gürtelsterne bestimmt wurde, so die Autoren, soll auch einer der schräg in der Pyramide verlauf- enden Schächte auf sie ausgerichtet gewesen sein. Falls sie tatsächlich die vermuteten Begräbnisstätten waren, hätten die drei Pyramiden mit Orion, in dem sich der Totengott Osiris verkörperte, somit eine ideale Symbolik erhalten. Die Betrachtung von Andrew Collins zeigte aber, dass das Sternbild des Schwanes in 2 Positionen eine viel ein- deutiger Übereinstimmung mit der Lage der Pyramiden hatte und damit die Mythologie des Vogels hier zu einer baulichen Gestalt führte. Hatte der Schwan zu dieser Zeit den Meridian und damit den Himmelspol durchquert, lagen seine Sterne so, wie sie Collins als eine mögliche Grundlage eines Bauplanes für das Gizeh Plateau sieht. Neben zahlreichen anderen Erklärungen zur Geometrie der Pyramiden, bietet der Schwan eine Verbindung von  Bauwerk und der Mythologie des Vogels, auf die auch die von Richard William Vyse beschriebenen Gräber der Vögel im Nordwesten dre 3 Pyramiden hin- weisen.

Gizeh und Cygnus

Bilder: Heilige Gänse des Amun,Foto http://www.globalegyptianmuseum.org Wikipedia / /Ineni3000,CC BY-SA 4.0 / Graugans auf einer Wiese mit Gänseblümche, Foto Diliff / Geb was the Egyptian god of the Earth and later a member of the Ennead of Helio-polis.,Foto Daniel Toye , Simulation; stellarium,google-map

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