Der Sonnenhahn vom Hahnenkamm

Klassischer Wetterhahn, Foto Arne Koehler

Dass ein Hahn auf zahlreichen Kirchturmspitzen steht, ist in einer Jahrtausende alten mythologischen Tradition begründet. So leitet sich sein Name vom mittelhochdeutschen Wort hane ab, das singen bedeutet. Dies macht er auch bei Sonnenaufgang, wo er der erste ist, dessen Töne zu hören sind. Deshalb wurde er einst auch der Morgensänger genannt. Doch der Hahn verkörpert eine ambivalente Symbolik. Die positive verkörperte er bereits bei den Griechen, wo er als Orakeltier und Verkünder der Morgensonne galt . Als Orakel diente er aber ebenso als der Vorbote für den Tod. So gab es die Vorstellung, dass beim Tod des Haushahns auch der Hausvater sterben musste. Der Hahn stand zudem für Kampfeslust und im Christentum auch im Verdacht ein Tier des Teufels zu sein. So wurden Menschen verdächtigt mit ihm im Bunde zu sein, die das Krähen des Hahns nicht ertragen konnten. Diese Sicht blieb allerdings eine Rander-scheinung, denn im biblischen Kontext spielte der Hahn die positiv besetzte Rolle eines Verkünders des neuen Tages. Eine bedeutende Rolle spielt er hier im Neuen Test- ament, wo er nach dem Verrat des Petrus im Garten Gethsemane dreimal krähte.

Dritte Verleugnung Petri mit Hahnenschrei, Foto MOSSOT

Durch diese Ankündigung des Sonnenaufganges sahen bereits die frühen Kirchenlehrer im Hahn ein Sinnbild für die Wiederauferstehung von Christus. So findet sich das Bild des Hahnes als Auferstehungssymbol auch auf den Sarkophagen früher Christen, die sich heute In den Vatikanischen Museen befinden Den Sieg des Lichtes Christi über die Macht der Finsternis verkündet der Hahn heute von zahlreichen Kirchtürmen. Das Auf- treten des Hahns in der biblischen Erzählung wirft Fragen auf, denn gemäß den Regeln der Rabbiner galt dort ein Verbot der Hühnerzucht, Viel mehr scheinen hier Einflüsse der griechischen, wie auch der nordischen Mythologie durch. So galt der Hahn auf Grund seiner Kampfeslust in Griechenland als ein Tier des Kriegsgottes Ares. Ebenso war er als Wächter ein Attribut des Götterboten Hermes und der Göttin Athene. Auch im Norden spielte er Hahn die typische Rolle des Wächters. In der nordischen Mythologie ist er der unsterbliche Wächter Widofnir, der hochoben im Weltenbaum, dem Mimameid sitzt. Hier galt er als der Schrecken der Riesen Surt aus der Feuerwelt Muspellsheim und der Riesin Sinmara aus der Eiswelt Niflheim. Der Name verweist auf Windofnir, den den Himmel der Vanen, den altnordischen Göttern der Fruchtbarkeit, Aus dem Grund vermutet der Sprachwissenschaftlers Karl Joseph Simrock, dass der Name Widofnir die Bedeutung Windweber hatte.

Hahnenkamm vom Tal aus gesehen, mit Breitenstein im Hintergrund, eigen

Auf Grund der Fernsicht war die Namenswahl geradezu ideal, denn von hier aus gibt es Sichtbeziehungen zu wichtigen Sonnenauf- und Untergängen über markanten Land- schaftspunkten. Über die einstige Burg Hahnenkamm berichtet eine alte Sage von einem Bürglesgeist der einst einen armen Wanderer auf dem Weg nach Ochsenwang um den Verstand brachte. Der war nach der Begegnung so verängstigt, dass er die Nacht im Tal verbringen musste. Die Burg, die hier im 12. Jahrhundert auf einem der Kegel des Schwäbischen Vulkans errichtet errichtet wurde, verfiel im 15.Jahrhundert. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnamen sind heute wieder die Reste der Haupt-mauern zu sehen. Für die Sonnenbeobachtung gibt es hier zwei wichtige Bezugspunkte, den Gipfel der Teck und den südöstlich gelegenen Breitenstein. So markierten damals gültigen Julianischen Kalender zwei Sonnenuntergänge über der Teck, die beiden wichtige Marienfeiertage: Mariä Verkündigung und Mariä Geburt. Als Zeitmarker für das Bauernjahr eignete sich der Breitenstein und wurde damit auch seinem Namen gerecht. So kündete dort der Sonnenaufgang Mariä Lichtmess über dem nordöstlichen Ende eint den Beginn des Bauernjahres an. Der Zeitraum, der die Feldarbeit bestimmte, endete dann mit dem Sonnenaufgang über dem südwestlichen Ende am Morgen von Martini. Mit Lichterprozessionen und Reiterumzügen wird noch heute in vielen Orten der Martinstag gefeiert. Dabei werden zahlreiche Lieder gesungen, von denen eines den Reim hat: `Der Hahn, der kräht, die Katz‘ miaut, Rabimmel, Rabammel, Rabumm´.

Hahnenkamm mit Sonnenrichtungen, eigen

Wikipedia: Klassischer Wetterhahn, Foto Arne Koehler, CC BY-SA 3.0/ Dritte Verleug-nung Petri mit Hahnenschrei, Fresko in der Wallfahrtskapelle Notre-Dame-des-Fontaines in La Brigue, Foto MOSSOT/ Hahnenkamm vom Tal aus gesehen, mit Breitenstein im Hintergrund, eigen/ Hahnenkamm mit Sonnenrichtungen, eigen, Geo- portal BW sunearthtools

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