Der Mythos von Bern

Kramgasse in Bern, Foto Daniel Schwen

Über die Entstehung des Namens Bern gibt es zahlreiche Erklärungsansätze.. Einer der sprachlich begründeten Ansätze aus dem Lexikon der schweizerischen Gemeinde- namen sieht die Entstehung des Namens Bern im althochdeutschen Verben berja, das schlagen bedeutet. Inzwischen wird dieser Ansatz aber als nicht haltbar angesehen. Eine jüngere Deutung aus dem späten 19.Jahrhundert sieht auch den Bezug von Bern und Verona, das im Mittelalter noch das welsche Bern genannt wurde. Gemäß dieser These, hatte der Stadtgründer Berchtold V. die neu gegründete Stadt Bern nach der früheren, von den Zähringern besessen Markgrafschaft Verona benannt Doch eine Er- klärung gilt bis heute und sie hat sich im Stadtbild, dem Wappen und in de Identität der Stadt niedergeschlagen. Zum ersten mal wie die Legende vom Berner Bär in der Justingerchronik erwähnt. Sie entstand nach einem Ratsbeschluss im Jahr 1420. In ihr sollten die vergangenen großen Ereignisse der Stadt aufgeschrieben werden. Der in Rottweil geborene Stadtschreber Justinger erhielt dazu den Auftrag, diese Ereignisse in Ukunden und Briefen zu erforschen und niederzuschreiben.

Berthold V. in der Darstellung des Berner Zähringerdenkmals, Foto DrTW

Gemäß den Aufzeich-nungen Justingers hat der Stadtgründer Herzog Berchtold V. einst gelobt die Stadt nach dem ersten, von ihm in den Wldern erlegten Tier zu benennen und das war ein Bär. in der keltisch-gemanischen Kultur war der Bär eine wichtige Symbol-gestaltr Es wird vermutet, dass er sich auch in der keltischen Bärengöttin Artio ver- köperte, Diese Göttin über de es nur wenige Relikte gibt, war die Göttin der brach-liegenden, bewaldeten Erde, wie auch der schwangeren und stillenden Mütter. Eine kraftstrotzende große Bärin strahlte einen furchteinflößenden Respekt aus, so daß die Bärengöttin auch die Aspekte Schutz und Verteidigung.

Artio-Plastik aus Bern, Foto by Sandstein

Parallelen gibt es zur griechischen Göttin Artemis, die laut der Legende ebenso in einer Bärengestalt erscheinen konnte. Sie galt auch als Herrin der Tiere. Trotz dieser mythologischen Bedeutung des Bären in Gestalt eine großen Mutter war der Bär in der mediterranen Vorstellung das Sinnbild ungebändigter Wildheit und prägte damit das Bild der Germanen. Auf Grund ihrer Kampfeskraft erhielten sie einst den Beiname der alles verwüstende Berserker. Diese Sicht der römischen Geschichtsschreibung prägte auch die frühe biblische Symbolik des Bären. In Texten wird er mehrmals als gefährliches Tier erwähnt. Nur mutige Gaubensverkünder, wie der heilige Gallus vermochten den Bär zu bezwingen und ihn fü sich dienstbar zu machen. Diese Legende vom erlegten Bären prägte fortan das Gesicht Berns, denn bereits 21 Jahre nach dem Erscheinen der Chronik gibt es eine Nachricht über von einem Bärengraben in der Stadt, in dem mehrere Bären gehalten wurden. Auch im Jahr 1513 ist in Bern wieder von Bären die Rede, als der Chronist Valerius Anshelm berichtete, dass die Berner nach der Schlacht von Novara nicht nur die Fahnen der Besiegten mit nach Hause brachten, sondern auch einen Bär. Obwohl der besiegte Bär die Kräfte seines Bezwingers widerspiegelte nahm das Tier keinen unmittelbaren Platz in der christlichen Symbolsprache ein. So stellt sich die Frage, weshalb ausgerechnet dieses Tier, das Berserkern den Name gab, zum Sinnbild einer Stadt wurde.

Das Wappen von Bern und der Bärenhüter am Abend von Petri Stuhl (Kathedra Petri)

Ein Blick in dem Himmel führt hier zu einer ersten Erklärung. die die komplexe Idee des Berner Bären zeigt. Als Sternbild umkreist der Große Bär den Himmelspol zirkumpolar, wobei eine Seite des Sternbildes auf den Schwanz des kleinen Bären weist, an dessen Schwanzende der Polarstern sitzt. Somit verkörpert der große Bär als Sternbild die Aspekte der Stetigkeit und der Orientierung, beides Fähigkeiten die auch ein Städte-gründer benötigt. Doch all dies ist im himmlischen Schauspiel auch ein Verdienst des Bärenhüters, der dem Bären folgt. Betrachtet man aber das Wappen der Stadt genauer spiegelt dies aber nicht den Bären wieder, sondern den mystischen Bärenhüter. Bis in Einzelteile deckt sich das Wappen mit der Lage seiner Sterne, so dass der hellste und kräftigste Stern Arktur auch da sitzt, wo auch der Bär seine Kraft weitergibt, seinem Penis. Sein Stern Nekkar, liegt dort wo der Bär seine kraftvolle Tatze hebt und der fünfthellste Stern des Bärenhüters, der im Arabischen der Rinderhirte bedeutet bildet den Kopf des Berner Bären. Diese Bezeichnung reicht weit zurück in die Geschichte des Orients, wo das Bild des Guten Hirten als Sinnbild eines eines verantwort-ungsvollen Hersches gesehen wurde, der sein Volk beschützt, aber auch erzieht. Dies- es Bild des Hirten wurde bereits im frühen Christentum adaptiert. Er galt hier nicht nur als Sinnbild für Christus, sondern auch Fürsten sagen sich nun in der rolle des Guten Hirten. In dieser Haltung, wie im Wappen abgebildet, tauchte der Bärenhüter auch auch am Abend von Petri Stuhl am Himmel auf.. Dies war im Mittelalter ein wichtiger Tag im Bauernkalender und wurde in vielen Gegenden auch als Frühlingsbeginn gefeiert. Also ein durchaus symbolische Geste für eine Stadtgründung.

Teil 2 – Der frühe Berner Bärenkult und die Plejaden / Teil 3 – Die Stadt des Guten Hirten

Bilder: Wikipedia / Kramgasse in Bern, Foto Daniel Schwen ,CC BY-SA 4.0 / Berthold V. in der Darstellung des Berner Zähringerdenkmals, Foto DrTW CC BY-SA 3.0 / Artio-Plastik aus Bern, Foto by Sandstein. Das Wappen von Bern und der Bärenhüter

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