Der Mond, der Kornbühl und die Hexeneiche

Hexeneiche auf den Seeheimer Berg bei Jungingen

Gemäß denn örtlichen Überlieferungen glaubten die Menschen rund um Jungingen Jahrhunderte lang, dass sich auf dem Seeheimer Berg, einem markant Sporn des Albtraufs die Hexen treffen würden, Eine Eiche, die als Hexeneiche bezeichnet wird, erinnert dort noch an diese Zeit der Hexenvefolgung., Sie gilt auch als eines der dunk- elsten Kapitel der Geschichte im Südwesten. Die Angst vor Hexen wurde durch pseudo-wissenschaftliche Lehrbücher, wie dem, das der Theologe und Dominikaner Pater Heinrich Kramer im Jahr 1486 veröffentlichte noch gefördert Sein Werk, der Hexen-hammer prägte de Vorstellung von Hexen über lange Zeit. In Dutzenden von Beispielen untermauerter er seine Thesen und die Möglichkeit die Tätigkeit von Hexen zu er- kennen.

Titelseite des „Malleus maleficarum“, Lyon 1669, Digitale Bibliothek

Die brutale Verfolgung und Erzwingung von Geständnissen unter Folter stieß in Teilen der Kirche nur auf verhaltende Ablehnung. Doch im Zuge des sich ausweitenden Hexen-glaubens wurden Zweifler an den Umtrieben zu Häretikern erklärt und ebenso der Verfolgung preisgegeben: “Hairesis maxima est opera maleficarum non credere” (deutsch: „Es ist eine sehr große Häresie, nicht an das Wirken von Hexen zu glauben“). Kramers Buch entwickelte sich zu einem Besteller und schürte die Angst. So wurde im Jahr 1603 hier auch Barbara Tollmaierin aus Onstmettingen der Hexerei angeklagt. Der Prozess fand dann in Freudenstadt statt. Mit entsprechenden Folterwerkzeugen die zur peinliche Befragung genutzt wurden, konnten alle möglichen Geständnisse erpresst. Die Befragten gestanden dann die Hexentänze ausgeführt zu haben, oder Buhlschaften mit dem Teufel eingegangen zu sein, Ja sogar das Gewitternachen gestanden die Hexen nach den Befragungen. Damit wurden die Hexen auch zu willfährige Sündenböcken für eine Klimakatastrophe die sich die damalige Wissen-schaft nicht erklären konnte. Sie war Auslöser eines wirtschaftlichen Katastrophe, die von zahlreichen Mißernten begleitet wurde.Gleichzeitig war die Kirche seit der Refor-mation in einen heftigen Glaubenskampf verstrickt. Im laufe es 16. Jahrhunderts gewann das Bild der Hexen immer neue Facetten.

Bloks Bergs Verrichtung, Johannes Praetorius, 1668

So tauchten in dieser Zeit auch Erzählungen auf, die von einem Hexensabbat auf dem Brocken berichteten, Doch erst mit Johannes Praetorius und seinem 1668 ver-öffentlichten. Werk „Blockes-Berges Verrichtung mit“ fand der Hexenritt zum Brocken eine weitere Verbreitung. Existierte der Glaube durch der dirch die macht reit- enden Schauergestalten bereits in den Bildern des Mutesheeres, einem Geisterheer das in den Rauhnächten auftrat, so bot das Praetorius gezeichnete Schreckensbild der Walpurgisnacht eine erneute Steigerung.Seinen Beschreibungen zufolge trafen sich Hexen auf dem Brocken, um dort den Pakt mit dem Teufel zu erneuern. Mittlerweile ist der Hexenglaube längst verflogen und nur die zahlreichen Fasnetsvereine erinnern mit ihren Masken an die einstige Schreckenszeit der Verfolgungen.

Furtwanger Hexe, 2006, Foto Schwarzwälder

Doch die Hexeneiche bei Jungingen markiert weiterhin einen Ort, an dem sich die Zyklen der Zeit beobachten lassen. So iwäre von hier aus ohne die heutige Bewaldung alle 18 Jahre der Mondaufgang über dem Kornbühl zu sehen. Doch Mitte des 13. Jahrhunderts, war von Ort der Eiche auch der Sonnenuntergang am 31. Oktober über dem südwestlich gelegenen Raichberg zu erkennen. Das Datum, das bereits im frühen Mittelalter zum Fest Allerheiligen wurde, war einst in keltischer Zeit der Beginn es Win- terhalbjahres.

Die Hexeneiche, der Mond und Samhain

Zugleich war dies eines der Feste in denen es Lebenden möglich war mit der Anderswelt der Toten in Kontakt zu treten. In den unterschiedlichsten Mythologien hatten der Mond und die Magie immer eine enge Verbindung. Aus dem Grund wurde Mondgöttinnen, wie der römischen Diana, oder der griechischen Selene immer auch Zauberkräfte zugesprochen. In der Vergangenheit wurde aber nicht nur hier ein Treffpunkt von Hexen vermutet, sondern auch an einigen anderen Orten, wie dem Bürgle bei Jungingen, einem ehemaligen Burgberg und dem Mettenberg nördlich von Burladingen. Alle Orte verbindet eine Eigenschaft. Sie boten die Möglichkeit, über markaten Landschaftpunkten der Alb, Sonnenaufgänge an einst wichtigen Kalenderdaten zu beobachten..

Bilder: Hexeneiche Seeheimer Berg, eigen /Wikipedia/Titelseite des „Malleus maleficarum“, Lyon 1669 /Sprenger, Jakob – Verfügbar in der digitalen Bibliothek BEIC und hochgeladen in Partnerschaft. /Bloks Bergs Verrichtung, Johannes Praetorius, 1668 / Furtwanger Hexe, 2006, Foto Schwarzwälder / CC BY-SA 3.0 / Simulation suneathtools

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